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Die Ostermoorer Boien

Diese Website ist der Geschichte der Boien aus der Bauerschaft Ostermoor im Kirchspiel Brunsbüttel in Ditmarschen gewidmet. Der Autor wurde auf einem ehemaligen Boien-Hof geboren und ist, wie schon am Vornamen zu erkennen, ein Abkömmling dieses Geschlechts.

Die Ostermoorer Boien leiten sich von einem (Hannecken?) Ties ab, der um 1465 geboren wurde. Dessen Sohn Ties Johann (+ vor 1561) war Eigentümer von mindestens zwei Höfen in der Bauerschaft Ostermoor, dem "Osterhoff" und dem "Westerhoff". Der Name "Boye" gelangte um ca. 1575 mit der Geburt von Ties Johans Claus Boye in die Familie. Ihm und seinem Sohn Boyen Claus Boye (ca. 16001673) verdanken die Boien ihren Familiennamen.
Boyen Claus Boye war der Begründer eines neuen Boien-Hofs (1637) im äußersten Osten der Bauerschaft Ostermoor.
Um 1700 besaßen die Boien den größten (Wilcken Boye I) und drittgrößten (Johann Boye der Jüngere) Hof in der Bauerschaft. Die schweren Sturmfluten der Jahre 1717, 1718 und 1720/21 erzwangen die fast vollständige Ausdeichung des Ostermoorer Arreals. Die Ostermoorer Boien mussten ihre Höfe verlassen und wanderten nach Westerbüttel (Wilcken I) und Warfen (Johann der Jüngere) aus. Nach der Wiedereindeichung des Gebietes (1762) siedelten sich die Nachkommen der beiden Boyen-Linien wieder auf ihren alten Ländereien im jetzt so genannten "Neuen Koog" (später Brunsbüttelkoog) an. Beide Boien-Höfe wurden später an Feils verkauft, nämlich an Marten Feil (1783) und dessen Sohn Marten Feil dem Jüngeren (1831).
Damit war die Geschichte der Boien aus Ostermoor aber noch nicht beendet. Peter Boie (1813
1844), gebürtig im Neuen Koog und ein Nachkomme der von Wilcken Boye I begründeten Linie, erwarb zusammen mit seiner 17-jährigen Ehefrau Catharina Magdalena Peters aus Westerbüttel im Jahre 1834 einen Hof, der ursprünglich deren Großvater, dem Ostermoorer Müller Peter Meinert, gehört hatte. Der Südteil dieses neuen Boien-Hofs gelangte 1934 nach dem Tode von Johannes Nikolaus Boie an Jakob Frauen, während der Nordteil noch bis 1969 von einem Nachfahren der Ostermoorer Boien (Heinrich L. Feil) bewirtschaftet wurde.


Inhalt

1. Quellen

2. Der letzte der Boien-Höfe

3. Die Geschichte der Ostermoorer Boien

XIII.  Catharina Helene Boie (18701932)

XII.  Daniel Hermann Boje (18371897)

XI.   Peter Boje (1813
1844)

X.   Johann Boje (1785
1830)

IX.    Wilcken Boye III (1748
1834)

VIII.   Wilcken Boye II (1711
1793)

VII. Wilcken Boye I (1670
1747)

VI. Johann Boye d. Ältere (ca. 1630
1697/98)

V.  Boyen Claus Boye (ca. 1600
1673)

IV.    Ties Johans Claus Boye (ca. 1575
1632 oder 1649/50)

III.   Ties Johans Claus (ca. 1540
1616/17?)

II.   Ties Johann (ca. 1500
vor 1561)

I.   (Hannecken?) Ties (* ca. 1465)




1. Quellen

Für diese Website habe ich hauptsächlich amtliche (Ackerschatzregister, Umschreibungsregister, Schuld- und Pfandprotokolle, königliche Dispense usw.) oder halbamtliche (Kirchenbücher, Kirchenrechnungen) Dokumente ausgewertet. Sekundärliteratur wurden nur ausnahmsweise zitiert. Wie ich zu meinen Erkenntnissen gelangte, beschreibe ich hier im Detail.

BHS: Bauern, Handwerker, See­fahrer, Lebensbilder aus dem Kirchspiel Brunsbüttel und aus dem Lande Dithmarschen. Hrsg. Verein für Brunsbüttler Geschichte. Von Wilhelm. Johnsen (1961)
Bolten: Ditmarsische Geschichte. Teile I bis IV. Verlag Schuster, Leer, Reprint 1979. Von Johann Adrian Bolten (1781, 1782, 1784, 1788)
CE: Chronik der Gemeinde Eddelak. Herausgeber Gemeinde Eddelak 1994)
CSM:
Chronik des Kirchspiels St. Margarethen - zugleich eine Geschichte der südwestlichen Wilstermarsch. Druck J.J. Augustin, Glückstadt. Zweiter Nachdruck, Auftraggeber Gemeinde St. Margarethen,        Herstellung Boyens Offset, Heide, 2003. 415 Seiten. Von Wilhelm Jensen (1913)
CUL: Das mit dreyen Fortsetzungen vermehrte Denk-Mahl von den hohen Wasser-Fluthen / Wie selbige insonderheit in der Wilster-Marsch eingebrochen / .... Von Gregorio Culemann, Wilster 1728. Neudruck 1926.
Fischer: Dithmarschen. Das Wasserwesen an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste. Teil III.Das Festland. Band 5. Verlag D. Reimer, Berlin. Von Otto Fischer (1957)
Gerths: Die Bauerschaftgemeinde Behmhusen und ihre Geschichte. Ungedrucktes Manuskript von Hugo Gerths, Eddelak (1940)
KB: Kirchenbücher, Edd=Eddelak, Bb=Brunsbüttel
LAS: Landesarchiv Schleswig-Holstein
LBK: Landesbibliothek Kiel
JOS: Josenburg. Beiträge zur Hofgeschichte und Sippenkunde. Von Wilhelm Johnsen (1936), aus der Brunsbüttelkooger Zeitung 11.
19.2.1936
Marten: Aus den Registern des Heider, Lundener und Meldorfer Gerichts. Dithmarschen. Blätter der Heimatgestaltung, 12, 120-130.
Von Georg Marten (1936)
SB: Das schöne Brunsbüttel. Schicksale und Denkmäler. Hrsg. Verein für Brunsbütteler Geschichte, Reprint Buchhandlung Schopf, 1980. Von Wilhelm Johnsen (1951)



2. Der letzte der Boien-Höfe
                                                                                                                                       
Im Laufe der Jahrhunderte besaßen die Ostermoorer Boien/Bojen/Boyen verschiedene Höfe. Der letzte der Boien-Höfe umfasste in etwa die Flächen der Höfe von Heinrich Leopold Feil und Jakob Frauen, Stand 1960. Dieser Hof befand sich ursprünglich in der Hand von Johannes Nikolaus Boie (18691934).
Der nördliche Hofteil wurde um 1900 auf dessen Schwager Heinrich Gottlieb Feil übertragen und später von dessen Sohn Boy Peter Feil sowie ab 1951 vom Enkel Heinrich Leopold Feil bewirtschaftet. Auf diesem Hof wurden meine Schwestern und ich geboren.
Der südliche Hofteil verblieb bis zu dessen Tod im Jahre 1934 im Besitz von Johannes Nikolaus Boie und wurde dann von Jakob Frauen (3.7.1903
26.1.1982) erworben. 

Der Frauen-Hof wurde Anfang der 1960er Jahre an die Entwicklungsgesellschaft Brunsbüttel verkauft, der Feil'sche Hof folgte am 1.10.1967, wurde aber noch bis zum 31.12.1969 vom ehemaligen Eigentümer als Pachtung bewirtschaft.


Feil-Hof 1915          Feil-Hof 1956
Feil-Hof ca. 1915, damaliger Eigentümer Heinrich G. Feil                      Feil-Hof 1956, damaliger Eigentümer Heinrich L. Feil
Im Vordergrund, von links: Katharina H., Marie H. und Heinr. G. Feil       Im Hintergrund: Transformatorenhaus, Landstelle Heinr. Vollmert und Spritzenhaus




3. Die Geschichte der Ostermoorer Boien

Der oben erwähnte Johannes Nikolaus Boie war der letzte der Ostermoorer Boien, der noch im Gebiet der alten Bauerschaft Ostermoor lebte und dort einen Hof bewirtschaftete. Jedoch gab es dort bis 1969 noch Nachfahren seiner Schwester Katharina Helene Boie, darunter den Autor dieser Zeilen er ist ein Urenkel von Katharina Helene Boie, und Johannes N. Boie ist somit mein Urgroßonkel. Meine Geschichte der Ostermoorer Boien lasse ich daher mit meiner Urgroßmutter Katharina Helene Boie beginnen.

XIII. Katharina Helene Boje (26.11.187012.10.1932), meine Urgroßmutter, war verheiratet mit meinem Urgroßvater Heinrich Gottlieb Feil, der als dritter Sohn keinen eigenen, von den Eltern ererbten Hof besaß. Nach dem frühen Tod des kurzzeitigen Hofbesitzers Peter Wilhelm Boie im Jahre 1892 dürfte mein Urgroßvater den Hof seines verstorbenen Schwagers zunächst gepachtet haben. Um 1900 verkaufte Johannes Nikolaus Boie, der Bruder des verstorbenen Peter Wilhelm Boie und dessen Erbe, den gepachteten Hof an ihn so wurde aus dem einstigen Boien-Hof ein Feil-Hof. Johannes Nikolaus Boie wohnte bis zu seinem Tode (1934) auf dem südlichen Teil des Boien-Hofs, der dann von Jakob Frauen übernommen wurde. Heinrich G. und Katharina H. Feil lebten auf dem Hofplatz des späteren Hofs von Heinrich L. Feil.

oo am 20.1.1893 mit Heinrich Gottlieb Feil (28.2.1865−16.6.1940), Sohn des Hofbesitzers Peter Nikolaus Feil (8.3.182118.7.1874) und der Maria Mathilde Petersen (22.9.182920.1.1919) im Brunsbüttelkoog

Kinder

1. Boy Peter (24.7.1895
3.1.1933), mein Großvater, oo mit Leopoldine Maria Lorenzen (16.9.18986.5.1973), Tochter des Bauern Leopold Lorenzen (15.1.185923.8.1898) und der Maria Christina Steenholdt (15.4.18725.12.1927) aus Lexgaard in Nordfriesland

2. Erich Johannes (25.3.18988.4.1902)

3. Marie Hermine (15.8.1900
20.5.1930), starb unverheiratet und kinderlos

Hof: Ich suche noch nach Daten.

Zeit: Der von 18871895 erbaute Nordostseekanal (ursprünglich Kaiser-Wilhelm-Kanal genannt) zerschnitt die Bauerschaft Ostermoor. Unter Reichskanzler Caprivi wurden die unter Bismarck eingeführten Schutzzölle auf Getreide wieder abgebaut. Brunsbüttelkoog-Süd erhielt am 1.5.1893 einen Eisenbahnanschluß, Ostermoor einen Haltepunkt. Ein einschneidendes politisches Ereignis war natürlich der 1. Weltkrieg (19141918), an dem mein Großvater als Soldat in Frankreich teilnahm.



XII. Daniel Hermann Boje (21.2.183729.9.1897). Daniel Hermann Boje wuchs als Halbwaise auf und bewirtschaftete den gesamten Boien-Hof. Er lebte auf dem Hofplatz des späteren Hofs von Heinrich L. Feil, als Rentner bei seinem Sohn Johannes N. Boie an der Fährstraße auf dem späteren Frauen-Hof.

oo am 3.5.1865 mit Wiebcke Horn (23.3.1840
), Tochter des Hausmanns Hans Horn (13.7.180112.8.1868) und der Anna Margaretha Sachau (12.4.181327.9.1889) aus Averfleth.

Kinder

1. Peter Wilhelm (4.3.1866
6.12.1892), oo am 25.10.1892 mit Albertine Margarethe Lau (14.3.1873) aus Nordbüttel, starb ohne Nachkommen kurz nach der Hochzeit. Peter W. Boie besaß den Nordteil des väterlichen Hofs (später Hof von Heinrich G. Feil)

2. Anna Margaretha (29.5.1867
3.8.1872)
   
3. Johannes Nikolaus (18.1.1869
5.2.1934), starb unverheiratet und ohne legitime Nachkommen. Er besaß den Südteil des väterlichen Hofs (später Hof von Jakob Frauen).

4. Katharina Helene (26.11.1870
12.10.1932), meine Urgroßmutter, mehr über sie oben
    
5. Hermann Ludolf (30.3.1876
24.12.1877)

Hof: Daniel Hermann kaufte den Hof laut Vertrag vom 5. April 1865 von seiner Mutter Katharina Magdalena Boie geb. Peters. Dieser umfasste damals 27.8 M.S (37.3 ha), Catharina Magdalena behielt 2 S im Moor nördlich der Dorfstraße.
Um etwa 1890 teilte Daniel Hermann seinen Hof zwischen seinen beiden Söhnen auf, wobei Peter Wilhelm das Land nördlich der Landstraße (später B5) und Johannes Nikolaus die südlich der Landstraße belegenen Flächen erhielt. Noch zu Daniel Hermann Lebzeiten verstarb jedoch der ältere der beiden Brüder nur 4 Wochen nach seiner Hochzeit mit Albertine Margarethe Lau. Der nun vakante Hof wurde vom Erben Johannes Nikolaus Boie zunächst wohl an seinen Schwager Heinrich Gottlieb Feil verpachtet, dann um 1900 verkauft.

