Die Ostermoorer Boien
Diese Website ist der Geschichte
der Boien aus der Bauerschaft Ostermoor im Kirchspiel
Brunsbüttel in Ditmarschen gewidmet. Der Autor wurde auf einem
ehemaligen Boien-Hof geboren und ist, wie schon am Vornamen zu
erkennen, ein Abkömmling dieses Geschlechts.
Die Ostermoorer
Boien leiten sich von einem (Hannecken?) Ties ab, der um 1465
geboren wurde. Dessen Sohn Ties Johann (+
vor 1561) war Eigentümer von mindestens zwei Höfen in der
Bauerschaft Ostermoor, dem "Osterhoff" und dem "Westerhoff". Der
Name "Boye" gelangte um ca. 1575 mit der Geburt von Ties Johans
Claus Boye in die Familie. Ihm und seinem Sohn
Boyen Claus Boye (ca. 1600−1673) verdanken die Boien ihren
Familiennamen.
Boyen Claus Boye war der Begründer eines neuen Boien-Hofs (1637)
im äußersten Osten der Bauerschaft Ostermoor. Um 1700 besaßen die Boien den
größten (Wilcken Boye I) und drittgrößten (Johann Boye der
Jüngere) Hof in der Bauerschaft. Die schweren Sturmfluten der
Jahre 1717, 1718 und 1720/21 erzwangen die fast vollständige
Ausdeichung des Ostermoorer Arreals. Die Ostermoorer Boien
mussten ihre Höfe verlassen und wanderten nach Westerbüttel
(Wilcken I) und Warfen (Johann der Jüngere) aus. Nach der
Wiedereindeichung des Gebietes (1762) siedelten sich die
Nachkommen der beiden Boyen-Linien wieder auf ihren alten
Ländereien im jetzt so genannten "Neuen Koog" (später
Brunsbüttelkoog) an. Beide Boien-Höfe wurden später an Feils
verkauft, nämlich an Marten Feil (1783) und dessen Sohn Marten
Feil dem Jüngeren (1831).
Damit war die Geschichte der Boien aus Ostermoor aber noch nicht
beendet. Peter Boie (1813−1844), gebürtig im Neuen Koog und
ein Nachkomme der von Wilcken Boye I begründeten Linie, erwarb
zusammen mit seiner 17-jährigen Ehefrau
Catharina Magdalena Peters aus
Westerbüttel im Jahre 1834 einen Hof, der ursprünglich deren
Großvater, dem Ostermoorer Müller Peter Meinert, gehört hatte.
Der Südteil dieses neuen Boien-Hofs gelangte 1934 nach dem Tode
von Johannes Nikolaus Boie an Jakob Frauen, während der Nordteil
noch bis 1969 von einem Nachfahren der Ostermoorer Boien
(Heinrich L. Feil) bewirtschaftet wurde.
Inhalt
1.
Quellen
2. Der letzte
der Boien-Höfe
3. Die
Geschichte der Ostermoorer Boien
XIII.
Catharina Helene Boie
(1870−1932)
XII. Daniel Hermann Boje (1837−1897)
XI.
Peter Boje (1813−1844)
X.
Johann Boje (1785−1830)
IX.
Wilcken Boye III (1748−1834)
VIII.
Wilcken Boye II (1711−1793)
VII.
Wilcken Boye I (1670−1747)
VI.
Johann Boye d. Ältere (ca. 1630−1697/98)
V.
Boyen Claus Boye (ca.
1600−1673)
IV.
Ties Johans Claus Boye
(ca. 1575−1632 oder
1649/50)
III.
Ties Johans Claus (ca.
1540−1616/17?)
II.
Ties Johann (ca. 1500−vor 1561)
I.
(Hannecken?) Ties (* ca. 1465)
1. Quellen
Für
diese Website habe ich hauptsächlich amtliche
(Ackerschatzregister, Umschreibungsregister, Schuld- und
Pfandprotokolle, königliche Dispense usw.) oder halbamtliche
(Kirchenbücher, Kirchenrechnungen) Dokumente ausgewertet.
Sekundärliteratur wurden nur ausnahmsweise zitiert. Wie ich zu
meinen Erkenntnissen gelangte, beschreibe ich hier
im Detail.
BHS:
Bauern, Handwerker, Seefahrer, Lebensbilder aus dem Kirchspiel
Brunsbüttel und aus dem Lande Dithmarschen. Hrsg. Verein für
Brunsbüttler Geschichte. Von Wilhelm. Johnsen
(1961)
Bolten: Ditmarsische
Geschichte. Teile I bis IV. Verlag Schuster, Leer, Reprint 1979.
Von Johann Adrian Bolten (1781, 1782, 1784, 1788)
CE: Chronik der Gemeinde
Eddelak. Herausgeber Gemeinde Eddelak
1994)
CSM: Chronik des Kirchspiels St.
Margarethen - zugleich eine Geschichte der südwestlichen
Wilstermarsch. Druck J.J. Augustin, Glückstadt. Zweiter
Nachdruck, Auftraggeber Gemeinde St.
Margarethen, Herstellung
Boyens Offset, Heide, 2003. 415 Seiten. Von Wilhelm Jensen (1913)
CUL: Das mit dreyen
Fortsetzungen vermehrte Denk-Mahl von den hohen Wasser-Fluthen /
Wie selbige insonderheit in der Wilster-Marsch eingebrochen /
.... Von Gregorio Culemann, Wilster 1728. Neudruck 1926.
Fischer: Dithmarschen.
Das Wasserwesen an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste.
Teil III.Das Festland. Band 5. Verlag D. Reimer, Berlin. Von
Otto Fischer (1957)
Gerths: Die
Bauerschaftgemeinde Behmhusen und ihre Geschichte. Ungedrucktes
Manuskript von Hugo Gerths, Eddelak (1940)
KB: Kirchenbücher,
Edd=Eddelak, Bb=Brunsbüttel
LAS:
Landesarchiv
Schleswig-Holstein
LBK: Landesbibliothek Kiel
JOS: Josenburg. Beiträge
zur Hofgeschichte und Sippenkunde. Von Wilhelm Johnsen (1936), aus
der Brunsbüttelkooger Zeitung 11.−19.2.1936
Marten: Aus den Registern
des Heider, Lundener und Meldorfer Gerichts. Dithmarschen. Blätter
der Heimatgestaltung, 12, 120-130. Von Georg Marten
(1936)
SB: Das schöne
Brunsbüttel. Schicksale und Denkmäler. Hrsg. Verein für
Brunsbütteler Geschichte, Reprint Buchhandlung Schopf, 1980. Von
Wilhelm Johnsen (1951)
2. Der letzte
der Boien-Höfe
Im Laufe der
Jahrhunderte besaßen die Ostermoorer Boien/Bojen/Boyen
verschiedene Höfe. Der letzte der Boien-Höfe umfasste in etwa die
Flächen der Höfe von Heinrich Leopold Feil und Jakob Frauen, Stand
1960. Dieser Hof befand sich ursprünglich in der Hand von Johannes
Nikolaus Boie (1869−1934).
Der nördliche Hofteil wurde um 1900 auf dessen Schwager Heinrich
Gottlieb Feil übertragen und später von dessen Sohn Boy Peter Feil
sowie ab 1951 vom Enkel Heinrich Leopold Feil bewirtschaftet. Auf
diesem Hof wurden meine Schwestern und ich geboren.
Der südliche Hofteil verblieb bis zu dessen Tod im Jahre 1934 im
Besitz von Johannes Nikolaus Boie und wurde dann von Jakob Frauen
(3.7.1903−26.1.1982)
erworben.
Der Frauen-Hof wurde Anfang der 1960er Jahre an die
Entwicklungsgesellschaft Brunsbüttel verkauft, der Feil'sche Hof
folgte am 1.10.1967, wurde aber noch bis zum 31.12.1969 vom
ehemaligen Eigentümer als Pachtung bewirtschaft.
Feil-Hof ca. 1915, damaliger
Eigentümer Heinrich G. Feil
Feil-Hof 1956, damaliger Eigentümer
Heinrich L. Feil
Im
Vordergrund, von links: Katharina H., Marie H. und Heinr. G.
Feil Im Hintergrund:
Transformatorenhaus, Landstelle Heinr. Vollmert und Spritzenhaus
3. Die
Geschichte der Ostermoorer Boien
Der oben erwähnte Johannes Nikolaus
Boie war der letzte der Ostermoorer Boien, der noch im Gebiet
der alten Bauerschaft Ostermoor lebte und dort einen Hof
bewirtschaftete. Jedoch gab es dort bis 1969 noch
Nachfahren seiner Schwester Katharina Helene Boie, darunter den
Autor dieser Zeilen − er ist ein Urenkel von Katharina Helene Boie, und
Johannes N. Boie ist somit mein Urgroßonkel. Meine Geschichte der
Ostermoorer Boien lasse ich daher mit meiner Urgroßmutter
Katharina Helene Boie beginnen.
XIII. Katharina Helene Boje (26.11.1870−12.10.1932), meine Urgroßmutter, war
verheiratet mit meinem Urgroßvater Heinrich Gottlieb Feil, der als dritter Sohn
keinen eigenen, von den Eltern ererbten Hof besaß. Nach dem
frühen Tod des kurzzeitigen Hofbesitzers Peter Wilhelm Boie im Jahre 1892 dürfte mein
Urgroßvater den Hof seines verstorbenen Schwagers zunächst
gepachtet haben. Um 1900 verkaufte Johannes Nikolaus Boie, der
Bruder des verstorbenen Peter Wilhelm Boie und dessen Erbe, den
gepachteten Hof an ihn − so wurde aus dem einstigen Boien-Hof ein Feil-Hof.
Johannes Nikolaus Boie wohnte bis zu seinem Tode (1934) auf dem
südlichen Teil des Boien-Hofs, der dann von Jakob Frauen
übernommen wurde. Heinrich G. und Katharina H. Feil lebten auf
dem Hofplatz des späteren Hofs von Heinrich L. Feil.
oo am
20.1.1893 mit Heinrich Gottlieb Feil (28.2.1865−16.6.1940), Sohn
des Hofbesitzers Peter Nikolaus Feil (8.3.1821−18.7.1874) und der Maria Mathilde
Petersen (22.9.1829−20.1.1919) im
Brunsbüttelkoog
Kinder
1. Boy Peter (24.7.1895−3.1.1933), mein
Großvater, oo mit Leopoldine Maria Lorenzen (16.9.1898−6.5.1973), Tochter des Bauern
Leopold Lorenzen (15.1.1859−23.8.1898) und
der Maria Christina Steenholdt (15.4.1872−5.12.1927) aus Lexgaard in
Nordfriesland
2. Erich Johannes
(25.3.1898−8.4.1902)
3. Marie Hermine (15.8.1900−20.5.1930), starb
unverheiratet und kinderlos
Hof: Ich suche
noch nach Daten.
Zeit: Der von
1887−1895 erbaute Nordostseekanal
(ursprünglich Kaiser-Wilhelm-Kanal genannt) zerschnitt die
Bauerschaft Ostermoor. Unter Reichskanzler Caprivi wurden die
unter Bismarck eingeführten Schutzzölle
auf Getreide wieder abgebaut. Brunsbüttelkoog-Süd erhielt am
1.5.1893 einen Eisenbahnanschluß, Ostermoor einen Haltepunkt.
Ein einschneidendes politisches Ereignis war natürlich der 1.
Weltkrieg (1914−1918), an dem
mein Großvater als Soldat in Frankreich teilnahm.
XII. Daniel Hermann Boje (21.2.1837−29.9.1897). Daniel Hermann Boje wuchs
als Halbwaise auf und bewirtschaftete den gesamten Boien-Hof. Er lebte auf dem Hofplatz
des späteren Hofs von Heinrich L. Feil, als Rentner bei seinem
Sohn Johannes N. Boie an der Fährstraße auf dem späteren
Frauen-Hof.
oo am 3.5.1865 mit Wiebcke Horn (23.3.1840−),
Tochter des Hausmanns Hans Horn (13.7.1801−12.8.1868)
und der Anna Margaretha Sachau (12.4.1813−27.9.1889) aus Averfleth.
Kinder
1. Peter Wilhelm (4.3.1866−6.12.1892), oo am
25.10.1892 mit Albertine Margarethe Lau (14.3.1873−) aus Nordbüttel, starb
ohne Nachkommen kurz nach der Hochzeit. Peter W. Boie besaß den
Nordteil des väterlichen Hofs (später Hof von Heinrich G. Feil)
2. Anna Margaretha (29.5.1867−3.8.1872)
3. Johannes Nikolaus (18.1.1869−5.2.1934), starb
unverheiratet und ohne legitime Nachkommen. Er besaß den Südteil
des väterlichen Hofs (später Hof von Jakob Frauen).
4. Katharina Helene (26.11.1870−12.10.1932), meine Urgroßmutter, mehr
über sie oben
5. Hermann Ludolf (30.3.1876−24.12.1877)
Hof: Daniel Hermann kaufte
den Hof laut Vertrag
vom
5. April 1865 von seiner Mutter Katharina Magdalena Boie
geb. Peters. Dieser umfasste damals 27.8 M.S (37.3 ha), Catharina Magdalena
behielt 2 S im Moor nördlich der Dorfstraße.
Um etwa 1890
teilte Daniel Hermann seinen Hof zwischen seinen beiden Söhnen
auf, wobei Peter Wilhelm das Land nördlich der Landstraße (später
B5) und Johannes Nikolaus die südlich der Landstraße belegenen
Flächen erhielt. Noch zu Daniel Hermann Lebzeiten verstarb jedoch
der ältere der beiden Brüder nur 4 Wochen nach seiner Hochzeit mit
Albertine Margarethe Lau. Der nun vakante Hof wurde vom Erben
Johannes Nikolaus Boie zunächst wohl an seinen Schwager Heinrich
Gottlieb Feil verpachtet, dann um 1900 verkauft.
Zeit: 1848−1851
fand
der Schleswig-Holsteinische
Krieg statt, 1864 der Deutsch-Dänische
Krieg. Nach dem letzteren Krieg fiel Holstein mit
Dithmarschen zunächst an Österreich, wurde 1866 jedoch Preußen
einverleibt. Preußen wiederum wurde 1866 Mitglied des Norddeutschen
Bundes und ging nach dem Deutsch-Französischem
Krieg
von 1870/71 im neu gegründeten Deutschen Reich auf. Die
Reichsgründung beflügelte zunächst die deutsche Wirtschaft, 1873
kam es jedoch einer schweren Wirtschaftskrise. Der Import von
billigem amerikanischen und russischen Getreide begann die
deutschen Produzenten zu bedrohen, worauf Reichskanzler Bismarck
1878/79 Schutzzölle
für Getreide einführte.
Am 1.11.1878 wurde die Eisenbahnstrecke von Altona nach Itzehoe
nach Heide verlängert, wobei von Ostermoor aus gesehen die
nächsten Bahnhöfe in St. Margarethen, Taterpfahl und
Eddelak lagen. Die
bessere Verkehrsinfrastruktur und Fortschritte in der
Agrarkulturchemie (Justus
Liebig) ermöglichten den Einsatz von Handelsdüngern
(Chilesalpeter, Guano, Superphosphat) und erleichterten den
Transport von Nahrungsmitteln in die Städte. Zwischen 1873 und
1913 stieg die Agrarproduktion in Deutschland um 90%. Insgesamt lebte Daniel
Hermann Boje in einer für die Landwirtschaft günstigen Zeit.
XI.
Peter Boje (11.2.1813−30.5.1844).
Peter
und und seine Ehefrau Catharina Magdalena Boje waren die
Begründer eines neuen Bojen-Hofs in der ehemaligen Bauerschaft
Ostermoor. Sie lebten auf der Hofplatz des späteren Hofs von
Heinrich L. Feil. Nach Peter's frühem Tod war seine Witwe für 21 Jahre
Eigentümerin des gesamten Hofs.
oo am 30.1.1834 mit Catharina Magdalena Peters
(13.4.1817−14.12.1882), Tochter des Hofbesitzers
Daniel Peters (16.11.1796−10.11.1890) und der
Margaretha Meinert (7.8.1793−1876) aus Westerbüttel.
Kinder
1. Johann Hinrich
(6.8.1835−?). Er wäre normalerweise
wohl Hoferbe geworden, hatte aber keinerlei Interesse an der
Landwirtschaft. Der Überlieferung nach verließ er den
elterlichen Hof bereits in jungen Jahren und wurde Kapitän. Er
soll mit einer Hamburgerin eine Ehe geschlossenen haben, die
kinderlos blieb, wohingegen Kinder aus einer Beziehung zu einer
Chilenin hervorgingen. Er soll in Valparaiso/Chile
gestorben sein, was vor 1898 geschehen sein dürfte.
2. Daniel Hermann (21.2.1837−29.9.1897).
Mein
Vorfahr, mehr über ihn oben
Peter Bojes Grabstein ist
noch erhalten, man findet ihn in der Nähe des Eingangs zum
Friedhof von Brunsbüttel-Ort (linkes Bild).

Grabstein
von
Peter
Boie
Grabstein
von Nicolaus/Nicholas Boie, dem Bruder von Peter Boie
Friedhof
Brunsbüttel-Ort
Friedhof
New Holstein/Calumet County/Wisconsin
© bfeil
© Barbara
Bradley
Petura
Hof: Schon als Minderjähriger wurde Peter Boje Eigentümer eines
ca. 50 M großen Hofs in der Lehe, den er im Jahre 1829 von
seinem Großvater Wilcken Boye III erwarb (siehe Kaufvertrag). Wilcken Boye III hatte
diesen Hof kurz zuvor (1828) von Hans Boie, dem Sohn und
einzigen Nachkommen von Wilkens Bruders Peter Boie, ererbt. Wann
und an wen Peter diesen Hof wieder abgab, vermag ich im Moment
nicht zu sagen.
1834 kauften Peter Boie und seine Ehefrau ihren späteren Hof im
Neuen Koog von der Schwiegermutter Margaretha Peters geb.
Meinert, wohnhaft in Westerbüttel. Diese Ländereien befanden
sich ursprünglich im Besitz des Ostermoorer
Müllers
Peter Meinert. Den größeren und qualitativ besseren Teil des Hofes
hatte Meinert im Jahre 1802 von Catharina Boie geb. Peters (15.11.1781−10.1.1830) erworben. Diese hatte ihn als Minderjährige von
ihrem Vater Marx
Peters (21.1.1726−21.3.1788) ererbt. Peter Meinert verkaufte
seinen Hof im Jahre 1819 an seine Tochter Margaretha (1793−1876), die mit Daniel
Peters (1796−1890) in Westerbüttel verheiratet
war. Margaretha Peters geb. Meinert verkaufte ihre Ländereien am 2.10.1834 ihrer Tochter Katharina
Magdalene und deren Ehemann Peter Boje.
Bei der Volkszählung 1835 lebten außerdem noch auf dem
Hof: Hinrich Wittrock (24 Jahre), Jürgen Stange (21), Joh. Jac.
V. Hemm (18), Cath. Marg. v. ??? (22), Cath. Elsabe Mayer (21).
1840: Margaretha
Siedenburg (19 Jahre), Johann Hahnkamm (18), Anna Gesche
Krumfuss (21), Antje Bunge (17). 1845: Hermann Thiessen (20), Johann
Monsen (18), Antje Suhr (21) und der Tagelöhner Martin Ahsbachs
(21). Alle genannten Personen waren Dienstboten.
Zeit: Peter Boje lebte
während der Romantik,
wie die zeitypische Darstellung eines Schmetterlings an der
Spitze seines Grabsteins erkennen lässt. Ich vermute, dass der
Grabstein die Abfolge von Geburt (Taufbecken unten), Tod
(Inschrift in der Mitte) und Wiederauferstehung (Schmetterling
oben) darstellt. Die 1820er Jahre waren für die Landwirtschaft
extrem schwierigen 1820er Jahre waren die Getreidepreise wieder
auf ein auskömmliches Niveau gestiegen, wobei es um 1835
allerdings wieder Rückschläge gab. Begünstigt wurde diese
Entwicklung durch den Export von landwirtschaftlichen Produkten
aus den Herzogtümern nach England. Die Frühindustrialisierung
war das Zeitalter des Pauperismus,
der Massenarmut auf dem Lande, als deren Hauptursache das starke
Bevölkerungswachstum angenommen werden muss.
X.
Johann Boie (12.2.1785−20.11.1830). Johann Boie war von 1814
bis zu seinem Tode Besitzer des väterlichen Hofs. Dieser befand
sich am Landweg in der Nähe des Koogswegs und wurde 1831 vom
Landesgevollmächtigten Marten Feil II gekauft. Um 1821 war Johann
Boie Deichgraf.
oo seit 9.9.1810 mit Gesche Kröger (24.9.1791−3.7.1828),
Tochter
des in Westerbüttel gebürtigen Hausmann Peter Kröger (3.10.1752−18.12.1813) und der Silje
Claßen (17.6.1764−19.5.1799) wohnhaft im "Neuen Koog am Deich"
voreheliches Kind mit Anna Malena Moritz aus Ostermoor,
Tochter des Hans Michel Moritz und der Silie Hesebeck, oo am
13.10.1804 mit Johann Fritz
- Telsche (6.2.1803−19.6.1735), oo am 12.10.1823
mit dem Arbeitsmann Marten Frank (+9.12.1838), Sohn des Tews und
der Margarethe Frank auf Blangenmoor; 2 Söhne, 2 Töchter
Kinder mit Gesche Kröger
1. Telsche (19.7.1811−25.12.1814)
2. Peter (11.2.1813−30.5.1844),
mein
Vorfahr, mehr über ihn oben
3. Telsche (22.1.1815−10.3.1818)
4. Wilken
(24.7.1817−23.6.1892), oo am 8.12.1840
mit Anna Margretha Schomaker (11.11.1829−23.2.1895), Tochter des
Hausmanns Barteld Schomaker (2.9.1772−5.1.1855) und der Margaretha
Kruthoff (13.4.1786−19.10.1876) aus Behmhusen.
Er erwarb 1844 den ehemaligen Hof von Peter Lau in Eddelaker Diekshörn,
verkaufte diesen aber 1856 wieder und ging nach Westerbüttel
(Gehrts, CE 77ff).
Kinder
- Anna Mathilde (21.6.1846−)
- Margaretha Sophia (10.2.1848−)
- Peter Nicolaus (10.5.1853−8.5.1899), Hofbesitzer in Westerbüttel, unverheiratet
- Gesche Margaretha (14.5.1853−), oo am 25.2.1882
mit dem Landwirt Theodor Mohr (19.6.1852−) aus Wellinghusen in Norderdithmarschen
- Catharina Amalia (22.12.1855−)
- Caroline Magdalena (3.8.1858−)
5. Johann (26.4.1819−), oo1 am 26.4.1839 mit
Margarethe Lau (+13.8.1850), Tochter des Hausmanns Hinrich Lau und
der Magdalena Thießen in Behmhusen; oo2 am 13.9.1851 mit Telsche
Lau, Schwester der ersten Ehefrau. Johann war Hausmann in
Rösthusen. Er und sein Bruder Nicolaus nahmen am 1.
Schleswig-Holsteinischen
Krieg teil
Kinder mit
Margarethe Lau
- Johann (20.11.1839−22.10.1899), geb. in
Behmhusen, Hofbesitzer in der Lehe, oo am 8.12.1860 mit
Catharina Magdalena Hinrichs, Tochter des Claus Hinrichs in der Lehe, 4 Kinder
(2 Söhne, 2 Töchter)
- Sophie
Magdalena (22.1.1850−27.3.1933), geb. in
Rösthusen, oo am 14.3.1876 mit Martin Detlef Sanny (16.4.1851−13.4.1925)
aus Rösthusen, Kätner und Bauer in Brokdorf; 9 Kinder, von denen
3 früh starben
Kinder mit Telsche Lau
- Peter Hinrich (7.4.1752−21.4.1859)
- Gesche Magdalena (19.2.1854−)
- Hermann (20.2.1854−22.2.1854)
6. Niclas ("Nicolaus") (5.7.1821−10.11.1909), oo am 7.12.1850
mit Cecilie
Tonner (2.12.1830−17.3.1910), Tochter des
Claus Tonner und der Margarethe Suhr in Wewelsfleth. Niclas
(im
Kirchenbuch) alias Nicolaus alias Nicholas (in den USA)
wanderte 1854 mit seiner Ehefrau sowie der kleinen, noch im
Neuen Koog geborenen Tochter Gesche (in den USA Elise genannt)
in die USA aus und hatte dort 12 Kinder, von denen neun ihre
Eltern überlebten. Nicholas Boie wurde zusammen mit seiner Frau
auf dem Friedhof von New Holstein in Wisconsin beerdigt (Bild
seines Grabsteins siehe oben). Auf demselben Friedhof findet man das Grab
von Hans
Jacob
Westphalen, einem Enkel von Hans Boie, dem älteren Bruder
von Wilcken Boie III. Dies ist natürlich kein Zufall!