Zeit: 18481851 fand der Schleswig-Holsteinische Krieg statt, 1864 der Deutsch-Dänische Krieg. Nach dem letzteren Krieg fiel Holstein mit Dithmarschen zunächst an Österreich, wurde 1866 jedoch Preußen einverleibt. Preußen wiederum wurde 1866 Mitglied des Norddeutschen Bundes und ging nach dem Deutsch-Französischem Krieg von 1870/71 im neu gegründeten Deutschen Reich auf. Die Reichsgründung beflügelte zunächst die deutsche Wirtschaft, 1873 kam es jedoch einer schweren Wirtschaftskrise. Der Import von billigem amerikanischen und russischen Getreide begann die deutschen Produzenten zu bedrohen, worauf Reichskanzler Bismarck 1878/79  Schutzzölle für Getreide einführte.

Am 1.11.1878 wurde die Eisenbahnstrecke von Altona nach Itzehoe nach Heide verlängert, wobei von Ostermoor aus gesehen die nächsten Bahnhöfe in St. Margarethen, Taterpfahl und Eddelak lagen.
Die bessere Verkehrsinfrastruktur und Fortschritte in der Agrarkulturchemie (Justus Liebig) ermöglichten den Einsatz von Handelsdüngern (Chilesalpeter, Guano, Superphosphat) und erleichterten den Transport von Nahrungsmitteln in die Städte. Zwischen 1873 und 1913 stieg die Agrarproduktion in Deutschland um 90%. Insgesamt lebte Daniel Hermann Boje in einer für die Landwirtschaft günstigen Zeit.



XI. Peter Boje (11.2.181330.5.1844). Peter und und seine Ehefrau Catharina Magdalena Boje waren die Begründer eines neuen Bojen-Hofs in der ehemaligen Bauerschaft Ostermoor. Sie lebten auf der Hofplatz des späteren Hofs von Heinrich L. Feil. Nach Peter's frühem Tod war seine Witwe für 21 Jahre Eigentümerin des gesamten Hofs.

oo am 30.1.1834 mit Catharina Magdalena Peters (13.4.181714.12.1882), Tochter des Hofbesitzers Daniel Peters (16.11.179610.11.1890) und der Margaretha Meinert (7.8.17931876) aus Westerbüttel.

Kinder

1. Johann Hinrich (6.8.1835?). Er wäre normalerweise wohl Hoferbe geworden, hatte aber keinerlei Interesse an der Landwirtschaft. Der Überlieferung nach verließ er den elterlichen Hof bereits in jungen Jahren und wurde Kapitän. Er soll mit einer Hamburgerin eine Ehe geschlossenen haben, die kinderlos blieb, wohingegen Kinder aus einer Beziehung zu einer Chilenin  hervorgingen. Er soll in Valparaiso/Chile gestorben sein, was vor 1898 geschehen sein dürfte.

2. Daniel Hermann (21.2.183729.9.1897). Mein Vorfahr, mehr über ihn oben

Peter Bojes Grabstein ist noch erhalten, man findet ihn in der Nähe des Eingangs zum Friedhof von Brunsbüttel-Ort (linkes Bild).

     Grabstein Peter
        Boie Ausschnitt      Grabstein
          Nicholas Boie
               Grabstein von Peter Boie                 Grabstein von Nicolaus/Nicholas Boie, dem Bruder von Peter Boie
               Friedhof Brunsbüttel-Ort                   Friedhof New Holstein/Calumet County/Wisconsin
                        
© bfeil                                            © Barbara Bradley Petura                                


Hof: Schon als Minderjähriger wurde Peter Boje Eigentümer eines ca. 50 M großen Hofs in der Lehe, den er im Jahre 1829 von seinem Großvater Wilcken Boye III erwarb
(siehe Kaufvertrag). Wilcken Boye III hatte diesen Hof kurz zuvor (1828) von Hans Boie, dem Sohn und einzigen Nachkommen von Wilkens Bruders Peter Boie, ererbt. Wann und an wen Peter diesen Hof wieder abgab, vermag ich im Moment nicht zu sagen.
1834 kauften Peter Boie und seine Ehefrau ihren späteren Hof im Neuen Koog von der Schwiegermutter Margaretha Peters geb. Meinert, wohnhaft in Westerbüttel.
Diese Ländereien befanden sich ursprünglich im Besitz des Ostermoorer Müllers Peter Meinert. Den größeren und qualitativ besseren Teil des Hofes hatte Meinert im Jahre 1802 von Catharina Boie geb. Peters (15.11.178110.1.1830) erworben. Diese hatte ihn als Minderjährige von ihrem Vater Marx Peters (21.1.172621.3.1788) ererbt. Peter Meinert verkaufte seinen Hof im Jahre 1819 an seine Tochter Margaretha (17931876), die mit Daniel Peters (17961890) in Westerbüttel verheiratet war. Margaretha Peters geb. Meinert verkaufte ihre Ländereien am 2.10.1834 ihrer Tochter Katharina Magdalene und deren Ehemann Peter Boje.

Bei der Volkszählung 1835 lebten außerdem noch auf dem Hof: Hinrich Wittrock (24 Jahre), Jürgen Stange (21), Joh. Jac. V. Hemm (18), Cath. Marg. v. ??? (22), Cath. Elsabe Mayer (21). 1840: Margaretha Siedenburg (19 Jahre), Johann Hahnkamm (18), Anna Gesche Krumfuss (21), Antje Bunge (17). 1845: Hermann Thiessen (20), Johann Monsen (18), Antje Suhr (21) und der Tagelöhner Martin Ahsbachs (21). Alle genannten Personen waren Dienstboten.

Zeit: Peter Boje lebte während der Romantik, wie die zeitypische Darstellung eines Schmetterlings an der Spitze seines Grabsteins erkennen lässt. Ich vermute, dass der Grabstein die Abfolge von Geburt (Taufbecken unten), Tod (Inschrift in der Mitte) und Wiederauferstehung (Schmetterling oben) darstellt. Die 1820er Jahre waren für die Landwirtschaft extrem schwierigen 1820er Jahre waren die Getreidepreise wieder auf ein auskömmliches Niveau gestiegen, wobei es um 1835 allerdings wieder Rückschläge gab. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch den Export von landwirtschaftlichen Produkten aus den Herzogtümern nach England. Die Frühindustrialisierung war das Zeitalter des Pauperismus, der Massenarmut auf dem Lande, als deren Hauptursache das starke Bevölkerungswachstum angenommen werden muss.

 


X. Johann Boie (12.2.178520.11.1830). Johann Boie war von 1814 bis zu seinem Tode Besitzer des väterlichen Hofs. Dieser befand sich am Landweg in der Nähe des Koogswegs und wurde 1831 vom Landesgevollmächtigten Marten Feil II gekauft. Um 1821 war Johann Boie Deichgraf.

oo seit 9.9.1810 mit Gesche Kröger (24.9.1791
3.7.1828), Tochter des in Westerbüttel gebürtigen Hausmann Peter Kröger (3.10.175218.12.1813) und der Silje Claßen (17.6.176419.5.1799) wohnhaft im "Neuen Koog am Deich"

voreheliches Kind
mit Anna Malena Moritz aus Ostermoor, Tochter des Hans Michel Moritz und der Silie Hesebeck, oo am 13.10.1804 mit Johann Fritz
- Telsche (6.2.1803
19.6.1735), oo am 12.10.1823 mit dem Arbeitsmann Marten Frank (+9.12.1838), Sohn des Tews und der Margarethe Frank auf Blangenmoor; 2 Söhne, 2 Töchter

Kinder mit Gesche Kröger


1. Telsche (19.7.1811
25.12.1814)

2. Peter (11.2.1813
30.5.1844), mein Vorfahr, mehr über ihn oben

3. Telsche (22.1.1815
10.3.1818)

4. Wilken
(24.7.181723.6.1892), oo am 8.12.1840 mit Anna Margretha Schomaker (11.11.182923.2.1895), Tochter des Hausmanns Barteld Schomaker (2.9.17725.1.1855) und der Margaretha Kruthoff (13.4.178619.10.1876) aus Behmhusen. Er erwarb 1844 den ehemaligen Hof von Peter Lau in Eddelaker Diekshörn, verkaufte diesen aber 1856 wieder  und ging nach Westerbüttel (Gehrts, CE 77ff).
Kinder
- Anna Mathilde (21.6.1846
)
- Margaretha Sophia (10.2.1848
)
- Peter Nicolaus (10.5.1853
8.5.1899), Hofbesitzer in Westerbüttel, unverheiratet
- Gesche Margaretha (14.5.1853
), oo am 25.2.1882 mit dem Landwirt Theodor Mohr (19.6.1852) aus Wellinghusen in Norderdithmarschen
- Catharina Amalia (22.12.1855
)
- Caroline Magdalena (3.8.1858
)

5. Johann (26.4.1819
), oo1 am 26.4.1839 mit Margarethe Lau (+13.8.1850), Tochter des Hausmanns Hinrich Lau und der Magdalena Thießen in Behmhusen; oo2 am 13.9.1851 mit Telsche Lau, Schwester der ersten Ehefrau. Johann war Hausmann in Rösthusen. Er und sein Bruder Nicolaus nahmen am 1. Schleswig-Holsteinischen Krieg teil
Kinder mit Margarethe Lau
- Johann (20.11.1839
22.10.1899), geb. in Behmhusen, Hofbesitzer in der Lehe, oo am 8.12.1860 mit Catharina Magdalena Hinrichs, Tochter des Claus Hinrichs in der Lehe, 4 Kinder (2 Söhne, 2 Töchter)
- Sophie Magdalena (22.1.185027.3.1933), geb. in Rösthusen, oo am 14.3.1876 mit Martin Detlef Sanny (16.4.185113.4.1925) aus Rösthusen, Kätner und Bauer in Brokdorf; 9 Kinder, von denen 3 früh starben
Kinder mit Telsche Lau
- Peter Hinrich (7.4.1752
21.4.1859)
- Gesche Magdalena (19.2.1854
)
- Hermann (20.2.1854
22.2.1854)

6. Niclas ("Nicolaus") (5.7.1821
10.11.1909), oo am 7.12.1850 mit Cecilie Tonner (2.12.183017.3.1910), Tochter des Claus Tonner und der Margarethe Suhr in Wewelsfleth. Niclas (im Kirchenbuch) alias Nicolaus alias Nicholas (in den USA) wanderte 1854 mit seiner Ehefrau sowie der kleinen, noch im Neuen Koog geborenen Tochter Gesche (in den USA Elise genannt) in die USA aus und hatte dort 12 Kinder, von denen neun ihre Eltern überlebten.  Nicholas Boie wurde zusammen mit seiner Frau auf dem Friedhof von New Holstein in Wisconsin beerdigt (Bild seines Grabsteins siehe oben). Auf demselben Friedhof findet man das Grab von Hans Jacob Westphalen, einem Enkel von Hans Boie, dem älteren Bruder von Wilcken Boie III. Dies ist natürlich kein Zufall!
Kinder
-
Gesche Elisabeth "Elise" (24.11.1850−27.3.1919), oo mit dem Farmer, Gastronomen und Postmeister Ferdinand E. Hachez (10.4.184825.10.1933) in New Holstein/WI, 9 Kinder
- Johann (11.3.1855
−), starb früh
- Henry (20.1.1857−2.3.1916), blieb unverheiratet, baute Eisenbahnen im Nordwesten der USA und in Kanada, beerdigt in New Holstein/WI
- Wilhelm (4.4.1859−26.1.1862)
- John N. Boie (?.6.1860−1943), oo mit Helene Greve (24.10.1859
16.12.1894) in Thorp, Clark County/WI, 4 Kinder
- Mathilda A. "Tillie Agnes" (3.3.1862−22.7.1916), oo mit dem Hotelier Charles F. Sebelien (1859
1952) in Milwaukee/WI, Ouray/CO und Calumet County/WI, keine Kinder      
- William Edward (1865−16.3.1940), oo mit
NN, baute mit an der Oregon Trunk Railroad
, starb in Deschutes County/OR, mind. 2 Kinder
- Charles (20.8.1866
20.10.1889)
- Anna D. "Annie" (1868−23.12.1955), oo mit dem Rechtsanwalt und Richter Ernest W. Paulsen (24.4.18648.5.1900) in Calumet County/WI, keine Kinder
- Cecelia Margaret (6.11.1869−23.11.1936), oo mit dem Farmer Frederick Adolph Matzen (22.12.1864
12.7.1950) in Calumet County/WI, mind. 2 Söhne
- Lina S. (1871−21.6.1924), oo mit dem Farmer und Gastronomen J. August Hansen (29.7.1867
1944), lebte in British Columbia und Calumet County/WI, 1 Sohn
- Wilhelmine "Minnie C." (+13.11.1952), oo am 7.6.1899 mit dem Eisenwarenhändler Albert Arps (24.9.1874
13.10.1957) in Ouray/CO und Denver/CO, 1 Sohn

7. Hinrich Detlef (8.3.1823
17.12.1827)

8. Hans (6.10.1824
23.8.1841), lebte als Waise bei seiner Cousine zweiten Grades Margaretha (Tochter des Großonkels Hans Boie) und deren Ehemann Micheel Paulsen in Behmhusen. Micheel Paulsen war sein Vormund. Hans starb an "Nervenfieber" (= Typhus)

Noch in meiner Kindheit befand sich an den Wänden eines Zimmers auf dem Boden des Hofs von Heinrich L. Feil "klassizistisches Stubengetäfel" (Johnsen in BHS 223). Laut Johnsen könnte es anläßlich der Hochzeit von Johann Boie mit Gesche Kröger (1810) beschafft worden sein. Ihm war offenbar nicht bekannt, dass dieser Hof um 1810 gar kein Boien-Hof war und Johann Boie weder damals noch später auf diesem Hof lebte. Wenn das Stubengetäfel tatsächlich um 1810 angefertigt wurde, wie Johnsen meint, dürfte es der damalige Hofbesitzer Peter Meinert in Auftrag gegeben haben. Erst als Peter Boie (1813−1844) den ehemaligen Meinert'schen Hof kaufte, gelangte das Stubengetäfel in den Besitz der Boien.