Kinder
- Gesche
Elisabeth "Elise" (24.11.1850−27.3.1919), oo mit dem
Farmer, Gastronomen und Postmeister Ferdinand E. Hachez
(10.4.1848−25.10.1933) in
New Holstein/WI, 9 Kinder
- Johann (11.3.1855−), starb früh
- Henry
(20.1.1857−2.3.1916), blieb unverheiratet, baute Eisenbahnen im
Nordwesten der USA und in Kanada, beerdigt in New Holstein/WI
- Wilhelm
(4.4.1859−26.1.1862)
- John
N.
Boie (?.6.1860−1943), oo mit Helene Greve (24.10.1859−16.12.1894) in
Thorp, Clark County/WI, 4 Kinder
- Mathilda
A. "Tillie Agnes" (3.3.1862−22.7.1916), oo mit dem
Hotelier Charles F. Sebelien (1859−1952) in
Milwaukee/WI, Ouray/CO und Calumet County/WI, keine Kinder
- William
Edward (1865−16.3.1940), oo mit NN, baute mit an
der Oregon Trunk Railroad, starb in
Deschutes County/OR, mind. 2 Kinder
- Charles
(20.8.1866−20.10.1889)
- Anna
D. "Annie" (1868−23.12.1955), oo mit dem Rechtsanwalt und
Richter Ernest W. Paulsen (24.4.1864−8.5.1900) in
Calumet County/WI, keine Kinder
- Cecelia
Margaret (6.11.1869−23.11.1936), oo mit dem Farmer
Frederick Adolph Matzen (22.12.1864−12.7.1950) in
Calumet County/WI, mind. 2 Söhne
- Lina
S. (1871−21.6.1924), oo mit dem Farmer und Gastronomen J.
August Hansen (29.7.1867−1944), lebte in
British Columbia und Calumet County/WI, 1 Sohn
- Wilhelmine "Minnie C." (+13.11.1952), oo am 7.6.1899 mit dem
Eisenwarenhändler Albert Arps (24.9.1874−13.10.1957) in
Ouray/CO und Denver/CO, 1 Sohn
7. Hinrich Detlef (8.3.1823−17.12.1827)
8. Hans (6.10.1824−23.8.1841), lebte als Waise bei
seiner Cousine zweiten Grades Margaretha (Tochter des Großonkels
Hans Boie) und deren Ehemann Micheel Paulsen in Behmhusen. Micheel
Paulsen war sein Vormund. Hans starb an "Nervenfieber" (= Typhus)
Noch in meiner Kindheit
befand sich an den Wänden eines Zimmers auf dem Boden des Hofs von
Heinrich L. Feil "klassizistisches Stubengetäfel" (Johnsen in BHS 223). Laut Johnsen könnte
es anläßlich der Hochzeit von
Johann Boie mit Gesche Kröger (1810) beschafft worden sein. Ihm
war offenbar nicht bekannt, dass dieser Hof um 1810 gar kein
Boien-Hof war und Johann Boie weder damals noch später auf diesem
Hof lebte. Wenn das Stubengetäfel tatsächlich um 1810 angefertigt
wurde, wie Johnsen meint, dürfte es der damalige Hofbesitzer Peter
Meinert in Auftrag gegeben haben. Erst als Peter Boie (1813−1844)
den
ehemaligen Meinert'schen Hof kaufte, gelangte das Stubengetäfel in
den Besitz der Boien.

Klassizistisches
Stubengetäfel,
hergestellt
von Meister Johannsen (1756−1821) aus
Eddelak um 1810 (BHS 223). Jürgen Johannsen war der
Schwiegersohn von Hans Boie, dem Onkel von Johann Boie und
Bruder von Wilcken Boie III. Links: Zwei Alkoven; im linken
schlief der Mann, im rechten die Frau. Das mittlere Bild zeigt
stiltypische Ornamente, das rechte einen Schreibtisch und - in
der linken Ecke - ein verglastes Innenfenster, durch das der
Bauer auf die Diele oder in den Stall schauen konnte, ohne das
Wohnzimmer zu verlassen. © sfeil
Hof:
Johann
Boie kaufte im Jahre 1815 den Hof seines Vaters Wilcken Boie III,
welcher damals gut 31 M umfasste. Davon waren 20.11 M.S Land
erster Klasse und 9.18 M.S Land zweiter Klasse; 10 bzw. 12 S waren
als dritt- und viertklassig eingestuft. Offenbar war Johann Boie
bei seinem Ableben im Jahre 1830 nahezu bankrott. Ein Jahr später
kaufte der Landesgevollmächtigte Marten Feil II den Hof, welcher
zu diesem Zeitpunkt 31.3.32.6⅞ M.S.R.F. umfasste, aus der
Konkursmasse. Die zahlreichen Söhne dürften somit keinen Erbteil
erhalten haben.
Zeit: In Johann Boies Zeit als Jungbauer fällt die Kontinentalsperre
(1806−1814), mit der Napoleon versuchte, der britischen
Wirtschaft Schaden zuzufügen. Gegen
Ende der Napoleonischen
Kriege quartierten sich im so
genannten Kosakenwinter
von 1813/14 Kosaken in Schleswig und
Holstein ein, die wegen ihres fremdländischen Aussehens und ihrer
Sitten allergrößten Eindruck bei den
Einheimischen hinterließen. Auch der Bankrott des Dänischen
Gesamtstaats von 1813 und die daraus resultierende schwere
Belastung der Landwirtschaft speziell in den Herzogtümern
Schleswig und Holstein durch eine Bankhaft
fiel in Johanns Zeit.
1816 brach auf der indonesischen Insel Sumbawa der Vulkan
Tambora aus und verursachte das Jahr ohne
Sommer, steigende Getreidepreise und die Hungersnot von
1817. Die Abkühlung des Weltklimas hielt noch bis 1819 an. Die Jahre von 1820−1830 waren durch eine
schwere Agrarkrise mit sehr niedrigen Getreidepreisen
gekennzeichnet, die zusammen mit der Bankhaft zu zahlreichen
Konkursen führte.
IX. Wilcken Boye III (6.4.1748−22.5.1834). Wilcken Boye III wurde in
Westerbüttel geboren, wohin sich sich sein Großvater Wilcken I
begeben hatte, nachdem die Ostermoorer Feldmark ausgedeicht worden
war. Nach deren Wiedereindeichung im Jahre 1762 konnte Wilcken
Boye II die von seinem Vater Wilcken Boye I übernommenen
Ländereien, welche sich am Landweg in der Nähe des Koogsweges
befanden, wieder wie vor der Wasserzeit nutzen. Wilcken Boye III
lebte seit mindestens 1769 im Neuen Koog, wo er später zum
Koogsgevollmächtigten ernannt wurde.
oo am 23.7.1771 mit Telsche Hinrichs (4.6.1752−2.3.1824),
Tochter
des Hofbesitzers Claus Hinrichs (1720−1786) und der Margaretha
Wolter (1721−1763) aus der Lehe.
Kinder
1. Johann (9.12.1771−12.3.1772)
2. Margret (16.1.1773−2.1.1778)
3. Trienke (9.2.1775−4.4.1775)
4. Claus (9.11.1776−2.9.1841), oo am
16.8.1805 mit Wiebke Ohberg (19.3.1788−14.12.1862),
Tochter des Kätners Christoffer Ohberg und der Margret Tiemann
im Alten Koog. Claus war Hausmann im Neuen Koog und starb
"infolge eines unglücklichen Falls vom Heuboden".
Kinder
- Wilken (21.9.1806−8.1.1871), blieb
unverheiratet, lebte bei der Volkszählung 1840 als "Mietmann mit
kleinem Gewese" im Neuen Koog
-
Peter (12.11.1811−15.2.1900), Hausmann
in Westerdeich, oo1 am 21.10.1837 mit Maria Cathrina Kröhncke (18.1.1818−19.1.1855), Tochter des
Hausmanns Hinrich Kröhncke und der Magdalena Schlöe "bei der
Plaatenrönne", bei ihrem Tod lebten noch 3 Kinder; oo2 am
6.11.1855 mit Margaretha Frauen (4.9.1830−4.11.1920), Tochter des Kätners Tewes Frauen und
der Cäcilie Gutknecht in Auenbüttel.
- Johann (11.2.1816−8.7.1816)
- Anna Margaretha (10.4.1821−23.12.1898), blieb unverheiratet, lebte bei der
Volkszählung von 1840 und auch bei dessen Tode bei ihrem Bruder
Wilken
5. Wilken (23.8.1778−15.3.1821),
unverheiratet, keine Kinder, war laut
Hofüberlassungsvertrag von 1815 "blödsinnig"
6. Margret
(18.1.1780−18.1.1816), oo am
7.11.1800 mit Wilken Wilkens (12.5.1774−) im
Altenkoog, Sohn des Kätners Dierk Wilkens und der Gesche Lau in
Ostermoor
Kinder
- Dierck (13.10.1801−1.2.1831), oo am 21.2.1824 mit Cathrina
Reimers, Tochter des Hans und der Margreth Reimers auf dem
Ostermoor, von 3 Töchtern überlebt
7. Cathrina (7.4.1782−20.6.1807), oo am
12.5.1801 mit dem Hausmann Hinrich Martens (5.11.1773−6.4.1843) im Neuen Koog, Sohn des
Hausmanns Peter Martens und der Christina Lauken
Kinder
-
Christina (6.5.1802−), oo am 1.3.1826 mit Johann
Severin (15.6.1794−), Sohn des Hausmanns Johann
Severin und der Christine Kohlsaat in Ostermoor
8. Johann (12.2.1785−20.11.1830),
mein
Vorfahr − mehr über ihn oben
Wilcken Boye III und sein
Bruder Hans waren mit Schwestern (Telsche und Magdalene Hinrichs)
verheiratet.
Durch die Ehe mit Margaretha Wolter kam der Schwiegervater
von Wilcken Boye III, Claus Hinrichs, zu einigem Wohlstand (im
Detail dargestellt von W. Johnsen in BHS 312 ff). 1775 ließ sich
Claus Hinrichs vom Eddelaker Tischler und Zimmermann Claus
Johannsen (1713−1781) in der Lehe ein
neues Bauernhaus errichten. Dieses wurde 1919 abgebaut, in
Poßfeld bei Wilster wieder aufgestellt und in neuerer Zeit
liebevoll restauriert. Das Bild zeigt die Inschrift über dem
Dielentor, wobei S.F. "Selige Frau" bedeutet, denn Margaretha
war bereits 1763 verstorben.
© bfeil
Wilcken Boyes Grabstein existiert noch. Wilcken ließ den
repräsentativen Spätrenaissance-Grabstein, der ursprünglich auf dem Grab des Boien Peter
Majeur stand, zu eigenem Gebrauch herrrichten und bereits 1798 im
Alter von 50 Jahren aufstellen - er rechnete offenbar mit seinem
alsbaldigen Ableben. Daher haben die dargestellten Wappen und
Motive keinen Bezug zum Leben und der Profession des Wilcken Boye
III. Der Grabstein ziert heute den Eingang des Friedhofs in Brunsbüttel-Ort.
Grabstein von
Wilken Boie III © bfeil
Hof: Im
Jahre 1771 kaufte er etwas Land von seinem Vater Wilcken Boye
II im Neuen Kooge. Bei der Übergabe an seinen Sohn Johann im
Jahre 1815 war der Hof gut 31 M groß. Neben den Ländereien im
Neuen Koog besaß Wilcken Boye für kurze Zeit (1828/29) noch
einen ca. 50 M großen Hof in der Lehe, welchen er von seinem
Neffen Hans Boie (+1828) ererbt hatte. Diesen verkaufte er
1829 an seinen noch minderjährigen Enkel Peter Boie (siehe Kaufvertrag).
Bei
der Volkszählung von 1803 lebten diese Dienstboten auf dem Hof im Neuen Koog: Claus
Wittrock (23 Jahre alt), Wiebke Garbohms (19), Trienke Schlefien
(20).
Zeit: Über
viele Jahrzehnte waren die Bedingungen für die Landwirtschaft
günstig gewesen. Die am 21.12.1806 von Napoleon verhängte Kontinentalsperre
löste nach einer durch Schmuggel bewirkten Scheinblüte jedoch eine
schwere wirtschaftliche Depression in den Herzogtümern aus.
Landwirtschaftliche Produkte konnten nun nicht mehr nach
Großbritannien ausgeführt werden, auch der Skandinavienhandel kam
zum Erliegen. Ab 1811 durften keine Waren mehr in Richtung Süden
exportiert werden, wodurch sich die Probleme weiter verschärften.
Die wirtschaftlichen Turbulenzen und die Kriegslasten mündeten in
einen Bankrott
des
dänischen Gesamtstaats, der am 5.1.1813
erklärt
wurde. Es wurde eine Zwangsanleihe von
6% auf jeglichen Immobienbesitz verordnet, die entweder sofort
bezahlt werden musste oder über gut 30 Jahre mit 6½% verzinst
wurde (Bankhaft).
Während
die Bauern hierzulande
jahrzehntelang
unter der Zwangsanleihe litten, wurde den dänischen Bauern 5/6 der Schuld erlassen.
Dies schadete natürlich dem Ansehen des Dänischen Gesamtstaats und
des Dänischen Königs.
VIII. Wilcken Boye II (2.8.1711−30.5.1793). Wilcken Boye II wurde zwar auf dem
väterlichen Hof in Ostermoor geboren, musste die Bauerschaft aber
aufgrund der Sturmflutserie von 1717 bis
1720/21 verlassen
und
lebte fortan in Westerbüttel, wo er auch starb. Er war der einzige Sohn,
der seinen Vater Wilcken I überlebte.
oo seit 6.6.1741 mit Cathrin ("Trinke") Lau (9.9.1725−7.1.1780),
Tochter
des Hans Lau (5.5.1696−22.4.1752) und der Trinke
Petersen aus Behmhusen.
Kinder
1. Johann (1.2.1744−)
2. Hans (20.11.1745−17.7.1808),
oo
am 6.10.1767 mit Magdalena ("Malene") Hinrichs (22.3.1748−30.4.1820)
aus
der Lehe, Tochter des Hausmanns Claus Hinrichs und der
Margaretha Wolter. Hans übernahm den väterlichen Hof in
Westerbüttel; er warb um seine Braut mit einem Vortrag
und galt als ein "altgäubiger, dem Rationalismus abgeneigter
Christ" (BHS 376).
Kinder
(Daten müssen noch überprüft und ergänzt werden)
- Catharina (7.11.1768−8.2.1832), oo am 21.12.1787 mit dem Tischler- und
Zimmermeister Jürgen Johannsen (1.4.1756−27.11.1821) in Eddelak, von 3 Kindern (1 Tochter,
2 Söhne) überlebt
- Claus (17.5.1770−2.11.1836), lebte bei
seiner Mutter, war nach deren Tod "Kostgänger bei seinem
Schwager Claus Hueß", unverheiratet
- Margrethe (22.7.1772−16.9.1772.)
- Wilken (11.7.1773−13.4.1784.)
- Margaretha (11.5.1775−26.1.1846), oo1 am
13.4.1798 mit Johann Ellerbrock (ca. Jan 1774−26.10.1802), Sohn des
Hausmanns Hans Ellerbrock und der Maria Elisabeth Winter in der
Lehe; oo2 mit Claus Ohlhues (17.5.1763−27.10.1813), Sohn des Johann Ohlhues und der
Maria Catharina Knicken, oo3 mit dem Landesgevollmächtigten
Micheel Paulsen (18.5.1792−5.12.1863), Sohn des Karsten Paulsen und der
Dorothea Dührsen in Behmhusen. Alle Ehemänner waren Krugwirt und
Gewürzhändler in Eddelak, Micheel Paulsen später Hofbesitzer in
Behmhusen.
- Johann
(22.7.1777−29.3.1792.)
- Peter (25.7.1779−20.11.1812), oo am
1.7.1797 mit Catharina
Peters (15.11.1781−10.1.1830), keine
Kinder, lebte zuerst im Neuen Koog, dann in Westerbüttel, wo er
1801 den Hof von Johann Süelsen kaufte
- Anna (18.2.1782−), oo1 am 26.3.1802
mit dem Witwer Johann Westphalen (23.10.1773−25.3.1811),
Sohn des Hausmanns Hinrich Westphalen und der Catharina Reimers
aus Brokdorf in Ostermoor, Schullehrer in Westerbüttel, 2 Söhne
von denen 1 (Hans
Jacob) in die USA auswanderte; oo2 am 5.4.1812 mit dem
Müller Claus Hueß (1772−6.10.1842) in
Eddelak, Sohn des Franz Hueß auf dem Kämmererfelde und der Stine
Malen Jacobsen aus Rösthusen, 4 Kinder
- Tilsche (18.2.1782−22.6.1782.)
- Hans (25.3.1784−), oo1 mit Magdalena
Wacker, 2 Kinder; oo2 am 26.10.1823 mit Höbcke Suhrwien, Tochter
des Johann Suhrwien und der Friederike Wagner von Friedrichshof,
2 Kinder. Hans lebte in Eddelak.
- Wilken (1786−13.3.1833), oo mit
der Witwe seines Bruders Peter Catharina
Boie,
geb. Peters (15.11.1781−10.1.1830),
"ein angesehener und beliebter, sehr kirchlicher und frommer
Hausmann", 3 Kinder. Von Wilken Boie ist ein Gedicht
überliefert
- Tilsche (6.1.1789−19.1.1855.), oo am
18.6.1813 mit dem Landesgevollmächtigten Hans Peters
(+24.5.1854), Sohn des Johann Peters und der Antje Hanßen,
Hausmann in Diekhusen, hinterließ 4 Kinder
Bei der Volkszählung 1803 lebten diese Kinder auf dem Hof von
Hans Boie: Claus, Hans, Wilken, Telsche.
3. Wilcken III (6.4.1748−22.5.1834),
mein
Vorfahr - mehr über ihn oben
4. Peter (5.8.1752−18.5.1814), oo am 21.7.1780 mit
Telsche Ellerbrock (ca. 1764−) aus der Lehe, Tochter des
Hausmanns Hans Ellerbrock und der Anna Beata Schomacker (verw.
Paulsen), war bei seinem Tode Besitzer des väterlichen Hofs in
Westerbüttel und des schwiegerväterlichen Hofs in der Lehe. Peter
Boie war Kirchspiel- und Bauerschaftgevollmächtigter
Kinder
- Hans (30.7.1788−21.3.1828),
übernahm
den elterlichen Hof in der Lehe und vererbte diesen an seinen
Onkel Wilcken Boie III, der
ihn alsbald an seinen noch minderjährigen Enkel Peter Boie verkaufte. Hans soll von
normaler Intelligenz gewesen sein, wirkte aber durch seine kaum
verständliche Sprache und seine "Albernheit" merkwürdig
5. Telsche (24.12.1757−2.4.1816), oo am 6.10.1775
mit Boie Ackermann (6.10.1755−22.2.1820), Hausmann in
Nordorf, starb im Neuenkoogshafen, Sohn des Hausmanns Harm
Ackermann und der Antje Fick aus Westerbüttel
Kinder
- Antje
(28.3.1777−), oo mit Hans
Jacob Thomsen
6. Johann (6.10.1759−24.10.1759)
Hof: Die Ostermoorer
Ländereien der Boien waren 1721 ausgedeicht worden, wurden aber
sicherlich so gut wie es ging weiter bewirtschaftet. Man könnte
annehmen, dass im Außendeichland Rinder und Schafe weideten und
Heu gemacht wurde. Jedoch findet sich in der Kirchspielchronik von
St. Margarethen (CSM 317ff) eine Passage, die beweist, dass 1751
im Außendeich auch Korn angebaut wurde. Nach der
Wiedereindeichung, Stichtag 27.4.1764, umfasste der Besitz von
Wilcken Boye II im Neuen Kooge 20.4.16.3⅝ M.S.R.F (LAS 102 Ksp.
Brunsbüttel 327), am 31.10.1764 etwas mehr, nämlich 22.7 M.S.
Am 26.12.1766 kaufte er der
Überlieferung nach einen Hof von Peter Suhr, "reichlich 16 M groß,
für 7084,80 Mark", in Westerbüttel gelegen. 1771 verkaufte er den
väterlichen Hof in der nun wieder eingedeichten Ostermoorer
Feldmark an seinen Sohn Wilcken Boye III.
Zeit: 1712 also mitten im Nordischen Krieg, wütete die Beulenpest
in Ostermoor. Wilcken Boye erlebte als Kind die verherenden
Sturmfluten von 1717 (Weihnachtsflut), 1718 (Eisflut) und 1720/21
(Neujahrsflut). Da der Elbdeich nicht wiederhergestellt werden
konnte, mussten ca. 1000 ha Land, darunter die Höfe von Wilcken
Boye I und seinem Bruder Johann Boye d.J., ausgedeicht werden.
Die Weihnachtsflut
von
1717 forderte insgesamt 11150 Menschenleben an den
niederländischen, deutschen und dänischen Nordseeküsten, davon 173
im Kirchspiel Brunsbüttel
Einige Begebenheiten in der damaligen Zeit (CUL 23ff). Das
Tütermoor grenzte an Ostermoor, der in CUL mehrfach erwähnte
Hinrich Vollstede (20.9.1682−begr. 22.3.1722) war ein Bruder von Becke Boye
und somit ein Schwager von Wilcken Boye I:
"§ 68. Da bey St. Margarethen
das sogenannte Tüter=Mohr mit denen darauf stehenden 5 Häusern
von Grund aus wegtrieb, ..., ist ein Mann mit Namen Melchert
Ramm mit seiner Frau und seinem Kinde wunderlich erhalten.
..." "§ 69: Der Ort wo er antrieb, und besitzen blieb,
war die Nord=Büttel=Ducht und in Sonderheit der
Nord=Büttler=Weg, allwo er auch mit seinem Hause, Frau und
einem Kinde, obwol unter tausend Sorgen, wol behalten
angekommen und von Hinrich Vollstede, welcher daselbst
wohnhaft, aufgenommen, beherberget, und nach dessen damaligen
Zustande christlich bewirthet worden." "§ 70: Noch ein Mann
mit Namen Johann Becker, ingleichen ein gewesener Einwohner
auf dem oft gedachten Tüter=Mohr trieb auf einem großen
Mohrbult im bloßen Hembde sitzend, von dem ersten Christtage
an in dem wilden Meerwasser weit und breit herum, bis er
endlich an dem dem dritten Weynacht=Tage von dem vorerwehnten
Hinrich Vollstede in dem Büttel, ..., mit und auf einem
Pferde, fast halb todt ist gerettet und in sein Haus gebracht
worden. Dessen Frau aber und drey Kinder sind ertrunken. Die
Frau ist nach einigen Wochen todt gefunden worden, nicht aber
die Kinder. Der ertrunkene Clas Detlefs, ..., hätte nach
Gottes Willen eine gleiche Rettung haben können, wenn er dem
wohlmeynenden Zuruf des erwehnten Hinrich Vollsteds hätte
folgen wollen oder können, daß, sobald er Johann Becker nach
Hause gebracht, ihn auch abholen wollte; da er aber nicht so
lange warten können oder wollen, ist er, da er dem Wasser
entgehen wollen, in einen Graben gekommen und ertrunken."
Nach einer
längeren ruhigen Periode traten wieder gefährliche Sturmfluten
auf. Erwähnenswert sind insbesondere die Sturmfluten vom 12.2.1747
und am 11.9.1751, aber auch am 7.10.1756 lief das Wasser hoch auf.
Erst 1762 wurde die Ostermoorer Feldmark wieder eingedeicht.
1740 waren die Kornpreise aufgrund des harten Winters 1739/40 so
hoch, dass sich die Menschen gezwungen sahen, erstmals die zuvor
nur als Viehfutter genutzten Kartoffeln zu essen (EH, S. 25).
VII. Wilcken Boye I (14.9.1670−29.11.1747). Wilcken Boye I und sein
Bruder Johann d.J. (1666−1734) waren bereits Hofbesitzer, als sie laut mündlicher
Überlieferung im Jahre 1698 den Hof ihrer Eltern von ihren
Geschwistern kauften. Dieser befand sich in Ostermoor am Landweg
in der Nähe des Koogswegs. Wilcken Boye war um 1700 der größte
Landbesitzer in der Bauerschaft Ostermoor. Er musste Ostermoor
nach der Weihnachtsflut von 1717 oder spätestens nach der fast
vollständigen Ausdeichung der Bauerschaft (1721) jedoch verlassen
und siedelte sich spätestens im September 1723 in Westerbüttel an,
wo er auch starb. Er war wie sein Bruder Johann zeitweise im
Vorstand der Armenkiste des Kirchspiels Brunsbüttel.
Wilcken I soll
neun Kinder gehabt haben (KB-SR Edd 1747) . Alle ehelichen Kinder
wurden in Ostermoor geboren.
oo1 seit 1696 mit Anna ("Antje")
Hinrichs (+1705), Witwe des
Ostermoorers Hinrich Hinrichs, welcher ein Sohn von Wilckens
Schwester war. Daher war ein Dispens des Königs erforderlich,
obwohl offenbar keine Blutsverwandtschaft vorlag. Der Dispens
wurde am 10.9.1695 erteilt. Antje war wohl die Tochter eines
"Tewes". Als Eltern infrage kommen Tewes Tewes und dessen Ehefrau
Lencke.