Alkoven     Ornament    Schreibtisch

Klassizistisches Stubengetäfel, hergestellt von Meister Johannsen (17561821) aus Eddelak um 1810 (BHS 223). Jürgen Johannsen war der Schwiegersohn von Hans Boie, dem Onkel von Johann Boie und Bruder von Wilcken Boie III. Links: Zwei Alkoven; im linken schlief der Mann, im rechten die Frau. Das mittlere Bild zeigt stiltypische Ornamente, das rechte einen Schreibtisch und - in der linken Ecke - ein verglastes Innenfenster, durch das der Bauer auf die Diele oder in den Stall schauen konnte, ohne das Wohnzimmer zu verlassen. © sfeil

Hof: Johann Boie kaufte im Jahre 1815 den Hof seines Vaters Wilcken Boie III, welcher damals gut 31 M umfasste. Davon waren 20.11 M.S Land erster Klasse und 9.18 M.S Land zweiter Klasse; 10 bzw. 12 S waren als dritt- und viertklassig eingestuft. Offenbar war Johann Boie bei seinem Ableben im Jahre 1830 nahezu bankrott. Ein Jahr später kaufte der Landesgevollmächtigte Marten Feil II den Hof, welcher zu diesem Zeitpunkt 31.3.32.6⅞ M.S.R.F. umfasste, aus der Konkursmasse. Die zahlreichen Söhne dürften somit keinen Erbteil erhalten haben.

Zeit: In Johann Boies Zeit als Jungbauer fällt die Kontinentalsperre (1806
1814), mit der Napoleon versuchte, der britischen Wirtschaft Schaden zuzufügen. Gegen Ende der Napoleonischen Kriege quartierten sich im so genannten Kosakenwinter von 1813/14 Kosaken in Schleswig und Holstein ein, die wegen ihres fremdländischen Aussehens und ihrer Sitten allergrößten Eindruck bei den Einheimischen hinterließen. Auch der Bankrott des Dänischen Gesamtstaats von 1813 und die daraus resultierende schwere Belastung der Landwirtschaft speziell in den Herzogtümern Schleswig und Holstein durch eine Bankhaft fiel in Johanns Zeit.
1816 brach auf der indonesischen Insel  Sumbawa der Vulkan Tambora aus und verursachte das Jahr ohne Sommer, steigende Getreidepreise und die Hungersnot von 1817. Die Abkühlung des Weltklimas hielt noch bis 1819 an.
Die Jahre von 18201830 waren durch eine schwere Agrarkrise mit sehr niedrigen Getreidepreisen gekennzeichnet, die zusammen mit der Bankhaft zu zahlreichen Konkursen führte.


IX. Wilcken Boye III (6.4.174822.5.1834). Wilcken Boye III wurde in Westerbüttel geboren, wohin sich sich sein Großvater Wilcken I begeben hatte, nachdem die Ostermoorer Feldmark ausgedeicht worden war. Nach deren Wiedereindeichung im Jahre 1762 konnte Wilcken Boye II die von seinem Vater Wilcken Boye I übernommenen Ländereien, welche sich am Landweg in der Nähe des Koogsweges befanden, wieder wie vor der Wasserzeit nutzen. Wilcken Boye III lebte seit mindestens 1769 im Neuen Koog, wo er später zum Koogsgevollmächtigten ernannt wurde.

oo am 23.7.1771 mit Telsche Hinrichs (4.6.1752
2.3.1824), Tochter des Hofbesitzers Claus Hinrichs (17201786) und der Margaretha Wolter (17211763) aus der Lehe.

Kinder

1. Johann (9.12.1771
12.3.1772)

2. Margret (16.1.17732.1.1778)

3. Trienke (9.2.1775
4.4.1775)

4. Claus (9.11.1776
2.9.1841), oo am 16.8.1805 mit Wiebke Ohberg (19.3.178814.12.1862), Tochter des Kätners Christoffer Ohberg und der Margret Tiemann im Alten Koog. Claus war Hausmann im Neuen Koog und starb "infolge eines unglücklichen Falls vom Heuboden".
Kinder
- Wilken (21.9.1806
8.1.1871), blieb unverheiratet, lebte bei der Volkszählung 1840 als "Mietmann mit kleinem Gewese" im Neuen Koog
- Peter (12.11.181115.2.1900), Hausmann in Westerdeich, oo1 am 21.10.1837 mit Maria Cathrina Kröhncke (18.1.181819.1.1855), Tochter des Hausmanns Hinrich Kröhncke und der Magdalena Schlöe "bei der Plaatenrönne", bei ihrem Tod lebten noch 3 Kinder; oo2 am 6.11.1855 mit Margaretha Frauen (4.9.18304.11.1920), Tochter des Kätners Tewes Frauen und der Cäcilie Gutknecht in Auenbüttel.
-
Johann (
11.2.18168.7.1816)
- Anna Margaretha (10.4.182123.12.1898), blieb unverheiratet, lebte bei der Volkszählung von 1840 und auch bei dessen Tode bei ihrem Bruder Wilken

5. Wilken (23.8.1778
15.3.1821), unverheiratet, keine Kinder, war  laut Hofüberlassungsvertrag von 1815 "blödsinnig"

6. Margret (18.1.1780
−18.1.1816), oo am 7.11.1800 mit Wilken Wilkens (12.5.1774) im Altenkoog, Sohn des Kätners Dierk Wilkens und der Gesche Lau in Ostermoor
Kinder
- Dierck (13.10.1801−1.2.1831), oo am 21.2.1824 mit Cathrina Reimers, Tochter des Hans und der Margreth Reimers auf dem Ostermoor, von 3 Töchtern überlebt

7. Cathrina (7.4.1782
−20.6.1807), oo am 12.5.1801 mit dem Hausmann Hinrich Martens (5.11.17736.4.1843) im Neuen Koog, Sohn des Hausmanns Peter Martens und der Christina Lauken
Kinder
- Christina (6.5.1802
), oo am 1.3.1826 mit Johann Severin (15.6.1794), Sohn des Hausmanns Johann Severin und der Christine Kohlsaat in Ostermoor

8. Johann (12.2.178520.11.1830), mein Vorfahr mehr über ihn oben


Wilcken Boye III und sein Bruder Hans waren mit Schwestern (Telsche und Magdalene Hinrichs) verheiratet.

Durch die Ehe mit Margaretha Wolter kam der Schwiegervater von Wilcken Boye III, Claus Hinrichs, zu einigem Wohlstand (im Detail dargestellt von W. Johnsen in BHS 312 ff). 1775 ließ sich Claus Hinrichs vom Eddelaker Tischler und Zimmermann Claus Johannsen (1713
1781) in der Lehe ein neues Bauernhaus errichten. Dieses wurde 1919 abgebaut, in Poßfeld bei Wilster wieder aufgestellt und in neuerer Zeit liebevoll restauriert. Das Bild zeigt die Inschrift über dem Dielentor, wobei S.F. "Selige Frau" bedeutet, denn Margaretha war bereits 1763 verstorben.

Hinrichs-Hof
        Poßfeld
© bfeil


Wilcken Boyes Grabstein existiert noch. Wilcken ließ den repräsentativen Spätrenaissance-Grabstein, der ursprünglich
auf dem Grab des Boien Peter Majeur stand, zu eigenem Gebrauch herrrichten und bereits 1798 im Alter von 50 Jahren aufstellen - er rechnete offenbar mit seinem alsbaldigen Ableben. Daher haben die dargestellten Wappen und Motive keinen Bezug zum Leben und der Profession des Wilcken Boye III. Der Grabstein ziert heute den Eingang des Friedhofs in Brunsbüttel-Ort.

Grabstein Wilken Boie Vorderseite     Grabstein Wilken
        Boie RückseiteGrabstein von Wilken Boie III   © bfeil

Hof: Im Jahre 1771 kaufte er etwas Land von seinem Vater Wilcken Boye II im Neuen Kooge. Bei der Übergabe an seinen Sohn Johann im Jahre 1815 war der Hof gut 31 M groß. Neben den Ländereien im Neuen Koog besaß Wilcken Boye für kurze Zeit (1828/29) noch einen ca. 50 M großen Hof in der Lehe, welchen er von seinem Neffen Hans Boie (+1828) ererbt hatte. Diesen verkaufte er 1829 an seinen noch minderjährigen Enkel Peter Boie (siehe Kaufvertrag).

Bei der Volkszählung von 1803 lebten diese Dienstboten auf dem Hof im Neuen Koog: Claus Wittrock (23 Jahre alt), Wiebke Garbohms (19), Trienke Schlefien (20).

Zeit: Über viele Jahrzehnte waren die Bedingungen für die Landwirtschaft günstig gewesen. Die am 21.12.1806 von Napoleon verhängte Kontinentalsperre löste nach einer durch Schmuggel bewirkten Scheinblüte jedoch eine schwere wirtschaftliche Depression in den Herzogtümern aus. Landwirtschaftliche Produkte konnten nun nicht mehr nach Großbritannien ausgeführt werden, auch der Skandinavienhandel kam zum Erliegen. Ab 1811 durften keine Waren mehr in Richtung Süden exportiert werden, wodurch sich die Probleme weiter verschärften. Die wirtschaftlichen Turbulenzen und die Kriegslasten mündeten in einen Bankrott des dänischen Gesamtstaats, der am 5.1.1813 erklärt wurde. Es wurde eine Zwangsanleihe von 6% auf jeglichen Immobienbesitz verordnet, die entweder sofort bezahlt werden musste oder über gut 30 Jahre mit 6½% verzinst wurde (Bankhaft). Während die Bauern hierzulande jahrzehntelang unter der Zwangsanleihe litten, wurde den dänischen Bauern 5/6 der Schuld erlassen. Dies schadete natürlich dem Ansehen des Dänischen Gesamtstaats und des Dänischen Königs.


VIII. Wilcken Boye II (2.8.171130.5.1793). Wilcken Boye II wurde zwar auf dem väterlichen Hof in Ostermoor geboren, musste die Bauerschaft aber aufgrund der Sturmflutserie von 1717 bis 1720/21 verlassen und lebte fortan in Westerbüttel, wo er auch starb. Er war der einzige Sohn, der seinen Vater Wilcken I überlebte.

oo seit 6.6.1741 mit Cathrin ("Trinke") Lau (9.9.1725
7.1.1780), Tochter des Hans Lau (5.5.169622.4.1752) und der Trinke Petersen aus Behmhusen.

Kinder

1. Johann (1.2.1744
)

2. Hans (20.11.174517.7.1808), oo am 6.10.1767 mit Magdalena ("Malene") Hinrichs (22.3.174830.4.1820) aus der Lehe, Tochter des Hausmanns Claus Hinrichs und der  Margaretha Wolter. Hans übernahm den väterlichen Hof in Westerbüttel; er warb um seine Braut mit einem Vortrag und galt als ein "altgäubiger, dem Rationalismus abgeneigter Christ" (BHS 376).
Kinder (Daten müssen noch überprüft und ergänzt werden)
- Catharina (7.11.1768
8.2.1832), oo am 21.12.1787 mit dem Tischler- und Zimmermeister Jürgen Johannsen (1.4.175627.11.1821) in Eddelak, von 3 Kindern (1 Tochter, 2 Söhne) überlebt        
- Claus (17.5.1770
2.11.1836), lebte bei seiner Mutter, war nach deren Tod "Kostgänger bei seinem Schwager Claus Hueß", unverheiratet
- Margrethe (22.7.1772
16.9.1772.)
- Wilken (11.7.1773
13.4.1784.)
- Margaretha (11.5.1775
26.1.1846), oo1 am 13.4.1798 mit Johann Ellerbrock (ca. Jan 177426.10.1802), Sohn des Hausmanns Hans Ellerbrock und der Maria Elisabeth Winter in der Lehe; oo2 mit Claus Ohlhues (17.5.176327.10.1813), Sohn des Johann Ohlhues und der Maria Catharina Knicken, oo3 mit dem Landesgevollmächtigten Micheel Paulsen (18.5.17925.12.1863), Sohn des Karsten Paulsen und der Dorothea Dührsen in Behmhusen. Alle Ehemänner waren Krugwirt und Gewürzhändler in Eddelak, Micheel Paulsen später Hofbesitzer in Behmhusen.
- Johann (22.7.177729.3.1792.)
- Peter (25.7.1779
20.11.1812), oo am 1.7.1797 mit Catharina Peters (15.11.178110.1.1830), keine Kinder, lebte zuerst im Neuen Koog, dann in Westerbüttel, wo er 1801 den Hof von Johann Süelsen kaufte
- Anna (18.2.1782
), oo1 am 26.3.1802 mit dem Witwer Johann Westphalen (23.10.177325.3.1811), Sohn des Hausmanns Hinrich Westphalen und der Catharina Reimers aus Brokdorf in Ostermoor, Schullehrer in Westerbüttel, 2 Söhne von denen 1 (Hans Jacob) in die USA auswanderte; oo2 am 5.4.1812 mit dem Müller Claus Hueß (17726.10.1842) in Eddelak, Sohn des Franz Hueß auf dem Kämmererfelde und der Stine Malen Jacobsen aus Rösthusen, 4 Kinder
- Tilsche (18.2.1782
22.6.1782.)
- Hans (25.3.1784
), oo1 mit Magdalena Wacker, 2 Kinder; oo2 am 26.10.1823 mit Höbcke Suhrwien, Tochter des Johann Suhrwien und der Friederike Wagner von Friedrichshof, 2 Kinder. Hans lebte in Eddelak.
- Wilken (1786
13.3.1833), oo mit der Witwe seines Bruders Peter Catharina Boie, geb. Peters (15.11.178110.1.1830), "ein angesehener und beliebter, sehr kirchlicher und frommer Hausmann", 3 Kinder. Von Wilken Boie ist ein Gedicht überliefert
- Tilsche (6.1.1789
19.1.1855.), oo am 18.6.1813 mit dem Landesgevollmächtigten Hans Peters (+24.5.1854), Sohn des Johann Peters und der Antje Hanßen, Hausmann in Diekhusen, hinterließ 4 Kinder

Bei der Volkszählung 1803 lebten diese Kinder auf dem Hof von Hans Boie: Claus, Hans, Wilken, Telsche.