Kinder
1. Johann (19.10.1696−20.11.1729), lebte in der
Lehe, oo am 10.7.1722 mit Trincke Claßen (14.10.1702−9.4.1776),
Tochter
des Claus Peters, Landesgevollmächtigter in der
Lehe. Die Witwe heiratete am
31.1.1732 den Landesgevollmächtigten Peter Boie auf der
Josenburg, also den Cousin ihres ersten Mannes.
Kinder
- Wilcken
(16.9.1723−11.4.1731)
- Lehncke (24.9.1725−29.11.1725)
- Claus (15.11.1726−19.3.1731)
- Johann (18.3.1729−6.4.1731)
2.
Tewes (1698/1701−>26.4.1725), oo mit NN
3. Telsche (1698/1701−2.7.1741), oo nach dem 12.3.1719 mit
Claus Reimers (1699−30.12.1771),
Hausmann in Ostermoor (siehe auch BHS, 236)
Kinder
- Antje (31.5.1723−)
4. Claus (get. 3.3.1702−5.4.1737), lebte in
Behmhusen ("Claus Boye im Westen"), oo am 23.5.1727 mit Margaretha
Boyen (24.3.1699−20.1.1771),Tochter des
Carstens Peters Boye (get. 28.6.1669−6.2.1736) und der Lencke
Carsten (geb. im Kirchspiel Brunsbüttel, +2.1.1733) in
Westerbüttel. Die Witwe heiratete am 9.5.1741 Jacob
Siemsen aus Behmhusen, den Sohn des Peter Siemsen, dem
Schwiegervater des Boie Boie (Kind #6)
Kinder
- Wilcken
(9.2.1728−7.5.1728)
- Boje (12.7.1729−25.4.1784), oo am 8.5.1772 mit Margarethe Rafen
(27.2.1749−nach 1808), Tochter
des Hausmanns Hans Rafen und der Lencke Süelen aus Dingen. Boje
Boje lebte in Behmhusen, bei seinem Tode lebten bis auf eine
(Margretha) von 5 Töchtern noch vier (Magretha, Malena, Antje,
Catharina). Die Witwe heirate am 7.10.1784 Karsten Paulsen (1765−22.9.1796), Hausmann in Behmhusen, Sohn des
Hausmanns Paul Paulsen und der Magdalena Lau. Im Jahre 1800
versteuerte die nunmehrige Margarethe Paulsen 48 Morgen Land
(Hofgeschichte Claus Paulsen in Gerths)
- Antje (get.
21.6.1730−19.11.1788), oo1
mit Peter Sühlsen in Dingen (2 früh verstorbene Kinder), oo2 am
1.8.1764 mit dem Witwer ihrer Schwester Carsten Paulsen (14.7.1736−19.11.1807), Hausmann in Behmhusen, Sohn des Kirchspielgevollmächtigten Micheel Paulsen
in Behmhusen, keine Kinder
- Malene
(27.8.1731−14.12.1731)
- Malen
(31.5.1733−17.12.1733)
-
Wilcken (15.6.1734−7.9.1734)
- Margaretha
(24.11.1735−13.5.1763), oo am
18.5.1762 mit Carsten Paulsen (14.7.1736−19.11.1807),
Hausmann in Behmhusen, Sohn des Kirchspielgevollmächtigten
Micheel Paulsen in Behmhusen, keine Kinder
5. Ties (11.7.1703−13.11.1747), lebte in
Westerbüttel, oo am 19.5.1730 mit Antje Boien (14.11.1703−3.4.1740),
Tochter des Carstens Peters Boye (get. 28.6.1669−6.2.1736)
und
der Lencke Carsten (geb. im Kirchspiel
Brunsbüttel, +2.1.1733) in Westerbüttel. Er "diente dem hiesigen Kirchspiel
[Eddelak] als
Baumeister, Deichgraf und Bauerschaftsgevollmächtigter".
Kinder
- Antje (11.8.1730−)
- Malen
(30.10.1732−12.1783), oo1 am 21.7.1750 mit dem
Hausmann und Gastgeber Conrad Johannsen (6.9.1723−11.1.1787) in Westerbüttel, Sohn des
Johans Johan (=Johann Johannsen) und der Trincke von Bergen in
Westerbüttel, 8 Kinder, davon überlebten 3 (Trinke, Margareth,
Johann) den Vater
- Wilcken
(12.2.1734−12.4.1784), in Westerbüttel,
oo1 in 1759 mit Anna Lau (16.2.1739−5.11.1775) aus Behmhusen, Tochter des Peter Lau
und der Dorthe Grube (8 Kinder, ihn überlebend Dorthe, Antje,
Malehn), oo2 in 1778 mit Cathrin Margareth Engel aus St.
Michaelisdonn (Tochter Catharina +9.6.1791 war "mit einer
heftigen Epilepsie behaftet")
- Antje
(17.11.1735−6.5.1763), oo am
9.4.1754 mit Peter Severin (14.4.1727−1.2.1771) in
Belmermoor verstorben, Sohn des Peter Severin in Westerbüttel, 1
Sohn und 4 Töchter, von denen 2 Töchter (Höbcke, Antje) Mutter
und Vater überlebten. Antje und Peter waren "im 3ten Grade
consanguinitas linea aequalis" miteinander verwandt, Grund
unklar.
-
Margarethe (24.9.1737−24.1.1770), oo am 30.11.1762 mit Peter Lau
(6.10.1742−30.6.1811), Hausmann in Behmhusen, Sohn des Peter
Lau und der Dorothea Stüfen. Margarethe starb im Wochenbett und
hinterließ 3 Söhne
- Boie (2.4.1739−16.7.1746)
- Johann (3.4.1740−<12.4.1740)
Als Ties Boie starb, lebten noch 3 Töchter und 1 Sohn, die nun
Vollwaisen waren
oo2
seit 1707 (vor dem 20.3.) mit Becke Vollstede (6.5.1685−25.12.1718), Tochter des
Claus Vollstede (begr. 28.5.1721) und der Lehncke Nagel aus Büttel (Becke Vollstedes
Todesjahr wurde dem KB Eddelak entnommen. Jedoch wurde sie im KB
Brunsbüttel noch am 15.8.1719 als Gevatter geführt.
Kinder
6. Boie (20.5.1707−5.12.1740), starb in Auenbüttel, oo am
1.7.1740 mit Dorothea Margaretha Siemsen (11.12.1719−April 1744), Tochter des Peter Siemsen
(22.12.1690−20.12.1723) und der Elsabel
Dorothea Paulßen (6.5.1693−10.3.1769) aus Behmhusen. Die
Witwe
heiratete am 28.11.1741 Peter Brandhorst aus Auenbüttel.
uneheliche Kinder mit Gretje Schlange (27.10.1704−), Tochter des Dragoners Daniel Schlange
(+1723) und dessen Ehefrau Gretje, geboren im Kirchspiel
Brokdorf
- Clas Boysen
(get. 17.10.1730−), geboren im
Kirchspiel Wewelsfleth
- Becke Boien (1732−27.7.1779), lebte
1756 in Westerbüttel, oo am 10.10.1759 in Eddelak mit dem
Wittwer Johann Stüfen (5.1.1727−5.6.1796) aus
Ostermoor, 2 früh verstorbene Kinder
1732 und 1733 musste Boie Boie in der Eddelaker Kirche "wegen begangener Hurerey mit
Gretje Schlangen vorm hohen Altar öffentlich Kirchenbuße"
tun.
uneheliches Kind mit Antje
Martens, Tochter des Peter Martens und (wahrscheinlich)
der Telsche Martens in Ostermoor. Antje dürfte schon um die 40
gewesen sein, als sie Mutter wurde
- Becke (13.2.1736−)
Im Brücheregister von 1735 heißt es: "Antje Martens vom Östermohr ist von Boje Bojen
Wilcken Bojen Sohn in Westerbüttel geschwängert worden".
Nach dem
Kirchenbuch von Eddelak "hat
Boie Boie [1736]
wegen begangener Hurerey mit Antje Martens aufm Östermohr vorm
hohen Altar öffentlich Kirchenbuße gethan".
Kind mit Dorothea
Margaretha Siemsen
-
Karsten (12.1.1741−)
7. Paul (2.1.1709−), benannt nach dem ältesten
Bruder der Mutter und deren Großvater
8. Wilcken II (27.7.1711−30.5.1793). Das ist mein
Vorfahr - mehr über ihn oben
NN, uneheliches Kind mit NN (*Jan.-April 1705) während der Ehe mit
Anna Hinrichs (Geburt allerdings nicht erwiesen)
Eintrag in
das Amtsregister von 1705 mit Bezug auf ein Ereignis in 1704:
"Wilcken Boye aufn Östermohr
hat ein frembdes Frauen Mensch im verwichenen Sommer eine
Zeitlang bey sich gehabt, welche um Allerh: beym Priester
gewesen seyn und angegeben haben soll, daß ihr Wirth sie
geschwängert, und obwohl fort darauf solches Mensch 2 Tage
durch des Kirchspielvogts Diener gehuset worden, so hat
derselbe sie danach nicht finden können, sondern soll
nunhero weg seyn." Zusatzbemerkung von 1705: "stehet aus bis weiter weile die
Frauen Persohn nicht im Lande auch noch nicht wieder
gekommen seyn soll."
Die ersten der von mir ermittelten Söhne hießen also Johann,
Tewes, Claus, Ties und Boie − und der von mir zuvor mit Hilfe
des Ackerschatzregisters und weiteren Indizien identifizierte
Urgroßvater hieß Ties Johans Claus Boye. Dazu dann noch ein
Wilcken - wie der Vater Wilcken I und auch mutmaßliche Bruder
von Ties Johans Claus, der um 1575 lebte. Es sind also alle
männlichen Leitnamen der Boyen in einer einzigen Familie
versammelt.
Der Überlieferung zufolge soll Wilcken Boye I mit seiner ersten
Frau vier verheiratete Söhne und zwei Töchter, eine davon
verheiratet, gehabt haben. In meiner Liste fehlt also nur noch
eine unverheiratete Tochter aus erster Ehe und die Ehefrau von
Tewes. Die gesuchte Tochter könnte früh verstorben sein,
wahrscheinlich war sie nach der Großmutter mütterlicherseits
benannt.
Hof: Dem
Umschreibungsprotokoll von 1699 zufolge (LAS 102 Süderdithm. X
163) besaß Wilcken Boye I damals 34.13.15.15 M.S.R.F, wovon
19.4.7.15¾
M.S.R.F von Hinrichs Johann Hinrich stammten. Hierzu addierten
sich 10.8 S.R von Tieß Tießen und schließlich noch die 14.14 M.S,
welche er aus dem Nachlass seines Vaters erworben hatte. Da
die Ehefrau von Wilcken der Überlieferung nach die Witwe eines
"Hinrich Hinrichs" war, könnten die 19.4 M.S in Zusammenhang mit
dieser Verbindung stehen. Noch 1735 trat eine "Hinrichs Johanns
Hinrichs Witwe Antje" (1689−23.6.1762) als
Gevatter bei der Taufe des Sohns von Wilcken, Sohn des Johann
Boye d.J., auf.
Im Jahre 1727 wurden einige
Morgen als "verlorenes Land" aus dem Ackerschatzregister genommen.
Ich vermute, dass diese Flächen zwischen Oster- und Westertweute
direkt an der Elbe lagen.
Zeit: 1684 und
1685 wurden die Elbdeiche vor Ostermoor schwer beschädigt.
Infolgedessen war man gezwungen, einen erheblichen Teil der
Bauerschaft auszudeichen und einen neuen Deich zu errichten (siehe
unten). 1712 wütete die Beulenpest in Ostermoor (SB, S. 30). Als
nun schon alter Mann (das war man damals mit knapp 50 Jahren)
musste Wilcken Boye I seine Hofstelle aufgeben, als nach den
Sturmfluten von 1717-1721 fast die gesamte Bauerschaft Ostermoor
der Elbe überlassen wurde.
VI. Johann Boye (±1630−1697/1698),
zur Unterscheidung von seinem Sohn Johann "der Ältere" genannt. Er
war um 1686 der größte Landbesitzer in der Bauerschaft Ostermoor.
Sein Hof bzw. das meiste Land dürfte sich am Landweg in der Nähe
des Koogsweges befunden haben (siehe Skizze unten).
oo der Überlieferung nach
mit Telsche
Peters (+ nach 5.2.1696), der Tochter von Peter und Antje Peters
aus Ostermoor.
Kinder
1. Telsche (±1657−>5.2.1692), oo mit Hinrichs Johann
(?) (+>1691), Hofbesitzer in Ostermoor, Sohn des Hinrichs Johanns Hinrich (Eintrag
nicht endgültig gesichert)
Kinder
- Hinrich
Hinrichs (+
<1696), oo mit Anna ("Antje") Tewes. Die verwitwete
Anna Hinrichs heiratete 1696 den Onkel ihres Ehemanns Wilcken
Boye I, wofür ein (noch erhaltener) Dispens (LAS AR S.-Dithm.
1696) notwendig war.
-
Sohn-Status noch nicht bewiesen: Hinrichs Johann Hinrichs (+1728)
Hofbesitzer in Ostermoor (1717: 19.11 M.S, Quelle: LAS 102 Ksp
Bb 326), lebte später in Westerbelmhusen, oo 1712 mit Antje
Ackermann (1689−23.6.1762)
aus Ostermoor. Kinder: Telsche, Gretje,
Telsche, Silje, Johann, Antje, Harm, geb. zwischen 1712 und
1726, von denen 1762 noch 2 Töchter (Telsche Peters, Antje
Peters bzw. später Wolfsdorf) und der Sohn Harm lebten
2. Claus
(±1659−1696), oo mit Anna Cathrina Gude (get. 3.4.1666−), Tochter des Eddelaker
Pastors Peter Gude (1618−1672, JOS) und der Silje Boie, Tochter
des Boien Peter, Kirchspielvogt von Eddelak, Eigentümer der Ländereien
der späteren Höfe Holst und Schoof in Eddelak (CE 71ff). Die Witwe
verheiratete sich am 6.11.1698 mit dem Landesgevollmächtigten
Johann Peters, Tochter Silje
Kinder (alle in Warfen Ksp. Eddelak
geboren)
- Johann (get. 5.4.1684−)
- Antje (get.
10.10.1687−19.11.1759),
oo1 am 12.5.1711 mit Johann Severin (get. 25.3.1690−11.3.1724) (3 Söhne, 2
Töchter, davon sie überlebend Claus in Behmhusen, Johann in
Kannemoor und Dorthe Süelsen), oo2 am 22.1.1726 mit Hinrich
Kohlsaat (8.6.1694−29.11.1756) in
Westerbüttel, ein "stiller und bequemer gastlicher Mann",
mehrere Kinder
- Peter
(5.2.1692−25.10.1750), oo1 am 12.10.1713 mit Antje
(9.7.1697−6.5.1722),
Tochter des Hausmann Martens Tewes aus Josenburg; oo2 am
10.5.1723 mit Magdalena NN (+26.2.1724, starb im Kindbett, alt
"35 Jahre, 22 Wochen, 3 Tage"), Witwe des Jacob Jacobsen in
Oldeburwörden; oo3 am 31.1.1732 mit Trinke Peters verw. Boie
(14.10.1702−9.4.1776), Tochter des
Landesgevollmächtigten Claus Peters in der Lehe, Witwe des
Johann Boie aus der Lehe, dem ältesten Sohn des Wilcken Boye I (siehe oben).
Alle Kinder aus der Ehe mit oo1 Antje Tewes "die ihm der gütige
Gott von ihr gab, nahm der Herr von ihm weg"; auch der Sohn aus
der Ehe mit oo2 Magdalena Jacobsen starb früh; überlebende
Kinder aus der Ehe mit oo3 Trienke Peters verw. Boie: Claus "der
Reiche", Johann, Magdalene, siehe unten). Peter Boie
war der Begründer des Großhofs Josenburg,
ein "stiller, bescheidener, christlicher und hochvernünftiger
Mann" und "wohlverdienter Landesgevollmächtigter" (JOS)
-
Telsche (2.12.1694−), oo am
14.11.1715 mit Carsten Carstens (6.10.1692−), Sohn des Claus Carstens in der
Lehe, Tochter Antje
(*3.6.1716)
3. Johann (1666−8.5.1734 "reichlich 67½
Jahre alt"), Hofbesitzer in Ostermoor, genannt "Johann Boye der
Jüngere" oder "Johann Boye aufm Östermoor", oo mit Anna ("Antje")
Dreeßen (+>26.1.1727), Tochter des Peters Drees
in Ostermoor. Johann lebte später bei seinem Sohn Wilcken in
Warfen. Er gehörte 1708 dem Vorstand der Armenkiste des
Kirchspiels Brunsbüttel an
Kinder (alle in
Ostermoor geboren)
- Telsche (1698−9.4.1769), starb 71jährig, oo
nach dem 6.4.1720 mit Jürgen Ackermann (+14.5.1738), lebte in
Ostermoor "im Kooge" (= Altenkoog), von 8 Kindern (1 Sohn, 7
Töchter) überlebten sie 1 Sohn (Harm, 24.11.1720−24.2.1790) und 3 Töchter, alle
verheiratet. Telsche starb als "Ehrengroßmutter" (=
Urgroßmutter).
- Drees (1699−14.11.1756), starb 57jährig, unverheiratet und
ohne Kinder zu hinterlassen in Ostermoor
- Margreth
(get. 14.4.1703−)
- Wilcken
(4.5.1705−)
- Wilcken (20.3.1707−20.2.1782)
"Wilcken Boye aufm Oestermohr", lebte in Warfen, dann (vor
21.9.1748) wieder in Ostermoor, später Hausmann und
Gevollmächtigter im Neuen Kooge; oo1 am 22.2.1735 mit
seiner Cousine
Antje Peters (5.2.1717−1.10.1735) aus
Westerbüttel, Tochter des Hausmanns Micheels Johann Peters und
der Gretje Boien (siehe unten), 1 Sohn (Boie,12.6.1735−21.6.1767); oo2 am 3.7.1737 mit
Margrethe Feltjen (31.8.1718−19.9.1761), Tochter des Johann Feltjen und der
Trienke NN in Behmhusen, 4 Kinder, darunter Catharina
(19.5.1739−10.5.1795) oo mit Claus
Kohlsaat aus Ostermoor, Koogsgevollmächtigter im Neuen Kooge; oo3 am 19.4.1765 mit seiner Cousine, der Witwe
Telsche Karstens aus der Lehe (10.6.1699−9.3.1768), Tochter des Hausmanns
Micheels Johann Peters und der Gretje Boien aus Westerbüttel
- Catharina (20.8.1709−)
- Claus (21.8.1712−)
4.
Wilcken (14.9.1670−29.11.1747), mein Vorfahr, mehr über
ihn oben
5. NN (Silje?) (±1683−<1718),
oo mit Claus Bunge (+<1718) in Ostermoor. (Dieser Eintrag muss
noch weiter abgesichert werden)
Kinder (alle in
Ostermoor geboren)
- Antje,
oo mit Marten Meinert (1691−29.3.1766)
in Ostermoor, Sohn des Hinrich Meinert, welcher als Witwer 3
Söhne (Claus, Hinrich, Johann) hinterließ
- Telsche (1700−7.3.1772), oo am
27.10.1742 mit Johann von Lehfern, Leinweber in Ostermoor.
Telsche hatte einen unehelichen Sohn (begr. 2.3.1736) und wurde
zuletzt auf der Kosten der Armekasse versorgt
- Johann (get. 3.3.1702−)
- Silje (get.
3.4.1703−)
- Claus
(1.12.1704−)
- Claus
(15.1.1706−)
- Boje (14.5.1707−11.1.1741), oo am
11.5.1732 mit Trienke Hennings (14.1.1708−30.1.1751), Tochter
des Johann Hennings und der Antje Maaßen aus Warfen, lebte in
Ostermoor, 2 Söhne und 3 Töchter, von 2 Töchtern (Gretje und
Silje) überlebt. Die Witwe heiratete am 1.9.1743 den Arbeitsmann
Carsten Lüder aus Seester, mit dem sie 1 Kind hatte. Sie wohnte
weiterhin in Ostermoor und wurde von 3 Kindern überlebt
- Claus
(26.12.1710−7.2.1762), oo1 mit Margaretha Ehlers aus
Ketelsbüttel; oo2 mit Antje NN (1711−21.6.1753), wurde von
2 Söhnen (Claus +1797 in Westerbüttel und Hans) überlebt. Er war
Unterconstabler im Artillerie-Corps des Generalleutnants
Ezechias Levin Arentskjold (1682−1744) in der Kompanie
des Majors Harbou, ging später wieder nach Ostermoor zurück
6. Gretje (±1686−>20.7.1733), oo mit dem
Hausmann Micheels Johann Peters (+26.9.1721), lebte in Westerbüttel
Kinder (alle in
Westerbüttel geboren)
-
Telsche (11.6.1699−9.3.1768),
oo1
am
6.11.1718 mit
dem Witwer Andreas Vietzen (get. 1.11.1688−8.7.1720)
aus Westerbüttel, später in Warfen, Sohn des Paul Vietzen,
keine gemeinsamen Kinder; oo2 am 26.11.1722 mit Boje Carstens (10.12.1697−19.12.1759), Sohn des Claus
Carstens in der Lehe, Gev. ein noch unbek.
"Bojen Boje vom Ostermohr", das Ehepaar lebte später im Flecken
Brunsbüttel, 6 früh verstorbene Kinder; oo3 am 19.4.1765 mit
ihrem Cousin Wilcken Boie (20.3.1707−20.2.1782), Sohn des
Johann Boye d.J. (siehe oben)
- Höbke (1.2.1701−)
- Claus (12.6.1702−24.2.1756) "aufm Teich", oo am
22.6.1730 mit Trienke Mingst (13.10.1707−23.11.1750), Tochter des Johann
Mingst in Westerbüttel, 8 Kinder, von denen 3 den Vater überlebten
(Johann +1799 Schulmeister in Wellinghusen). Claus lebte in
Westerbüttel
-
Höbke (1.9.1704−5.1.1781), oo1 in 1724 mit
Peter Severin (+1728), Sohn des Hausmanns Peter Severin in
Westerbüttel, 2 Kinder; oo2 am 28.11.1730 mit Peter Micheelsen
(get. 11.8.1705−9.4.1732) in
Westerbüttel, Sohn des Micheel Peters, 1 Sohn; oo3 am 23.2.1734
mit dem Hausmann und Landesgevollmächtigten Claus Lau (4.2.1706−22.9.1774) in
Westerbüttel, Sohn des "Claus Lau aufm Dingen", 6 Kinder
- Johann (26.9.1706−)
-
Job (24.9.1708−10.4.1755), oo am 14.5.1739 mit
Gesche Lau (25.8.1723−29.4.1755),
Tochter des Hans Lau und der Catharina Peters in Behmhusen, die
hinterlassene Witwe starb im Wochenbett, 8 Kinder, wovon 2 Söhne
und 2 Töchter die Mutter überlebten. Job lebte in Westerbüttel und
war Kirchspielgevollmächtigter sowie Kirchenbaumeister
-
Antje (5.9.1712−)
- Antje (5.2.1717−1.10.1735), oo am 22.2.1735 mit ihrem
Cousin Wilcken Boie, dem Sohns des Johann Boye d.J., 1 Sohn (Boie,
12.6.1735−21.6.1767)
- Boie
(10.7.1719−17.11.1764), oo1 am
19.4.1746 mit Antje Piehl (27.3.1711−25.11.1750), Witwe des Krugwirts und
Schiffers Conrad Hinrich Piehl im Flecken Brunsbüttel; oo2 mit
Anna Henrichs (9.1.1724−18.10.1781),
Tochter des Hinrichs Johann Hinrichs (Sohn der Telsche Boye) und
der Antje Ackermann aus Ostermoor, dann Westerbelmhusen; 5 Kinder; Boie Peters war
Krugwirt und Makler im Flecken Brunsbüttel; er hinterließ 2
Töchter, von denen Anna (oo mit Micheel Peters in
Westerbüttel) 1781 noch lebte
Der Überlieferung
zufolge soll Johann Boye d.Ä. drei verheiratete Söhne (Claus,
Johann, Wilcken) und drei verheiratete Töchter (alle NN) gehabt
haben. In Anbetracht der damaligen Gepflogenheiten bei
der Namensgebung sollten vor Telsche noch zwei Mädchen namens
Silje und Antje (das sind die Namen der beiden Großmütter)
geboren worden sein. Auch fehlt in der Liste ein nach dem
Großvater mütterlicherseits benannter Sohn namens "Peter",
welcher zwischen Claus und Johann geboren sein könnte. Von allen
dreien habe ich bisher keine Spuren finden können.