3. Wilcken III (6.4.174822.5.1834), mein Vorfahr - mehr über ihn oben

4. Peter (5.8.1752
18.5.1814), oo am 21.7.1780 mit Telsche Ellerbrock (ca. 1764−) aus der Lehe, Tochter des Hausmanns Hans Ellerbrock und der Anna Beata Schomacker (verw. Paulsen), war bei seinem Tode Besitzer des väterlichen Hofs in Westerbüttel und des schwiegerväterlichen Hofs in der Lehe. Peter Boie war Kirchspiel- und Bauerschaftgevollmächtigter
Kinder
- Hans (30.7.178821.3.1828), übernahm den elterlichen Hof in der Lehe und vererbte diesen an seinen Onkel Wilcken Boie III, der ihn alsbald an seinen noch minderjährigen Enkel Peter Boie verkaufte. Hans soll von normaler Intelligenz gewesen sein, wirkte aber durch seine kaum verständliche Sprache und seine "Albernheit" merkwürdig

5. Telsche (24.12.17572.4.1816), oo am 6.10.1775 mit Boie Ackermann (6.10.175522.2.1820), Hausmann in Nordorf, starb im Neuenkoogshafen, Sohn des Hausmanns Harm Ackermann und der Antje Fick aus Westerbüttel
Kinder
- Antje (28.3.1777
), oo mit Hans Jacob Thomsen

6. Johann (6.10.175924.10.1759)

   
Hof: Die Ostermoorer Ländereien der Boien waren 1721 ausgedeicht worden, wurden aber sicherlich so gut wie es ging weiter bewirtschaftet. Man könnte annehmen, dass im Außendeichland Rinder und Schafe weideten und Heu gemacht wurde. Jedoch findet sich in der Kirchspielchronik von St. Margarethen (CSM 317ff) eine Passage, die beweist, dass 1751 im Außendeich auch Korn angebaut wurde. Nach der Wiedereindeichung, Stichtag 27.4.1764, umfasste der Besitz von Wilcken Boye II im Neuen Kooge 20.4.16.3⅝ M.S.R.F (LAS 102 Ksp. Brunsbüttel 327), am 31.10.1764 etwas mehr, nämlich 22.7 M.S.
Am 26.12.1766 kaufte er der Überlieferung nach einen Hof von Peter Suhr, "reichlich 16 M groß, für 7084,80 Mark", in Westerbüttel gelegen. 1771 verkaufte er den väterlichen Hof in der nun wieder eingedeichten Ostermoorer Feldmark an seinen Sohn Wilcken Boye III.

Zeit: 1712 also mitten im Nordischen Krieg, wütete die Beulenpest in Ostermoor. Wilcken Boye erlebte als Kind die verherenden Sturmfluten von 1717 (Weihnachtsflut), 1718 (Eisflut) und 1720/21 (Neujahrsflut). Da der Elbdeich nicht wiederhergestellt werden konnte, mussten ca. 1000 ha Land, darunter die Höfe von Wilcken Boye I und seinem Bruder Johann Boye d.J., ausgedeicht werden.
Die Weihnachtsflut von 1717 forderte  insgesamt 11150 Menschenleben an den niederländischen, deutschen und dänischen Nordseeküsten, davon 173 im Kirchspiel Brunsbüttel

Einige Begebenheiten in der damaligen Zeit (CUL 23ff). Das Tütermoor grenzte an Ostermoor, der in CUL mehrfach erwähnte Hinrich Vollstede (20.9.1682
begr. 22.3.1722) war ein Bruder von Becke Boye und somit ein Schwager von Wilcken Boye I:
"§ 68. Da bey St. Margarethen das sogenannte Tüter=Mohr mit denen darauf stehenden 5 Häusern von Grund aus wegtrieb, ..., ist ein Mann mit Namen Melchert Ramm mit seiner Frau und seinem Kinde wunderlich erhalten. ..."  "§ 69: Der Ort wo er antrieb, und besitzen blieb, war die Nord=Büttel=Ducht und in Sonderheit der Nord=Büttler=Weg, allwo er auch mit seinem Hause, Frau und einem Kinde, obwol unter tausend Sorgen, wol behalten angekommen und von Hinrich Vollstede, welcher daselbst wohnhaft, aufgenommen, beherberget, und nach dessen damaligen Zustande christlich bewirthet worden." "§ 70: Noch ein Mann mit Namen Johann Becker, ingleichen ein gewesener Einwohner auf dem oft gedachten Tüter=Mohr trieb auf einem großen Mohrbult im bloßen Hembde sitzend, von dem ersten Christtage an in dem wilden Meerwasser weit und breit herum, bis er endlich an dem dem dritten Weynacht=Tage von dem vorerwehnten Hinrich Vollstede in dem Büttel, ..., mit und auf einem Pferde, fast halb todt ist gerettet und in sein Haus gebracht worden. Dessen Frau aber und drey Kinder sind ertrunken. Die Frau ist nach einigen Wochen todt gefunden worden, nicht aber die Kinder. Der ertrunkene Clas Detlefs, ..., hätte nach Gottes Willen eine gleiche Rettung haben können, wenn er dem wohlmeynenden Zuruf des erwehnten Hinrich Vollsteds hätte folgen wollen oder können, daß, sobald er Johann Becker nach Hause gebracht, ihn auch abholen wollte; da er aber nicht so lange warten können oder wollen, ist er, da er dem Wasser entgehen wollen, in einen Graben gekommen und ertrunken."

Nach einer längeren ruhigen Periode traten wieder gefährliche Sturmfluten auf. Erwähnenswert sind insbesondere die Sturmfluten vom 12.2.1747 und am 11.9.1751, aber auch am 7.10.1756 lief das Wasser hoch auf. Erst 1762 wurde die Ostermoorer Feldmark wieder eingedeicht.

1740 waren die Kornpreise aufgrund des harten Winters 1739/40 so hoch, dass sich die Menschen gezwungen sahen, erstmals die zuvor nur als Viehfutter genutzten Kartoffeln zu essen (EH, S. 25).



VII. Wilcken Boye I (14.9.167029.11.1747). Wilcken Boye I und sein Bruder Johann d.J. (16661734) waren bereits Hofbesitzer, als sie laut mündlicher Überlieferung im Jahre 1698 den Hof ihrer Eltern von ihren Geschwistern kauften. Dieser befand sich in Ostermoor am Landweg in der Nähe des Koogswegs. Wilcken Boye war um 1700 der größte Landbesitzer in der Bauerschaft Ostermoor. Er musste Ostermoor nach der Weihnachtsflut von 1717 oder spätestens nach der fast vollständigen Ausdeichung der Bauerschaft (1721) jedoch verlassen und siedelte sich spätestens im September 1723 in Westerbüttel an, wo er auch starb. Er war wie sein Bruder Johann zeitweise im Vorstand der Armenkiste des Kirchspiels Brunsbüttel.

Wilcken I soll neun Kinder gehabt haben (KB-SR Edd 1747) . Alle ehelichen Kinder wurden in Ostermoor geboren.

oo1 seit 1696 mit Anna ("Antje") Hinrichs (+1705), Witwe des Ostermoorers Hinrich Hinrichs, welcher ein Sohn von Wilckens Schwester war. Daher war ein Dispens des Königs erforderlich, obwohl offenbar keine Blutsverwandtschaft vorlag. Der Dispens wurde am 10.9.1695 erteilt. Antje war wohl die Tochter eines "Tewes". Als Eltern infrage kommen Tewes Tewes und dessen Ehefrau Lencke.

Kinder

1. Johann (19.10.1696
20.11.1729), lebte in der Lehe, oo am 10.7.1722 mit Trincke Claßen (14.10.17029.4.1776), Tochter des Claus Peters, Landesgevollmächtigter in der           Lehe. Die Witwe heiratete am 31.1.1732 den Landesgevollmächtigten Peter Boie auf der Josenburg, also den Cousin ihres ersten Mannes. 
Kinder
- Wilcken (16.9.1723
−11.4.1731)
- Lehncke (24.9.1725
29.11.1725)
- Claus (15.11.1726
19.3.1731)
- Johann (18.3.1729
6.4.1731)

2. Tewes (
1698/1701−>26.4.1725), oo mit NN

3. Telsche (1698/1701−2.7.1741), oo nach dem 12.3.1719 mit Claus Reimers (169930.12.1771), Hausmann in Ostermoor (siehe auch BHS, 236)
Kinder
- Antje (31.5.1723
)


4. Claus (get. 3.3.1702
5.4.1737), lebte in Behmhusen ("Claus Boye im Westen"), oo am 23.5.1727 mit Margaretha Boyen (24.3.169920.1.1771),Tochter des Carstens Peters Boye (get. 28.6.16696.2.1736) und der Lencke Carsten (geb. im Kirchspiel Brunsbüttel, +2.1.1733) in Westerbüttel. Die Witwe heiratete am 9.5.1741 Jacob Siemsen aus Behmhusen, den Sohn des Peter Siemsen, dem Schwiegervater des Boie Boie (Kind #6)
Kinder
- Wilcken (9.2.1728−7.5.1728)
- Boje (12.7.172925.4.1784), oo am 8.5.1772 mit Margarethe Rafen (27.2.1749nach 1808), Tochter des Hausmanns Hans Rafen und der Lencke Süelen aus Dingen. Boje Boje lebte in Behmhusen, bei seinem Tode lebten bis auf eine (Margretha) von 5 Töchtern noch vier (Magretha, Malena, Antje, Catharina). Die Witwe heirate am 7.10.1784 Karsten Paulsen (176522.9.1796), Hausmann in Behmhusen, Sohn des Hausmanns Paul Paulsen und der Magdalena Lau. Im Jahre 1800 versteuerte die nunmehrige Margarethe Paulsen 48 Morgen Land (Hofgeschichte Claus Paulsen in Gerths)
- Antje (get. 21.6.1730−19.11.1788), oo1 mit Peter Sühlsen in Dingen (2 früh verstorbene Kinder), oo2 am 1.8.1764 mit dem Witwer ihrer Schwester Carsten Paulsen (14.7.173619.11.1807), Hausmann in Behmhusen, Sohn des Kirchspielgevollmächtigten Micheel Paulsen in Behmhusen, keine Kinder
- Malene (27.8.1731−14.12.1731)
- Malen (31.5.1733−17.12.1733)
- Wilcken (15.6.1734−7.9.1734)
- Margaretha (24.11.1735−13.5.1763), oo am 18.5.1762 mit Carsten Paulsen (14.7.173619.11.1807), Hausmann in Behmhusen, Sohn des Kirchspielgevollmächtigten Micheel Paulsen in Behmhusen, keine Kinder
   
5. Ties (11.7.1703
13.11.1747), lebte in Westerbüttel, oo am 19.5.1730 mit Antje Boien (14.11.17033.4.1740), Tochter des Carstens Peters Boye (get. 28.6.16696.2.1736) und der Lencke Carsten (geb. im Kirchspiel Brunsbüttel, +2.1.1733) in Westerbüttel. Er "diente dem hiesigen Kirchspiel [Eddelak] als Baumeister, Deichgraf und Bauerschaftsgevollmächtigter".
Kinder
- Antje (11.8.1730
)
- Malen (30.10.1732−12.1783), oo1 am 21.7.1750 mit dem Hausmann und Gastgeber Conrad Johannsen (6.9.172311.1.1787) in Westerbüttel, Sohn des Johans Johan (=Johann Johannsen) und der Trincke von Bergen in Westerbüttel, 8 Kinder, davon überlebten 3 (Trinke, Margareth, Johann) den Vater
- Wilcken (12.2.1734−12.4.1784), in Westerbüttel, oo1 in 1759 mit Anna Lau (16.2.17395.11.1775) aus Behmhusen, Tochter des Peter Lau und der Dorthe Grube (8 Kinder, ihn überlebend Dorthe, Antje, Malehn), oo2 in 1778 mit Cathrin Margareth Engel aus St. Michaelisdonn (Tochter Catharina +9.6.1791 war "mit einer heftigen Epilepsie behaftet")
- Antje (17.11.1735−6.5.1763), oo am 9.4.1754 mit Peter Severin (14.4.17271.2.1771) in Belmermoor verstorben, Sohn des Peter Severin in Westerbüttel, 1 Sohn und 4 Töchter, von denen 2 Töchter (Höbcke, Antje) Mutter und Vater überlebten. Antje und Peter waren "im 3ten Grade consanguinitas linea aequalis" miteinander verwandt, Grund unklar.
- Margarethe (24.9.173724.1.1770), oo am 30.11.1762 mit Peter Lau (6.10.174230.6.1811), Hausmann in Behmhusen, Sohn des Peter Lau und der Dorothea Stüfen. Margarethe starb im Wochenbett und hinterließ 3 Söhne
- Boie (2.4.173916.7.1746)
- Johann (3.4.1740
<12.4.1740)
Als Ties Boie starb, lebten noch 3 Töchter und 1 Sohn, die nun Vollwaisen waren


oo2 seit 1707 (vor dem 20.3.) mit Becke Vollstede (6.5.168525.12.1718), Tochter des Claus Vollstede (begr. 28.5.1721) und der Lehncke Nagel aus Büttel (Becke Vollstedes Todesjahr wurde dem KB Eddelak entnommen. Jedoch wurde sie im KB Brunsbüttel noch am 15.8.1719 als Gevatter geführt.