Wahrscheinlich gehörte Johann Boye zu den Erben des Boyen
Claus Boye, deren Vergehen im Brücheregister von 1673 (LAS 102
AR S.-Dithm. 1673) aufgezeichnet ist. Dort heißt es: "Boyen Claus Boyen Erben auffm Östermohr sind
deswegen zu Register gesetzet, daß Sie mit Hinterhaltung des
H. Landtvogds Bescheides den 3. Marty per Supplicem ein anders
Decretum von demselben erschleichen wollen, und da Ihnen nach
solchem Bescheide Inventarium zu ediren aufferleget, deßen
unerwehnet die Theillung suchen wollen, d. 6. Märtz."
Von Johann Boye d. Ä. findet man noch weitere Einträge im
Brücheregister:
1677: "Claus Stein hat auff Johann Boyen auffm Östermohr
3 Löcher im Kopff, deren 2. ohngefähr 2 Zollen lang, und das
dritte rund gewesen, verzeichnen laßen, nebst einem blauen
Auge, auch die Schulter etwaß gefärbet, wozu Jacob Sierichs
in Bellmenhusen auch mitgeholfen, d. 4. Aug. 677."
1677:
"Johannes Lüßner ein Oculist hat angegeben einen bösen
Schaden aufm Kopff, tieff biß auffs Craneum nebst einer
Beulen, so mit Blut unterlauffen, und berichtet, dass Ihm
solches Johann Boÿe auffm Östermohr getahn. d. 8. Okt." Zusatzbemerkung: "Der Kleger ist wech
gezogen."
Weitere Einträge in das Brücheregister, die Söhne,
Schwiegersöhne und Enkel von Johann Boye d.Ä. betreffend:
1697: "Hanß Schweertman beklaget Johan
Boye aufm Östermohr, dass er ihn nicht allein iniuryret,
sondern auch geschlagen, Schaden zugefügt und mit Füßen nach
ihn gestoßen. Den 25. Sept. 1697" [Hanß Schweertman
war der Müller]
1701/02: "Heinrich
Kloppenburg aus dem Büttell Kirchspiels St. Margarethen soll
sich mit Hans Carstens aufm Ostermohr, auch nachgehends mit
Johann Boyen daselbst geschlagen haben, wobey auch Wilcken
Boye, Harm Ackerman und Peter Ram sich interessiret. 11.
Nov. 1700."
1703: "Hans Schwerdman Müller von
Östermohr hat geklaget, daß Claus Bunge auf Johan Tießen
Hochzeit ihn vom Stuel heißen aufstehen und wie er solches
verweigert, für einen Schellm und Dieb gescholten anbey zum
schlagen provociret, d. 6 Dec. 1701."
1707: "Claus Hinrichs in
der Lehe hat geklaget, daß Johann Boye aufn Ostermohr wie er
ihn und seinen Gehülfen entboten, wie er kaum gekommen, ihn
nicht allein iniuriieret sondern auch mit seinem Stecken
geschlagen und herlich zugerichtet. d. 28 Sept. 1707."
1723: " den 16. Aug.
hat Marten Dohrn aus dem Koege beym Büttel [Altenkoog], Johann Boyen aufm Östermohr
stehende Scheune niedergebrochen, ohngeachtet, ich ihn
solches verbieten lassen." [im Sommer 1723 standen
also noch Gebäude im ausgedeichten Ostermoor]
1723: "Ao. 1723 den 29. Martii als am
Oster Montage unter der Predigt, ist Johann Boye vom
Östermohr, in Paul Peters Hause in Sestemenhusen gekommen,
hat die Piesel Thürr mit Gewalt aufgebrochen, und daraus
einige Sachen weggenommen, so Pauls Peters Zugehören."
1725: "Am 26. April klagte
Johanns Johann das Wilcken Boyen Sohn Tewes Boye ihn in
Hinrich von Essens Hause ohne eine gegebene Ursache
angefallen umd im Gesichte geschlagen, daß er davon
blutrünstig geworden. Kspr." [Vorfall im Kirchspiel
Eddelak, wahrscheinlich Westerbüttel]
1726: "Triencke Mangels aus
Brunsbüttel ist ihrer getanen gerichtl. Aussage nach Ao 1725
von Michel Johanns Peters Wittwen Sohn nahmens Claus Peters
in Westerbüttel in Johann Frauens Haus geschwängert, und von
Johann Boyen Sohn Johann den letzten Weynachten Tag nach
Hamburg gebracht alwo sie des Kindes gewesen". Anmerkung
am Rand: Stupatra [die
Geschwängerte] ist bettelarm
und mit dem Anfall wogestalt behaftet, daß keine Hofnung,
daß sie davon genesen werde: und weil sie also auch corpore
nicht büßen kann würden die Brüche ihrenthwegen wegfallen.
Wegen des Stupratoris [Schwängerers] wird die Sache ausgesetzet biß
die Aussetzung in der Noth von der Stupatra eingebracht." [Der erwähnte Johann,
Johann Boyen Sohn ist nicht mit den Ostermoorer Boyen
verwandt]
Wir können dem ersten
Eintrag in das Brücheregister entnehmen, dass Boyen Claus Boye
kurz zuvor, wahrscheinlich im Spätwinter 1673, verstorben war.
Wenig später, im Jahre 1677, musste Johann für die neue
Brunsbütteler
Kirche spenden.
An dieser
Stelle ein paar Worte zum Schicksal der beiden Brüder von
Wilcken Boye I:
Der älteste der drei
Brüder Claus (±1658−1696) (Sterbejahr aus CE
72) verheiratete sich mit Anna Catharina Gude, der Tochter des
Eddelaker Pastors Petrus bzw. Peter
Gude (1618−1672), und war Eigentümer der
späteren Höfe von Schoof und Holst an der heutigen
Bahnhofstraße in Eddelak (CE 71ff). Er könnte der Claus Boÿe sein, der
im Umschreibeprotokoll von 1696 mit 31.11 bzw. 29.3
M.S unter "Warwen " aufgeführt wird (LAS 102 S-Dithm. X, 164) -
dann wäre er der mit Abstand größte Bauer in Warfen gewesen.
Claus Boye wurde zum Stammvater der
kurzlebigen Dynastie der Boien auf Josenburg: Der Sohn und
Landesgevollmächtigte Peter Boie (5.2.1692−25.10.1750)
begründete durch Heirat und Landkauf den Großhof Josenburg
(JOS), den der Enkel, der Bauernschaftsgevollmächtigte und
kurzzeitige Kirchspielvogt Claus Boie (1.6.1735−5.1.1792),
genannt „Claus der Reiche“, erbte. Der zweite Enkel, der
Landesgevollmächtigte Johann Boie (29.11.1741−19.7.1784), war 1781 der
Bauherr des so genannten „Schmielau-Hofs“ in der Lehe, der 1964
abgebaut und dann im Freiluftmuseum Molfsee bei Kiel wieder
errichtet wurde. Die Inschrift über dem Dielentor und die
Maueranker zeugen noch heute von dem Erbauer Johann Boie und
dessen Frau Margaretha. Sowohl Claus der Reiche als auch Johann
sowie ihre Schwester Magdalena ("Marlena", 20.10.1738−28.6.1792)
starben
ohne Nachkommen (JOS).

Inschrift über der Dielentür des Schmielau-Hofs in der Lehe
(links) und zwei Mauerankern mit den Monogrammen JBoje (Johann
Boje) und FMB (Frau Margaretha Boje,
1756-1793) © bfeil
Der zweite Bruder
von Wilcken Boye I hieß wie der Vater Johann. Schon 1695 hatte Johann Boye der Jüngere, wie
er zur Unterscheidung von seinem Vater genannt wurde, 18.3.6.9
M.S.R.F von seinem Schwiegervater Peters Drees erworben. Zusammen
mit den 1.4.10.10 M.S.R.F., die er ebenfalls 1695 von seinem Vater
Johann Boye d.Ä. erhalten hatte, verfügte er nun über einen
beachtlichen Hof von 19.7 M.S Größe (LAS 102 S-Dithm. X 164 I). Im
Umschreibeprotokoll von 1699 (LAS 102 S-Dithm. X 163) wird Johann
Boye d.J. mit 26.11.37.2⅜ M.S.R.F geführt, nachdem er sich kurz zuvor den
väterlichen Hof mit seinem Bruder Wilcken geteilt hatte. In dem
Stammtafelfragment von 1898 heißt es, Wilcken und Johann hätten
"den väterlichen Hof von ihren Geschwistern erworben". Um 1700
besaß Johann Boye den drittgrößten Hof in der Bauerschaft
Ostermoor.
Laut W. Johnsen
soll Johann Boye der Jüngere 1725 26.4 M.S besessen haben, 1727
werden 6.2 M.S "verlorenen Landes" abgebucht (BHS 20). Wie sein
Bruder Wilcken Boye I musste er um um 1720 in der "Wasserzeit"
seinen Hof verlassen. Er lebte später, vermutlich nach dem Tod
seiner Frau, bei seinem Sohn Wilcken (20.1.1705−20.2.1782) in der Bauerschaft Warfen,
wo er 1734 starb. Da der Sohn Wilcken offenbar bis mindestens 1750
in Warfen wohnte (JOS 7) und der andere Sohn Drees 1756 in Ostermoor starb, könnte
letzterer um 1750 den nun im Außendeich belegenen Hof einige Jahre
bewirtschaftet haben. Möglicherweise erbte Drees Boie seinen Hof
1734 von seinem Vater und vererbte ihn, da er kinderlos war, 1756
an seinen Bruder Wilcken. Von Wilckens Kindern erreichten nur ein
Sohn (Boie) und eine Tochter (Catharina) das Erwachsenenalter.
Boie Boie war Epileptiker und ertrank am 21.6.1767 nach einem Anfall in Ostermoor auf dem Wege zu dem
väterlichen Hof in einem Graben.
Nach der Wiedereindeichung der Ostermoorer Feldmark, am 27.4.1764, besaß "Wilcken Boie aufm
Ostermohr" 18.14.34.11 M.S.R.F (LAS 102 Ksp. Brunsbüttel 327). 1767 wurden die Ländereien
von dessen Schwiegersohn Claus Kohlsaat bewirtschaftet. Ein Jahr nach Wilckens Tod
(1782) verkaufte
Wilcken Boies Tochter Catharina/Katrina Kohlsaat den nun 29.10 M.S großen Hof an
meinen Vorfahren Marten Feil aus Büttel verkauft.
Hof: Durch die
Ausdeichungsmaßnahmen nach 1685 verlor Johann Boye 6.13 M.S
Land (LAS 66, 4453). Das Ackerschatzregister von 1686
widerspiegelt wahrscheinlich die nachherigen
Besitzverhältnisse. Dnach war der Hof von Johann Boie dem Älteren
28.9.29.3⅝ M.S.R.F groß,1695
besaß Johann
dann einen 25.2 M.S großen Hof, und 1699 umfasste der Hof noch
22.3.19.15⅜
M.S.R.F.
Etwas Land (1.4.10.10 M.S.R.F) hatte Johann schon 1695 seinem
Sohn Johann d.J. überlassen. Somit besaß Johann Boye der
Ältere weit mehr Land als sein Vater Boyen Claus Boye. Leider
habe ich bisher keine Ackerschatzregister für die Zeit um 1673−1675 gefunden. Diese hätten möglicherweise
Aufschluss darüber gegeben, ob Johann den Hof seines Vaters
Boyen Claus Boye übernahm und dann erweiterte oder gegen einen
anderen eintauschte.
Zeit: Nach der
Sturmflut von 1674, die den gesamten Flecken Brunsbüttel zerstörte,
wurde 1675 beschlossen, den Ort landeinwärts zu verlegen. Dies
geschah 1676, aber schon 1654 war in weiser Voraussicht ein
neuer Kirchhof angelegt worden - "die Toten wurden den Lebenden
vorausgeschickt", wie Wilhelm Johnsen es treffend formulierte.
Natürlich musste auch die Kirche transloziert werden. Die
Finanzierung dieses Projekt gestaltete sich schwierig. Johann
Boye gehörte zu den größten Geldgebern seiner Bauerschaft und
musste 1677 den Höchstsatz
von
100 Mark für den Wiederaufbau der Kirche spenden. Die neue Kirche wurde am
16.11.1679 eingeweiht.
Ostermoor wurde wieder
einmal von schweren Sturmfluten heimgesucht. 1684 gingen durch
die Verlegung des Elbdeichs nach Norden 10 Häuser und 88 Morgen
Land verloren, 1685 dann nochmals 40 Häuser und 101 Morgen Land.