Kinder

6. Boie (20.5.17075.12.1740), starb in Auenbüttel, oo am 1.7.1740 mit Dorothea Margaretha Siemsen (11.12.1719April 1744), Tochter des Peter Siemsen (22.12.169020.12.1723) und der Elsabel Dorothea Paulßen (6.5.169310.3.1769) aus Behmhusen. Die Witwe heiratete am 28.11.1741 Peter Brandhorst aus Auenbüttel.

uneheliche Kinder mit Gretje Schlange
(27.10.1704), Tochter des Dragoners Daniel Schlange (+1723) und dessen Ehefrau Gretje, geboren im Kirchspiel Brokdorf
- Clas Boysen (get. 17.10.1730), geboren im Kirchspiel Wewelsfleth
- Becke Boien (1732
−27.7.1779), lebte 1756 in Westerbüttel, oo am 10.10.1759 in Eddelak mit dem Wittwer Johann Stüfen (5.1.17275.6.1796) aus Ostermoor, 2 früh verstorbene Kinder
1732 und 1733 musste Boie Boie in der Eddelaker Kirche "wegen begangener Hurerey mit Gretje Schlangen vorm hohen Altar öffentlich Kirchenbuße" tun. 

uneheliches Kind mit Antje Martens, Tochter des Peter Martens und (wahrscheinlich) der Telsche Martens in Ostermoor. Antje dürfte schon um die 40 gewesen sein, als sie Mutter wurde
- Becke (13.2.1736
)
Im Brücheregister von 1735 heißt es: "Antje Martens vom Östermohr ist von Boje Bojen Wilcken Bojen Sohn in Westerbüttel geschwängert worden".
Nach dem Kirchenbuch von Eddelak "hat Boie Boie [1736] wegen begangener Hurerey mit Antje Martens aufm Östermohr vorm hohen Altar öffentlich Kirchenbuße gethan".

Kind mit Dorothea Margaretha Siemsen
- Karsten (12.1.1741−)

7. Paul (2.1.1709−), benannt nach dem ältesten Bruder der Mutter und deren Großvater

8.
Wilcken II (27.7.171130.5.1793). Das ist mein Vorfahr - mehr über ihn oben


NN, uneheliches Kind mit NN (*Jan.-April 1705) während der Ehe mit Anna Hinrichs (Geburt allerdings nicht erwiesen)

Eintrag in das Amtsregister von 1705 mit Bezug auf ein Ereignis in 1704: "Wilcken Boye aufn Östermohr hat ein frembdes Frauen Mensch im verwichenen Sommer eine Zeitlang bey sich gehabt, welche um Allerh: beym Priester gewesen seyn und angegeben haben soll, daß ihr Wirth sie geschwängert, und obwohl fort darauf solches Mensch 2 Tage durch des Kirchspielvogts Diener gehuset worden, so hat derselbe sie danach nicht finden können, sondern soll nunhero weg seyn." Zusatzbemerkung von 1705: "stehet aus bis weiter weile die Frauen Persohn nicht im Lande auch noch nicht wieder gekommen seyn soll."


Die ersten der von mir ermittelten Söhne hießen also Johann, Tewes, Claus, Ties und Boie
und der von mir zuvor mit Hilfe des Ackerschatzregisters und weiteren Indizien identifizierte Urgroßvater hieß Ties Johans Claus Boye. Dazu dann noch ein Wilcken - wie der Vater Wilcken I und auch mutmaßliche Bruder von Ties Johans Claus, der um 1575 lebte. Es sind also alle männlichen Leitnamen der Boyen in einer einzigen Familie versammelt.

Der Überlieferung zufolge soll Wilcken Boye I mit seiner ersten Frau vier verheiratete Söhne und zwei Töchter, eine davon verheiratet, gehabt haben. In meiner Liste fehlt also nur noch eine unverheiratete Tochter aus erster Ehe und die Ehefrau von Tewes. Die gesuchte Tochter könnte früh verstorben sein, wahrscheinlich war sie nach der Großmutter mütterlicherseits benannt.


Hof: Dem Umschreibungsprotokoll von 1699 zufolge (LAS 102 Süderdithm. X 163) besaß Wilcken Boye I damals 34.13.15.15 M.S.R.F, wovon 19.4.7.15¾ M.S.R.F von Hinrichs Johann Hinrich stammten. Hierzu addierten sich 10.8 S.R von Tieß Tießen und schließlich noch die 14.14 M.S, welche er aus dem Nachlass seines Vaters erworben hatte. Da die Ehefrau von Wilcken der Überlieferung nach die Witwe eines "Hinrich Hinrichs" war, könnten die 19.4 M.S in Zusammenhang mit dieser Verbindung stehen. Noch 1735 trat eine "Hinrichs Johanns Hinrichs Witwe Antje" (168923.6.1762) als Gevatter bei der Taufe des Sohns von Wilcken, Sohn des Johann Boye d.J., auf.

Im Jahre 1727 wurden einige Morgen als "verlorenes Land" aus dem Ackerschatzregister genommen. Ich vermute, dass diese Flächen zwischen Oster- und Westertweute direkt an der Elbe lagen.

Zeit:
1684 und 1685 wurden die Elbdeiche vor Ostermoor schwer beschädigt. Infolgedessen war man gezwungen, einen erheblichen Teil der Bauerschaft auszudeichen und einen neuen Deich zu errichten (siehe unten). 1712 wütete die Beulenpest in Ostermoor (SB, S. 30). Als nun schon alter Mann (das war man damals mit knapp 50 Jahren) musste Wilcken Boye I seine Hofstelle aufgeben, als nach den Sturmfluten von 1717-1721 fast die gesamte Bauerschaft Ostermoor der Elbe überlassen wurde.



VI. Johann Boye (±16301697/1698), zur Unterscheidung von seinem Sohn Johann "der Ältere" genannt. Er war um 1686 der größte Landbesitzer in der Bauerschaft Ostermoor. Sein Hof bzw. das meiste Land dürfte sich am Landweg in der Nähe des Koogsweges befunden haben (siehe Skizze unten).

oo der Überlieferung nach mit Telsche Peters (+ nach 5.2.1696), der Tochter von Peter und Antje Peters aus Ostermoor.

Kinder

1. Telsche (±1657>5.2.1692), oo mit Hinrichs Johann (?) (+>1691), Hofbesitzer in Ostermoor, Sohn des Hinrichs Johanns Hinrich (Eintrag nicht endgültig gesichert)
Kinder

-
Hinrich Hinrichs (+ <1696), oo mit Anna ("Antje") Tewes. Die verwitwete Anna Hinrichs heiratete 1696 den Onkel ihres Ehemanns Wilcken Boye I, wofür ein (noch erhaltener) Dispens (LAS AR S.-Dithm. 1696) notwendig war.
- Sohn-Status noch nicht bewiesen: Hinrichs Johann Hinrichs (+1728) Hofbesitzer in Ostermoor (1717: 19.11 M.S, Quelle: LAS 102 Ksp Bb 326), lebte später in Westerbelmhusen, oo 1712 mit Antje Ackermann (168923.6.1762) aus Ostermoor. Kinder: Telsche, Gretje, Telsche, Silje, Johann, Antje, Harm, geb. zwischen 1712 und 1726, von denen 1762 noch 2 Töchter (Telsche Peters, Antje Peters bzw. später Wolfsdorf) und der Sohn Harm lebten

2. Claus (±16591696), oo mit Anna Cathrina Gude (get. 3.4.1666), Tochter des Eddelaker Pastors Peter Gude (1618−1672, JOS) und der Silje Boie, Tochter des Boien Peter, Kirchspielvogt von Eddelak, Eigentümer der Ländereien der späteren Höfe Holst und Schoof in Eddelak (CE 71ff). Die Witwe verheiratete sich am 6.11.1698 mit dem Landesgevollmächtigten Johann Peters, Tochter Silje
Kinder (alle in Warfen Ksp. Eddelak geboren)
- Johann (get. 5.4.1684
−)
- Antje (get. 10.10.168719.11.1759), oo1 am 12.5.1711 mit Johann Severin (get. 25.3.169011.3.1724) (3 Söhne, 2 Töchter, davon sie überlebend Claus in Behmhusen, Johann in Kannemoor und Dorthe Süelsen), oo2 am 22.1.1726 mit Hinrich Kohlsaat (8.6.1694−29.11.1756) in Westerbüttel, ein "stiller und bequemer gastlicher Mann", mehrere Kinder
- Peter (5.2.1692−25.10.1750), oo1 am 12.10.1713 mit  Antje (9.7.16976.5.1722), Tochter des Hausmann Martens Tewes aus Josenburg; oo2 am 10.5.1723 mit Magdalena NN (+26.2.1724, starb im Kindbett, alt "35 Jahre, 22 Wochen, 3 Tage"), Witwe des Jacob Jacobsen in Oldeburwörden; oo3 am 31.1.1732 mit Trinke Peters verw. Boie (14.10.17029.4.1776), Tochter des Landesgevollmächtigten Claus Peters in der Lehe, Witwe des Johann Boie aus der Lehe, dem ältesten Sohn des Wilcken Boye I (siehe oben). Alle Kinder aus der Ehe mit oo1 Antje Tewes "die ihm der gütige Gott von ihr gab, nahm der Herr von ihm weg"; auch der Sohn aus der Ehe mit oo2 Magdalena Jacobsen starb früh; überlebende Kinder aus der Ehe mit oo3 Trienke Peters verw. Boie: Claus "der Reiche", Johann, Magdalene, siehe unten). Peter Boie war der Begründer des Großhofs Josenburg, ein "stiller, bescheidener, christlicher und hochvernünftiger Mann" und "wohlverdienter Landesgevollmächtigter" (JOS)
- Telsche (2.12.1694−), oo am 14.11.1715 mit Carsten Carstens (6.10.1692), Sohn des Claus Carstens in der Lehe, Tochter Antje (*3.6.1716)

3. Johann (16668.5.1734 "reichlich 67½ Jahre alt"), Hofbesitzer in Ostermoor, genannt "Johann Boye der Jüngere" oder "Johann Boye aufm Östermoor", oo mit Anna ("Antje") Dreeßen (+>26.1.1727), Tochter des Peters Drees in Ostermoor. Johann lebte später bei seinem Sohn Wilcken in Warfen. Er gehörte 1708 dem Vorstand der Armenkiste des Kirchspiels Brunsbüttel an
Kinder (alle in Ostermoor geboren)
- Telsche (16989.4.1769), starb 71jährig, oo nach dem 6.4.1720 mit Jürgen Ackermann (+14.5.1738), lebte in Ostermoor "im Kooge" (= Altenkoog), von 8 Kindern (1 Sohn, 7 Töchter) überlebten sie 1 Sohn (Harm, 24.11.172024.2.1790) und 3 Töchter, alle verheiratet. Telsche starb als "Ehrengroßmutter" (= Urgroßmutter).
- Drees (
169914.11.1756), starb 57jährig, unverheiratet und ohne Kinder zu hinterlassen in Ostermoor
- Margreth (get. 14.4.1703−)
- Wilcken (4.5.1705
)
- Wilcken (20.3.170720.2.1782) "Wilcken Boye aufm Oestermohr", lebte in Warfen, dann (vor 21.9.1748) wieder in Ostermoor, später Hausmann und Gevollmächtigter im Neuen Kooge; oo1 am 22.2.1735 mit seiner Cousine Antje Peters (5.2.17171.10.1735) aus Westerbüttel, Tochter des Hausmanns Micheels Johann Peters und der Gretje Boien (siehe unten), 1 Sohn (Boie,12.6.173521.6.1767); oo2 am 3.7.1737 mit Margrethe Feltjen (31.8.171819.9.1761), Tochter des Johann Feltjen und der Trienke NN in Behmhusen, 4 Kinder, darunter Catharina (19.5.173910.5.1795) oo mit Claus Kohlsaat aus Ostermoor, Koogsgevollmächtigter im Neuen Kooge; oo3 am 19.4.1765 mit seiner Cousine, der Witwe Telsche Karstens aus der Lehe (10.6.16999.3.1768), Tochter des Hausmanns Micheels Johann Peters und der Gretje Boien aus Westerbüttel
- Catharina (20.8.1709
)
- Claus (21.8.1712
)

4. Wilcken (14.9.167029.11.1747), mein Vorfahr, mehr über ihn oben

5. NN (Silje?) (±1683<1718), oo mit Claus Bunge (+<1718) in Ostermoor. (Dieser Eintrag muss noch weiter abgesichert werden)
Kinder (alle in Ostermoor geboren)
- Antje, oo mit Marten Meinert (169129.3.1766) in Ostermoor, Sohn des Hinrich Meinert, welcher als Witwer 3 Söhne (Claus, Hinrich, Johann) hinterließ
- Telsche (17007.3.1772), oo am 27.10.1742 mit Johann von Lehfern, Leinweber in Ostermoor. Telsche hatte einen unehelichen Sohn (begr. 2.3.1736) und wurde zuletzt auf der Kosten der Armekasse versorgt
- Johann (get. 3.3.1702
)
- Silje (get. 3.4.1703)
- Claus (1.12.1704)
- Claus (15.1.1706)
- Boje (14.5.170711.1.1741), oo am 11.5.1732 mit Trienke Hennings (14.1.170830.1.1751), Tochter des Johann Hennings und der Antje Maaßen aus Warfen, lebte in Ostermoor, 2 Söhne und 3 Töchter, von 2 Töchtern (Gretje und Silje) überlebt. Die Witwe heiratete am 1.9.1743 den Arbeitsmann Carsten Lüder aus Seester, mit dem sie 1 Kind hatte. Sie wohnte weiterhin in Ostermoor und wurde von 3 Kindern überlebt
- Claus (26.12.17107.2.1762), oo1 mit Margaretha Ehlers aus Ketelsbüttel; oo2 mit Antje NN (171121.6.1753), wurde von 2 Söhnen (Claus +1797 in Westerbüttel und Hans) überlebt. Er war Unterconstabler im Artillerie-Corps des Generalleutnants Ezechias Levin Arentskjold (16821744) in der Kompanie des Majors Harbou, ging später wieder nach Ostermoor zurück

6. Gretje (±1686>20.7.1733), oo mit dem Hausmann Micheels Johann Peters (+26.9.1721), lebte in Westerbüttel
Kinder (alle in Westerbüttel geboren)
- Telsche (11.6.16999.3.1768), oo1 am 6.11.1718 mit dem Witwer Andreas Vietzen (get. 1.11.16888.7.1720) aus Westerbüttel, später in Warfen, Sohn des Paul Vietzen, keine gemeinsamen Kinder; oo2 am 26.11.1722 mit Boje Carstens (10.12.1697−19.12.1759), Sohn des Claus Carstens in der Lehe, Gev. ein noch unbek. "Bojen Boje vom Ostermohr", das Ehepaar lebte später im Flecken Brunsbüttel, 6 früh verstorbene Kinder; oo3 am 19.4.1765 mit ihrem Cousin Wilcken Boie (20.3.1707−20.2.1782), Sohn des Johann Boye d.J. (siehe oben)
- Höbke (1.2.1701)
- Claus (12.6.1702
24.2.1756) "aufm Teich", oo am 22.6.1730 mit Trienke Mingst (13.10.170723.11.1750), Tochter des Johann Mingst in Westerbüttel, 8 Kinder, von denen 3 den Vater überlebten (Johann +1799 Schulmeister in Wellinghusen). Claus lebte in Westerbüttel
- Höbke (1.9.1704−5.1.1781), oo1 in 1724 mit Peter Severin (+1728), Sohn des Hausmanns Peter Severin in Westerbüttel, 2 Kinder; oo2 am 28.11.1730 mit Peter Micheelsen (get. 11.8.17059.4.1732) in Westerbüttel, Sohn des Micheel Peters, 1 Sohn; oo3 am 23.2.1734 mit dem Hausmann und Landesgevollmächtigten Claus Lau (4.2.170622.9.1774) in Westerbüttel, Sohn des "Claus Lau aufm Dingen", 6 Kinder
- Johann (26.9.1706
)
- Job (24.9.170810.4.1755), oo am 14.5.1739 mit Gesche Lau (25.8.172329.4.1755), Tochter des Hans Lau und der Catharina Peters in Behmhusen, die hinterlassene Witwe starb im Wochenbett, 8 Kinder, wovon 2 Söhne und 2 Töchter die Mutter überlebten. Job lebte in Westerbüttel und war Kirchspielgevollmächtigter sowie Kirchenbaumeister
- Antje (5.9.1712)
- Antje (5.2.1717−
1.10.1735), oo am 22.2.1735 mit ihrem Cousin Wilcken Boie, dem Sohns des Johann Boye d.J., 1 Sohn (Boie, 12.6.173521.6.1767)
- Boie (10.7.1719−17.11.1764), oo1 am 19.4.1746 mit Antje Piehl (27.3.171125.11.1750), Witwe des Krugwirts und Schiffers Conrad Hinrich Piehl im Flecken Brunsbüttel; oo2 mit Anna Henrichs (9.1.172418.10.1781), Tochter des Hinrichs Johann Hinrichs (Sohn der Telsche Boye) und der Antje Ackermann aus Ostermoor, dann Westerbelmhusen; 5 Kinder; Boie Peters war Krugwirt und Makler im Flecken Brunsbüttel; er hinterließ 2 Töchter, von denen Anna (oo mit Micheel Peters in Westerbüttel) 1781 noch lebte

Der Überlieferung zufolge soll Johann Boye d.Ä. drei verheiratete Söhne (Claus, Johann, Wilcken) und drei verheiratete Töchter (alle NN) gehabt haben. In Anbetracht der damaligen Gepflogenheiten bei der Namensgebung sollten vor Telsche noch zwei Mädchen namens Silje und Antje (das sind die Namen der beiden Großmütter) geboren worden sein. Auch fehlt in der Liste ein nach dem Großvater mütterlicherseits benannter Sohn namens "Peter", welcher zwischen Claus und Johann geboren sein könnte. Von allen dreien habe ich bisher keine Spuren finden können.

Wahrscheinlich gehörte Johann Boye zu den Erben des Boyen Claus Boye, deren Vergehen im Brücheregister von 1673 (LAS 102 AR S.-Dithm. 1673) aufgezeichnet ist. Dort heißt es:
"Boyen Claus Boyen Erben auffm Östermohr sind deswegen zu Register gesetzet, daß Sie mit Hinterhaltung des H. Landtvogds Bescheides den 3. Marty per Supplicem ein anders Decretum von demselben erschleichen wollen, und da Ihnen nach solchem Bescheide Inventarium zu ediren aufferleget, deßen unerwehnet die Theillung suchen wollen, d. 6. Märtz."

Von Johann Boye d. Ä. findet man noch weitere Einträge im Brücheregister:

1677: "Claus Stein hat auff Johann Boyen auffm Östermohr 3 Löcher im Kopff, deren 2. ohngefähr 2 Zollen lang, und das dritte rund gewesen, verzeichnen laßen, nebst einem blauen Auge, auch die Schulter etwaß gefärbet, wozu Jacob Sierichs in Bellmenhusen auch mitgeholfen, d. 4. Aug. 677."
1677:
"Johannes Lüßner ein Oculist hat angegeben einen bösen Schaden aufm Kopff, tieff biß auffs Craneum nebst einer Beulen, so mit Blut unterlauffen, und berichtet, dass Ihm solches Johann Boÿe auffm Östermohr getahn. d. 8. Okt." Zusatzbemerkung: "Der Kleger ist wech gezogen."


Weitere Einträge in das Brücheregister, die Söhne, Schwiegersöhne und Enkel von Johann Boye d.Ä. betreffend:
1697: "Hanß Schweertman beklaget Johan Boye aufm Östermohr, dass er ihn nicht allein iniuryret, sondern auch geschlagen, Schaden zugefügt und mit Füßen nach ihn gestoßen. Den 25. Sept. 1697" [Hanß Schweertman war der Müller]
1701/02: "Heinrich Kloppenburg aus dem Büttell Kirchspiels St. Margarethen soll sich mit Hans Carstens aufm Ostermohr, auch nachgehends mit Johann Boyen daselbst geschlagen haben, wobey auch Wilcken Boye, Harm Ackerman und Peter Ram sich interessiret. 11. Nov. 1700."
1703: "Hans Schwerdman Müller von Östermohr hat geklaget, daß Claus Bunge auf Johan Tießen Hochzeit ihn vom Stuel heißen aufstehen und wie er solches verweigert, für einen Schellm und Dieb gescholten anbey zum schlagen provociret, d. 6 Dec. 1701."
1707: "Claus Hinrichs in der Lehe hat geklaget, daß Johann Boye aufn Ostermohr wie er ihn und seinen Gehülfen entboten, wie er kaum gekommen, ihn nicht allein iniuriieret sondern auch mit seinem Stecken geschlagen und herlich zugerichtet. d. 28 Sept. 1707."
1723: " den 16. Aug. hat Marten Dohrn aus dem Koege beym Büttel
[Altenkoog], Johann Boyen aufm Östermohr stehende Scheune niedergebrochen, ohngeachtet, ich ihn solches verbieten lassen." [im Sommer 1723 standen also noch Gebäude im ausgedeichten Ostermoor]
1723: "Ao. 1723 den 29. Martii als am Oster Montage unter der Predigt, ist Johann Boye vom Östermohr, in Paul Peters Hause in Sestemenhusen gekommen, hat die Piesel Thürr mit Gewalt aufgebrochen, und daraus einige Sachen weggenommen, so Pauls Peters Zugehören."
1725: "Am 26. April klagte Johanns Johann das Wilcken Boyen Sohn Tewes Boye ihn in Hinrich von Essens Hause ohne eine gegebene Ursache angefallen umd im Gesichte geschlagen, daß er davon blutrünstig geworden. Kspr."
[Vorfall im Kirchspiel Eddelak, wahrscheinlich Westerbüttel]
1726: "Triencke Mangels aus Brunsbüttel ist ihrer getanen gerichtl. Aussage nach Ao 1725 von Michel Johanns Peters Wittwen Sohn nahmens Claus Peters in Westerbüttel in Johann Frauens Haus geschwängert, und von Johann Boyen Sohn Johann den letzten Weynachten Tag nach Hamburg gebracht alwo sie des Kindes gewesen". Anmerkung am Rand: Stupatra [die Geschwängerte] ist bettelarm und mit dem Anfall wogestalt behaftet, daß keine Hofnung, daß sie davon genesen werde: und weil sie also auch corpore nicht büßen kann würden die Brüche ihrenthwegen wegfallen. Wegen des Stupratoris
[Schwängerers] wird die Sache ausgesetzet biß die Aussetzung in der Noth von der Stupatra eingebracht." [Der erwähnte Johann, Johann Boyen Sohn ist nicht mit den Ostermoorer Boyen verwandt]

Wir können dem ersten Eintrag in das Brücheregister entnehmen, dass Boyen Claus Boye kurz zuvor, wahrscheinlich im Spätwinter 1673, verstorben war. Wenig später, im Jahre 1677, musste Johann für die neue Brunsbütteler Kirche spenden.


An dieser Stelle ein paar Worte zum Schicksal der beiden Brüder von Wilcken Boye I: 

Der älteste der drei Brüder Claus (±16581696) (Sterbejahr aus CE 72) verheiratete sich mit Anna Catharina Gude, der Tochter des Eddelaker Pastors Petrus bzw. Peter Gude (1618−1672), und war Eigentümer der späteren Höfe von Schoof und Holst an der heutigen Bahnhofstraße in Eddelak (CE 71ff). Er könnte der Claus Boÿe sein, der im  Umschreibeprotokoll von 1696 mit 31.11 bzw. 29.3 M.S unter "Warwen " aufgeführt wird (LAS 102 S-Dithm. X, 164) - dann wäre er der mit Abstand größte Bauer in Warfen gewesen.

Claus Boye wurde zum Stammvater der kurzlebigen Dynastie der Boien auf Josenburg: Der Sohn und Landesgevollmächtigte Peter Boie (5.2.169225.10.1750) begründete durch Heirat und Landkauf den Großhof Josenburg (JOS), den der Enkel, der Bauernschaftsgevollmächtigte und kurzzeitige Kirchspielvogt Claus Boie (1.6.17355.1.1792), genannt „Claus der Reiche“, erbte. Der zweite Enkel, der Landesgevollmächtigte Johann Boie (29.11.174119.7.1784), war 1781 der Bauherr des so genannten „Schmielau-Hofs“ in der Lehe, der 1964 abgebaut und dann im Freiluftmuseum Molfsee bei Kiel wieder errichtet wurde. Die Inschrift über dem Dielentor und die Maueranker zeugen noch heute von dem Erbauer Johann Boie und dessen Frau Margaretha. Sowohl Claus der Reiche als auch Johann sowie ihre Schwester Magdalena ("Marlena", 20.10.173828.6.1792) starben ohne Nachkommen (JOS).


Hof in Molfsee Inschrift  Maueranker JB  Maueranker FMB
Inschrift über der Dielentür des Schmielau-Hofs in der Lehe (links) und zwei Mauerankern mit den Monogrammen JBoje (Johann Boje) und FMB (Frau Margaretha Boje, 1756-1793)     © bfeil


Der zweite Bruder von Wilcken Boye I hieß wie der Vater Johann. Schon 1695 hatte Johann Boye der Jüngere, wie er zur Unterscheidung von seinem Vater genannt wurde, 18.3.6.9 M.S.R.F von seinem Schwiegervater Peters Drees erworben. Zusammen mit den 1.4.10.10 M.S.R.F., die er ebenfalls 1695 von seinem Vater Johann Boye d.Ä. erhalten hatte, verfügte er nun über einen beachtlichen Hof von 19.7 M.S Größe (LAS 102 S-Dithm. X 164 I). Im Umschreibeprotokoll von 1699 (LAS 102 S-Dithm. X 163) wird Johann Boye d.J. mit 26.11.37.2⅜ M.S.R.F geführt, nachdem er sich kurz zuvor den väterlichen Hof mit seinem Bruder Wilcken geteilt hatte. In dem Stammtafelfragment von 1898 heißt es, Wilcken und Johann hätten "den väterlichen Hof von ihren Geschwistern erworben". Um 1700 besaß Johann Boye den drittgrößten Hof in der Bauerschaft Ostermoor.

Laut W. Johnsen soll Johann Boye der Jüngere 1725 26.4 M.S besessen haben, 1727 werden 6.2 M.S "verlorenen Landes" abgebucht (BHS 20). Wie sein Bruder Wilcken Boye I musste er um um 1720 in der "Wasserzeit" seinen Hof verlassen. Er lebte später, vermutlich nach dem Tod seiner Frau, bei seinem Sohn Wilcken (20.1.170520.2.1782) in der Bauerschaft Warfen, wo er 1734 starb. Da der Sohn Wilcken offenbar bis mindestens 1750 in Warfen wohnte (JOS 7) und der andere Sohn Drees 1756 in Ostermoor starb, könnte letzterer um 1750 den nun im Außendeich belegenen Hof einige Jahre bewirtschaftet haben. Möglicherweise erbte Drees Boie seinen Hof 1734 von seinem Vater und vererbte ihn, da er kinderlos war, 1756 an seinen Bruder Wilcken. Von Wilckens Kindern erreichten nur ein Sohn (Boie) und eine Tochter (Catharina) das Erwachsenenalter. Boie Boie war Epileptiker und ertrank am 21.6.1767 nach einem Anfall in Ostermoor auf dem Wege zu dem väterlichen Hof in einem Graben.
Nach der Wiedereindeichung der Ostermoorer Feldmark,
am 27.4.1764, besaß "Wilcken Boie aufm Ostermohr" 18.14.34.11 M.S.R.F (LAS 102 Ksp. Brunsbüttel 327). 1767 wurden die Ländereien von dessen Schwiegersohn Claus Kohlsaat bewirtschaftet. Ein Jahr nach Wilckens Tod (1782) verkaufte Wilcken Boies Tochter Catharina/Katrina Kohlsaat den nun 29.10 M.S großen Hof an meinen Vorfahren Marten Feil aus Büttel verkauft.

Hof: Durch die Ausdeichungsmaßnahmen nach 1685 verlor Johann Boye 6.13 M.S Land (LAS 66, 4453). Das Ackerschatzregister von 1686 widerspiegelt wahrscheinlich die nachherigen Besitzverhältnisse. Dnach war der Hof von Johann Boie dem Älteren 28.9.29.3⅝ M.S.R.F groß,1695 besaß Johann dann einen 25.2 M.S großen Hof, und 1699 umfasste der Hof noch 22.3.19.15 M.S.R.F. Etwas Land (1.4.10.10 M.S.R.F) hatte Johann schon 1695 seinem Sohn Johann d.J. überlassen. Somit besaß Johann Boye der Ältere weit mehr Land als sein Vater Boyen Claus Boye. Leider habe ich bisher keine Ackerschatzregister für die Zeit um 16731675 gefunden. Diese hätten möglicherweise Aufschluss darüber gegeben, ob Johann den Hof seines Vaters Boyen Claus Boye übernahm und dann erweiterte oder gegen einen anderen eintauschte.

Zeit: Nach der Sturmflut von 1674, die den gesamten Flecken Brunsbüttel zerstörte, wurde 1675 beschlossen, den Ort landeinwärts zu verlegen. Dies geschah 1676, aber schon 1654 war in weiser Voraussicht ein neuer Kirchhof angelegt worden - "die Toten wurden den Lebenden vorausgeschickt", wie Wilhelm Johnsen es treffend formulierte. Natürlich musste auch die Kirche transloziert werden. Die Finanzierung dieses Projekt gestaltete sich schwierig. Johann Boye gehörte zu den größten Geldgebern seiner Bauerschaft und musste 1677 den Höchstsatz von 100 Mark für den Wiederaufbau der Kirche spenden. Die neue Kirche wurde am 16.11.1679 eingeweiht.

Ostermoor wurde wieder einmal von schweren Sturmfluten heimgesucht. 1684 gingen durch die Verlegung des Elbdeichs nach Norden 10 Häuser und 88 Morgen Land verloren, 1685 dann nochmals 40 Häuser und 101 Morgen Land. Die Novemberflut von 1685 zerriss den Elbdeich einige hundert Meter westlich des Holstengrabens und überschwemmte den gesamten östlichen Teil des Kirchspiels Brunsbüttel. Der 1575 fertig gestellte Deich zwischen der Bauerschaft Ostermoor und Büttel wurde aufgegeben und durch einen Deich ersetzt, der weiter landeinwärts errichtet wurde.  Der neue Deich wurde 1686 und 1687 von Soldaten gebaut und daher Soldatendeich genannt. Johann Boye besaß 6.6 M.S zwischen dem Soldatendeich und dem Holstengraben, die ausgedeicht wurden.

Soldatendeich Ostermoor
Geplante Deichbauten in der Bauerschaft Ostermoor, Skizze vorgelegt am
15.2.1687 (Elbe unten, am linken Rand befinden sich heute die Schleusen, am rechten Rand
Büttel mit dem Alten Moordeich, oben rechts das Wüste Moor). Von dem Außendeich, das Boyen Claus Boye bis 1672 versteuerte, ist nichts mehr zu erkennen.

Zum Zwecke der besseren Orientierung habe ich der Skizze die in rot gehaltenen Elemente hinzugefügt, Stand etwa 1970-1980: KW = Koogsweg; HF = Hof Willi Feil;
OT = Ostertweute;  LD = Lütt Dörp; HS = Hof Sievers ; AM = Alter Moordeich;
K75 = Landweg bzw. alte B5; KKW = Kernkraftwerk

Die Karte wurde Fischer (1957) entnommen, welcher als Quelle das Archiv Deutsch-Nienhof Nr. 280 angibt.



V. Boÿen Claus Boÿe (±16001673). Der Überlieferung nach ist er "auf dem Östermoor" geboren, seit 1625 ist er als Landbesitzer im Ackerschatzregister eingetragen. Der Hof von Boyen Claus Boye lag nachweislich im äußersten Osten der Bauerschaft. Boyen Claus Boye war der erste seiner Familie mit fest stehendem Familiennamen (Boye). Wie sein Eintrag in den Ackerschatzregistern erkennen lässt, hatte er das Patronym aber noch nicht gänzlich aufgegeben.

oo seit mind. 1632 (wahrscheinlich aber 1631) mit Cillje, Vatersname unbekannt, der Überlieferung nach aus Ostermoor stammend. Ihr Vater könnte Hans Wilckens Johan gewesen sein.

Kinder

1. Johann
(±16281697/1698), mein Vorfahr, mehr über ihn hier

Dass der tradierte Name der Ehefrau korrekt ist, wird durch das Brücheregister bestätigt: (1632) "Sahrs Jacobß Marten // Boyen Clauß Boyen Cillien wegen thogefügter Iniurien."

Boyen Claus Boye und seine Frau Cillje beteiligten sich intensiv am Dorfleben, wie ihre zahlreichen Einträge in das Brücheregister erkennen lassen. Insbesondere zu der schon oben erwähnten Familie von Sahrs Jacob pflegte man wenig freundschaftliche Beziehungen. Im Brücheregister von 1633 heißt es nämlich: "Boyen Clauß Boye heft Sahrs Jacobs Johan Schaden thogefüget" (der Bruder des oben erwähnten Marten wurde vielleicht von Claus verprügelt - dann ziemlich heftig, denn die Strafe betrug immerhin 8 Thaler). 1636 war schließlich der dritte Bruder dran: "Boien Claus Boie hat Sahrß Jacobs Jacob einen anfall gethan, vnndt ihn mit einem tuffell geschlagen." Der tuffell war wohl ein Holzschuh. Obwohl das letztere Vergehen "non probatum", also nicht bewiesen, war, musste Claus 1 Thaler an die Brüchekasse zahlen. 1637
gab es wieder Ärger mit dem Sahrs Jacob-Clan, diesmal mit dem Patriarchen höchstpersönlich: "Sahrß Jacob cont: Boien Clauß Boien, vmb die Hofstete vnndt daß Landt", an die Brüchekasse waren diesmal 6¼ Thaler zu entrichten. Übrigens wohnte Sahrs Jacobs Johan 1640 "bei dem Holstengraben", also nicht allzu weit entfernt von Boyen Claus Boye .

Hof:
Boyen Claus Boye führte offenbar nicht den Hof seines Vaters fort, sondern siedelte sich im Osten der Bauerschaft an. Der Haupteil seines Hofes stammte offenbar von Hars Hans Wilken, dessen Landbesitz im Jahre 1636 einen Hof von 9.10 M.S und 0.13 M.S "Noch Neuß zuegemacht Landt" (wohl bis auf den Mineralboden abgetorftes Land) umfasste. Gleichzeitig verschwanden mehrere kleine Landstellen, die in den Ackerschatzregistern vor 1637 um den Hof von Hars Hans Wilken herum eingetragen waren und sich somit wohl auch wirklich in dessen Nähe befanden.
Ab 1637 bewirtschaftete Boyen Claus Boye zunächst 14.4 M.S, ab 1650 dann 18.8 M.S. Diese Erweiterung des Hofs wurde vielleicht vom Erbe finanziert, dass sein kurz zuvor verstorbener Vater hinterließ. 1672 besaß er noch 17.11 M.S. Boyen Claus Boye war seit mindestens 1625 Eigentümer von zwei Parzellen im Außendeich mit einer Gesamtfläche von 1.11 M.S damals gab es vor dem Ostermoorer Elbdeich also noch brauchbares und daher ackerschatzpflichtiges Land.

Der Hof von Hars Hans Wilcken findet sich bereits 1561 im Ackerschatzregister. Offenbar wurde der Eintrag also weit über den Tod des ursprünglichen Besitzers hinaus beibehalten, was meines Erachtens durchaus nicht unüblich war. Um 1605 könnte ein Hans Wilckens Johann der Eigentümer gewesen sein. Dieser könnte später (um 1625) der Schwiegervater von Boyen Claus Boye geworden sein, der dann 1637 Eigentümer des Hofes wurde. Das würde auch erklären, weshalb dieser einen Sohn Johann nannte. Wenn diese - zugegebenermaßen gewagte - Hypothese zutrifft, wäre die Ehefrau des Boyen Claus Boye, Cillje, die Tochter des Hans Wilckens Johann.

Aus dem Brücheregister von 1651: "Bo
ÿen Claus Boÿe, contra die geuollmechtigten Eddellakischen Kirspiels, vmb den ihme von den schwedischen an seinen gebewde zugefüegten schaeden zu erstatten, die Klage zu 50 mk ist nicht ausgeführet ddit 1 Thr 2 ß"
Ich vermute, dass sich diese offenbar nicht zur Verhandlung gekommene Klage auf Ereignisse am Ende des 30-jährigen Krieges bezieht. Vom 30.1. bis zum 9.10.1648 hielten sich an "schwedischen Kriegsvölkern" eine Kompanie Reiter vom Müller'schen Regiment sowie ein Rittmeister mit einigen wenigen Soldaten vom Hammersteinischen Regiment (Bolten IV, S.278) in Süderdithmarschen auf und verursachten große Kosten. Wieso ausgerechnet Eddelaker Gevollmächtigte beklagt wurden, weiß ich nicht.

Zeit: Boyen Claus Boye erlebte den gesamten 30-jährigen Krieg (16181648). In Ostermoor existierte am Ausgang des Holstengrabens, also nicht allzu weit entfernt vom Hof, eine kleine Schanze. 1627 kam General Wallenstein nach Brunsbüttel, das am 19.3.1644 von dem schwedischen Oberst Lohusen mit 50 Reitern geplündert wurde. Der Anwesenheit von Soldaten ist es wohl zu verdanken, dass in Ostermoor ein "leichtfertig Haus" (siehe Brücheregister von 1640) betrieben wurde. 1651 gab es wegen einer Missernte im Kirchspiel eine große Hungersnot, 1660 verursachte der "fressende Wurm" eine Missernte.



IV. Ties Johans Claus Boÿe (±15751632 oder 1649). Ties Johans Claus Boye erscheint erstmals 1617 im Ackerschatzregister der Bauerschaft Ostermoor. Sein Todesjahr ist unsicher. Schon im Ackerschatzregister von 1633 tauchen "Ties Johans Claus Boyen Erben" auf, erst 1650 ist er dann endgültig aus dem Register verschwunden.

oo mt NN.

Kinder

Boyen Claus Boye
(±16051673), mein Vorfahr, mehr hier
Es müssen noch weitere Kinder existiert haben, die das Erwachsenenalter erreichen, denn in den Ackerschatzregistern werden "Erben" des Ties Johanns Claus Boye erwähnt.

Aus dem Brücheregister (LAS AR 102 S-Dithm. 1596): "Claus Iven heft Ties Johans Claus Johann Schaden gedan, d. 10 mk" und gleich danach "Claus Johann vnd Boie hebben Clauß Iven 2 kleine Schaden in den hop gedan, d. 5 mk". In der Tat gab es in Ostermoor einen "Hoppenhafen", wie eine Karte von von 1719 oder 1720 (LBK, IF 109 Karte 819) zeigt.

Hof: Bei der Hofteilung von 1617 erhielt Boye 9.13 M.S von den 18.8 M.S seines Vaters Ties Johans Claus. 1632 war sein Hof 10.8 M.S groß
, ab 1633 2.7 M.S; zwischen 1637 und 1649 waren dann nur noch 11 S auf seinen Namen eingetragen. Die sukzessive Abnahme der Fläche könnte darauf hindeuten, dass sich Ties Johans Claus Boye altersbedingt aus der Landwirtschaft zurück zog. Zu dieser Interpretation passt bestens, dass im Jahre 1633 Johans Claus Boyen Erben mit 2.7 M.S im Ackerschatzregister erscheinen - offenbar hatte Ties Johans Claus Boye die Hälfte seines verbliebenen Landbesitzes auf Nachkommen (Töchter?) übertragen. Andererseits ist es möglich, dass Ties Johans Claus Boye schon 1632 starb und der Haupterbe Boyen Claus Boye seinen Teil des Hofs unter dem Namen seines Vaters weiter laufen ließ.
Wo der Hof von Ties Johan Claus Boye lag, ist unklar; vermutlich lebte er unweit des Zentrums der Bauerschaft.

Zeit: Allerhöchster Besuch im Jahre 1598
der dänische König Christian IV inspiziert den neuen Deich zwischen Ostermoor und Büttel:  Anno 1598, den 16. Martyus, do toch unser gnedigster Konyng under her, van Meldorp nha Brunsbüttel unde van Brunsbüttel so by dem Dyke umme na der Quedtslyppen unde so vordan by dem Neyen Dyke van der Quedtslyppen nha dem Büttel. 1605 raffte eine Pestepidemie viele Brunsbütteler dahin. Der Druck der Elbe auf ihr Nordufer forderte seinen Tribut. 1617 brach der Deich bei Oldeburwörden, und es gingen 10 Häuser und 72 Morgen Land in dieser Bauerschaft verloren. Ties Johans Claus Boye lebte während des 30-jährigen Krieges (16181648).


III. Ties Johans Claus (±15401616/1617?). Das Geburtsjahr ergibt sich aus den frühesten Einträgen in das Brücheregister (1563), wobei ich der Einfachheit halber ein Alter von 23 Jahren annehme. Er ist seit mindestens 1576 in den Ackerschatzregistern präsent, damals besaß er 8.9½ M.S. Im ersten Landregister (1561) dürfte er eines von "Ties Johans Kindern" gewesen sein. Die  Festlegung seines Todesjahrs wird dadurch erschwert, dass von 1576 bis mindestens 1672 ein Ties Johans Claus in den Ackerschatzregistern geführt wird - es muss sich um zwei oder mehr Personen handeln, deren Höfe nacheinander dieselbe Stelle im Ackerschatzregister einnehmen und die vermutlich in Vater - Sohn - oder Großvater - Enkel - Beziehung stehen.
Schon einige Jahre vor der Teilung seines Hofs  im Jahre 1616/1617 gibt es in der Rubrik "Neu zugemachtes Landt" einen Eintrag "Ties Johans Claus Erffen", einen analogen Eintrag findet man für Ties Johans Wilcken. Wahrscheinlich verstarben Ties Johans Claus und sein Bruder Wilcken also schon vor 1616/17.


oo mit NN, der/ein Schwiegervater könnte Johans Boie gewesen sein.

Kinder


1. Ties Johans Claus Johann
(±1575>1606)

2.
Ties Johans Claus Boye (±15751632 oder 1649), mein Vorfahr

3. Ties Johans Claus Claus
(±1575<1626). Ein "Claus Claus der Ältere" und ein "Claus Claus der Jüngere" lassen sich noch im Ackerschatzregister von 1686 nachweisen; 10 Morgen ihres Landbesitzes wurde 1687 durch den Bau des Soldatendeichs ausgedeicht (LAS 66, 4453). Bei den beiden könnte es sich um Nachfahren des Ties Johans Claus Claus handeln. 

4. Ties Johans Claus Wÿbe (±1575>1606)

5. Ties Johans Claus Hennig (lebte um 1640)
Kinder
- Henniges Claus, lebte um 1660 in Ostermoor (KR Bb 1039)
- Henniges Ties
, lebte um 1670 in Ostermoor
- Hennines Peter, lebte
um 1670 in Ostermoor

Einträge im Brücheregister (LAS AR 102 S-Dithm.):
1563: "Andreß Schroder vs. Thieß Johanß Clauß umb xv mk beclagter det j daler" (es ging also um 15 Mark, der beklagte Clauß musste 1 Taler an die Brüchekasse zahlen)
1563: "Peter Mathießen vs. Thieß Johanß Clauß umb lxv mk beclagter det 3 daler" (es ging um 65 Mark, Claus zahlte 3 Taler Strafe)
1566: "Thieß Johanns Clauß heft Jochims Paul schaden gedan. det  ij Mk xiiij Sh" (Claus musste 2 Mark, 14 Schillinge an die Brüchekasse zahlen)
(da in den ersten Brücheregistern nicht zwischen den Bauerschaften unterschieden wird, ist nicht erwiesen, um es sich um den Thieß Johanß Clauß aus Ostermoor handelt)

1606:
"Hanß Wilkens Johan hefft Clauß Boyenn, ock Thieß Johans dochter Wÿbenn, vnd Thieß Johans Clauß Johan, schaden gedahn. d. 70 mk"

Hof: Ties Johans Claus wurde, wie auch sein mutmaßlicher Bruder Ties Johans Wilken, zwischen 1571 und 1576 Eigentümer eines eigenen Hofs. Genauer lässt sich das Jahr leider nicht festlegen, weil für den kritischen Zeitraum einige Ackerschatzregister nicht verfügbar sind. Weder Claus noch sein Bruder Wilken sind im Ackerschatzregister von 1570 gelistet. Stattdessen findet man aber seit 1561 die Einträge "Ties Johans Kinder de westerhoff 6 Morgen" und "de osterhoff ehnen togehorich 10 Morgen". Folglich könnten sich die Kinder des Ties Johann (Claus, Wilcken, deren Schwester NN, eventuell auch Ties, der bereits seit mind. 1561 einen eigenen Hof besaß) zwischen 1571 und 1575 über die Verteilung des väterlichen Erbes geeinigt haben.

Zeit: 1559 verlor die Bauernrepublik Dithmarschen in der Letzten Fehde ihre Freiheit. Ties Johans Claus muss an den damaligen militärischen Aktivitäten teilgenommen haben, denn alle männlichen Einwohner Dithmarschens über 14 waren wehrpflichtig. Ein Heer unter der Führung von Ritter Johann Rantzau fiel im Juni 1559 in das Kirchspiel Brunsbüttel ein, eroberte den Flecken Brunsbüttel und traf kurze Zeit später auf 700 Dithmarscher Bewaffnete und Zivilisten, die sich auf einer Wurt (Josenburg?) verschanzt hatten. Es ist sehr gut möglich, dass die Söhne von Ties Johan und vielleicht sogar Ties Johan selbst zu den Eingeschlossenen gehörten und später in Schloß Gottorf interniert wurden. Mehr zu den damaligen Ereignissen hier.

Im 
Februar 1561 und am 10.2.1563 bedrohten schwere Sturmfluten die Bauerschaft Ostermoor. Dem ersten Landregister von 1561 ist zu entnehmen, dass aus dem Hochmoor gerissener Torf ca. 25 ha Land unbrauchbar machten. In einem 1562 geschriebenen Brief bittet die Bauerschaft den König, ihre Deichlasten zu mindern.

1568 kartierte Melchior Lorich die Elbe. Wie dessen Karte sehr schön erkennen lässt, gab es damals noch keinen Deich zwischen der Bauerschaft Ostermoor und Büttel. Erst 1575 wird diese Lücke geschlossen - Ties Johans Claus ist Zeuge der Bauarbeiten, die sich durch mangelnden Einsatz der Dithmarscher verzögerten.
Lorich Elbkarte
          1568

1592 wurde der "Froichenschatt" (Fräuleinschatz), eine Kopfsteuer aus Anlass der Hochzeit der dänischen Prinzessin Christine mit dem schwedischen Herzog Carl, erhoben. Wegen des langwierigen Krieges mit den Türken (15931606) hatten Grundbesitzer wie Ties Johans Claus in dieser Zeit mehrmals Sondersteuern ("Torckenschatt", Türkenschatz) zu entrichten.



II. Ties Johan (±1490<1561). Dem Landregister ist zu entnehmen, dass Ties Johann 1561 bereits verstorben war und seine Kinder, darunter wohl mein Vorfahr Claus und dessen Bruder Wilcken, Eigentümer zweier Höfe in der Bauerschaft Ostermoor waren.

Kinder

1. Ties Johans Ties
(±1515>1579), besaß laut Ackerschatzregister im Jahre 1561 einen 9½.4 M.S großen Hof im äußersten Westen der Bauerschaft. Dieser verschwand in den 1570er Jahren aus den Registern, vermutlich weil das Erbe unter seinen Kindern aufgeteilt wurde.
Kinder
- Tieß Johans Tieß Frentz (±1545) (LAS 102.1 Nr. 221), besaß laut Ackerschatzregister von 1579 einen 9.3 M.S großen Hof
- Tieß Johans Tieß Annecke (±1545>1569)

2. Thies Johans Peter (±1540>1582/84) (LAS 102 AR 1582/84, LAS 102.1 Nr. 213)

3. Ties Johans Claus (±15401616/1617?), mein Vorfahr, mehr hier

4. Ties Johans Wilken (±1540>1597)
Kinder
- Tochter NN, oo seit
±1599 mit Maß Tieß Johan
- Tochter NN (
<1597
), unehelich, Mutter war Denßken Greeten, oo wahrscheinlich 1618 mit Johans Carsten

5. Tochter NN
(±1540>1580) "Ties Johans dochter" wurde laut Brücheregister von 1580 (LAS 102 AR 1580) vom verheirateten Johann Hobbing "beslapen". Strafe für Hobbing 44 mk.


Bei Ties Johans Kindern ist der Leitname Wilken das erste Mal nachweisbar, der im 18. Jahrhundert eine so große Rolle spielen sollte.


Aus den Brücheregistern:
"Thieß Johanß Thieß Annecke gegen Gelß marten dat he sich berohmet alse scholde he mit ehr ij Jhar In untucht geluet hebben. ..." (LAS 102.1 Nr. 213, Klage im Jahre 1569)
"Thies frenz hefft Cillienn annecke ehre fenster uthgeschlagen @ dt vj mk" (LAS 102 AR S-Dithm. 1582/84)

"Harmen Claus Boie hefft Thies Johanns Wilcken schwere Schlege gedhan, vnnd ehne Ihnn den grauen gestot [ihn in den Graben gestoßen]" (LAS 102.1 219)

Im Brücheregister des Gerichts Meldorf der Jahre 1560
1580  findet sich nach Martens unter (dem Kirchspiel) Brunsbüttel diese Notiz:
"Thies Johannß Wilcken heft Jumß Clauß entliuet, is wickhaftig worden, de broder heft dat halue vorlopen gudt afgedinget vp j
c Daler."

Jumß Clauß ist sicherlich ein Lesefehler des Autoren - es muss Juenß (Ivens) Clauß heißen. Die Basisstrafe für diesen Totschlag betrug wie gewöhnlich 100 Mark - was der Rest bedeutet, ist mir noch nicht so klar. Wenn man ein Komma zwischen "gudt" und "afgedinget" setzt, dann klärt sich der Sachverhalt jedoch vielleicht: "Der Bruder hat das halbe Gut" - Wilcken und Claus bildeten offenbar die Erbengemeinschaft "Ties Johans Kinder" oder zumindest einen Teil derselben. Leider gibt G. Marten nicht an, in welchem Jahr der Totschlag genau geschah bzw. aus welchem Brücheregister er diesen Eintrag entnommen hat  - 1576 wäre ein mögliches Tatjahr und auch mit den mutmaßlichen Lebendaten von Ties Johans Wilken und Ties Johans Claus bestens verträglich. In der Tat lebte ein Iuenß Clauß in Ostermoor - er 1561 hatte einen Hof von 9.7 M.S.

Hof: Ties Johan hinterließ seinen Kindern mindestens zwei Höfe, nämlich
den Westerhoff mit 6 M und den Osterhoff mit 10 M.


I. (Hannecken?) Ties (±1465). Über Ties wissen wir nur, dass er gelebt habt haben muss. Der Vatersnamen "Hannecken" zwar nicht urkundlich belegt, ergibt sich aber mit einiger Wahrscheinlichkeit aus mir bisher bekannt gewordenen Fakten.

Kinder

1. (Hanneken) Ties Johann (
±1495<1561), mein Vorfahre

2. Hanneken Ties Claus (±1495−>1561), besaß laut Landregister von 1561 einen Hof von 8 M im Osten der Bauerschaft. Der Eintrag ist unsicher.


Wenn meine Vermutungen zutreffen, müsste der Vater von Johann und Claus Hannecke geheißen haben. Dies würde erklären, weshalb Johann einen seiner Söhne "Hennig" nannte.


Letzte substanzielle Änderung: 13.10..2011

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