Die Novemberflut von 1685 zerriss den Elbdeich einige hundert
Meter westlich des Holstengrabens und überschwemmte den gesamten
östlichen Teil des Kirchspiels Brunsbüttel. Der 1575
fertig gestellte Deich zwischen der Bauerschaft Ostermoor
und Büttel wurde aufgegeben und durch einen Deich ersetzt, der
weiter landeinwärts errichtet wurde. Der neue Deich wurde
1686 und 1687 von Soldaten gebaut und daher Soldatendeich
genannt. Johann Boye besaß 6.6 M.S zwischen dem Soldatendeich
und dem Holstengraben, die ausgedeicht wurden.

Geplante Deichbauten in der Bauerschaft
Ostermoor, Skizze vorgelegt am 15.2.1687 (Elbe unten, am
linken Rand befinden sich heute die Schleusen, am rechten
Rand
Büttel mit dem Alten Moordeich, oben rechts das Wüste Moor).
Von dem Außendeich, das Boyen Claus Boye bis 1672
versteuerte, ist nichts mehr zu erkennen.
Zum Zwecke
der besseren Orientierung habe ich der Skizze die in rot
gehaltenen Elemente hinzugefügt, Stand etwa 1970-1980: KW =
Koogsweg; HF = Hof Willi Feil;
OT = Ostertweute; LD = Lütt Dörp; HS = Hof Sievers ;
AM = Alter Moordeich; K75 =
Landweg bzw. alte B5; KKW =
Kernkraftwerk
Die Karte
wurde Fischer (1957) entnommen, welcher als Quelle das
Archiv Deutsch-Nienhof Nr. 280 angibt.
V. Boÿen
Claus Boÿe (±1600−1673).
Der Überlieferung nach ist er "auf dem Östermoor" geboren, seit
1625 ist er als Landbesitzer im Ackerschatzregister eingetragen.
Der Hof von Boyen Claus Boye lag nachweislich im äußersten Osten
der Bauerschaft. Boyen Claus Boye war der erste seiner Familie
mit fest stehendem Familiennamen (Boye). Wie sein Eintrag in den
Ackerschatzregistern erkennen lässt, hatte er das Patronym aber
noch nicht gänzlich aufgegeben.
oo seit mind. 1632 (wahrscheinlich aber 1631) mit Cillje,
Vatersname unbekannt, der Überlieferung nach aus Ostermoor
stammend. Ihr Vater könnte Hans Wilckens Johan gewesen sein.
Kinder
1. Johann (±1628−1697/1698),
mein Vorfahr, mehr über ihn hier
Dass der tradierte Name der Ehefrau korrekt ist, wird durch das
Brücheregister bestätigt: (1632) "Sahrs Jacobß Marten // Boyen Clauß Boyen Cillien
wegen thogefügter Iniurien."
Boyen Claus Boye und seine Frau Cillje beteiligten sich
intensiv am Dorfleben, wie ihre zahlreichen Einträge in das
Brücheregister erkennen lassen. Insbesondere zu der schon oben
erwähnten Familie von Sahrs Jacob pflegte man wenig
freundschaftliche Beziehungen. Im Brücheregister von 1633
heißt es nämlich: "Boyen
Clauß Boye heft Sahrs Jacobs Johan Schaden thogefüget"
(der Bruder des oben erwähnten Marten wurde vielleicht von
Claus verprügelt - dann ziemlich heftig, denn die Strafe
betrug immerhin 8 Thaler). 1636 war schließlich der dritte
Bruder dran: "Boien Claus
Boie hat Sahrß Jacobs Jacob einen anfall gethan, vnndt ihn
mit einem tuffell geschlagen." Der tuffell war wohl ein
Holzschuh. Obwohl das letztere Vergehen "non probatum", also
nicht bewiesen, war, musste Claus 1 Thaler an die Brüchekasse
zahlen. 1637 gab es wieder Ärger mit dem Sahrs
Jacob-Clan, diesmal mit dem Patriarchen höchstpersönlich: "Sahrß Jacob cont: Boien Clauß
Boien, vmb die Hofstete vnndt daß Landt", an die
Brüchekasse waren diesmal 6¼ Thaler zu
entrichten. Übrigens wohnte Sahrs Jacobs Johan 1640 "bei dem
Holstengraben", also nicht allzu weit entfernt von Boyen Claus
Boye .
Hof: Boyen
Claus Boye führte offenbar nicht den Hof seines Vaters fort,
sondern siedelte sich im Osten der Bauerschaft an. Der Haupteil
seines Hofes stammte offenbar von Hars Hans Wilken, dessen
Landbesitz im Jahre 1636 einen Hof von 9.10 M.S und 0.13 M.S
"Noch Neuß zuegemacht Landt" (wohl bis auf den Mineralboden
abgetorftes Land) umfasste. Gleichzeitig verschwanden mehrere
kleine Landstellen, die in den Ackerschatzregistern vor 1637 um
den Hof von Hars Hans Wilken herum eingetragen waren und sich
somit wohl auch wirklich in dessen Nähe befanden.
Ab 1637 bewirtschaftete
Boyen Claus Boye zunächst 14.4 M.S, ab 1650 dann 18.8 M.S. Diese Erweiterung des
Hofs wurde vielleicht vom Erbe finanziert, dass sein kurz zuvor
verstorbener Vater hinterließ. 1672 besaß er noch 17.11 M.S. Boyen Claus Boye war seit
mindestens 1625 Eigentümer von zwei Parzellen im Außendeich mit
einer Gesamtfläche von 1.11 M.S − damals gab es vor dem
Ostermoorer Elbdeich also noch brauchbares und daher
ackerschatzpflichtiges Land.
Der Hof von Hars Hans Wilcken findet sich bereits 1561 im
Ackerschatzregister. Offenbar wurde der Eintrag also weit über
den Tod des ursprünglichen Besitzers hinaus beibehalten, was
meines Erachtens durchaus nicht unüblich war. Um 1605 könnte
ein Hans Wilckens Johann der Eigentümer gewesen sein. Dieser
könnte später (um 1625) der Schwiegervater von Boyen Claus
Boye geworden sein, der dann 1637 Eigentümer des Hofes wurde.
Das würde auch erklären, weshalb dieser einen Sohn Johann
nannte. Wenn diese - zugegebenermaßen gewagte - Hypothese
zutrifft, wäre die Ehefrau des Boyen Claus Boye, Cillje, die
Tochter des Hans Wilckens Johann.
Aus dem Brücheregister von 1651: "Boÿen
Claus Boÿe, contra die geuollmechtigten Eddellakischen
Kirspiels, vmb den ihme von den schwedischen an seinen gebewde
zugefüegten schaeden zu erstatten, die Klage zu 50 mk ist
nicht ausgeführet ddit 1 Thr 2 ß"
Ich vermute, dass sich diese offenbar nicht zur Verhandlung
gekommene Klage auf Ereignisse am Ende des 30-jährigen Krieges
bezieht. Vom 30.1. bis zum 9.10.1648 hielten sich an
"schwedischen Kriegsvölkern" eine Kompanie Reiter vom
Müller'schen Regiment sowie ein Rittmeister mit einigen wenigen
Soldaten vom Hammersteinischen Regiment (Bolten IV, S.278) in
Süderdithmarschen auf und verursachten große Kosten. Wieso
ausgerechnet Eddelaker Gevollmächtigte beklagt wurden, weiß ich
nicht.
Zeit: Boyen Claus Boye
erlebte den gesamten 30-jährigen Krieg (1618−1648). In Ostermoor
existierte am Ausgang des Holstengrabens, also nicht allzu weit
entfernt vom Hof, eine kleine Schanze. 1627 kam General
Wallenstein nach Brunsbüttel, das am 19.3.1644 von dem
schwedischen Oberst Lohusen mit 50 Reitern geplündert wurde. Der
Anwesenheit von Soldaten ist es wohl zu verdanken, dass in
Ostermoor ein "leichtfertig Haus" (siehe Brücheregister von
1640) betrieben wurde. 1651 gab es wegen einer Missernte im Kirchspiel eine große Hungersnot,
1660 verursachte der "fressende Wurm" eine Missernte.
IV. Ties Johans Claus Boÿe
(±1575−1632 oder 1649). Ties Johans Claus Boye
erscheint erstmals 1617 im Ackerschatzregister der Bauerschaft
Ostermoor.
Sein Todesjahr ist unsicher. Schon im Ackerschatzregister von
1633 tauchen "Ties Johans Claus Boyen Erben" auf, erst 1650 ist
er dann endgültig aus dem Register verschwunden.
oo mt NN.
Kinder
Boyen Claus Boye (±1605−1673),
mein Vorfahr, mehr hier
Es müssen noch
weitere Kinder existiert haben, die das Erwachsenenalter
erreichen, denn in den Ackerschatzregistern werden "Erben" des
Ties Johanns Claus Boye erwähnt.
Aus dem Brücheregister (LAS AR 102 S-Dithm. 1596): "Claus Iven heft Ties Johans
Claus Johann Schaden gedan, d. 10 mk" und gleich
danach "Claus Johann vnd
Boie hebben Clauß Iven 2 kleine Schaden in den hop gedan, d.
5 mk". In der Tat gab es in Ostermoor einen
"Hoppenhafen", wie eine Karte von von 1719 oder 1720 (LBK, IF
109 Karte 819) zeigt.
Hof: Bei der Hofteilung von 1617 erhielt Boye 9.13 M.S von den
18.8 M.S seines Vaters Ties Johans Claus. 1632 war sein Hof 10.8
M.S groß, ab 1633 2.7 M.S; zwischen 1637 und 1649
waren dann nur noch 11 S auf seinen Namen eingetragen. Die sukzessive
Abnahme der Fläche könnte darauf hindeuten, dass sich Ties
Johans Claus Boye
altersbedingt aus der Landwirtschaft zurück zog. Zu dieser
Interpretation passt bestens, dass im Jahre 1633 Johans Claus
Boyen Erben mit 2.7 M.S im Ackerschatzregister erscheinen -
offenbar hatte Ties Johans Claus Boye die Hälfte seines
verbliebenen Landbesitzes auf Nachkommen (Töchter?) übertragen.
Andererseits ist es möglich, dass Ties Johans Claus Boye schon
1632 starb und der Haupterbe Boyen Claus Boye seinen Teil des
Hofs unter dem Namen seines Vaters weiter laufen ließ.
Wo der Hof von Ties Johan Claus Boye lag, ist unklar; vermutlich
lebte er unweit des Zentrums der Bauerschaft.
Zeit: Allerhöchster Besuch im Jahre 1598 − der dänische König Christian IV inspiziert den
neuen Deich zwischen Ostermoor und Büttel: „Anno 1598, den 16. Martyus, do
toch unser gnedigster Konyng under her, van Meldorp nha
Brunsbüttel unde van Brunsbüttel so by dem Dyke umme na der
Quedtslyppen
unde so vordan by dem Neyen Dyke van der Quedtslyppen nha
dem Büttel“. 1605 raffte eine Pestepidemie viele
Brunsbütteler dahin. Der Druck der Elbe auf ihr Nordufer
forderte seinen Tribut. 1617 brach der Deich bei Oldeburwörden,
und es gingen 10 Häuser und 72 Morgen Land in dieser Bauerschaft
verloren. Ties
Johans Claus Boye lebte während des 30-jährigen Krieges (1618−1648).
III. Ties Johans Claus
(±1540−1616/1617?).
Das Geburtsjahr ergibt sich aus den frühesten Einträgen in das
Brücheregister (1563), wobei ich der Einfachheit halber ein
Alter von 23 Jahren annehme. Er ist seit mindestens 1576 in den
Ackerschatzregistern präsent, damals besaß er 8.9½ M.S. Im
ersten Landregister
(1561) dürfte er eines von "Ties Johans Kindern" gewesen sein.
Die Festlegung seines Todesjahrs wird dadurch erschwert,
dass von 1576 bis mindestens 1672 ein Ties Johans Claus in den
Ackerschatzregistern geführt wird - es muss sich um zwei oder
mehr Personen handeln, deren Höfe nacheinander dieselbe Stelle
im Ackerschatzregister einnehmen und die vermutlich in Vater -
Sohn - oder Großvater - Enkel - Beziehung stehen.
Schon einige Jahre vor der Teilung seines Hofs im
Jahre 1616/1617 gibt es in der Rubrik "Neu zugemachtes Landt"
einen Eintrag "Ties Johans Claus Erffen", einen analogen
Eintrag findet man für Ties Johans Wilcken. Wahrscheinlich
verstarben Ties Johans Claus und sein Bruder Wilcken also
schon vor 1616/17.
oo mit NN, der/ein Schwiegervater könnte Johans Boie gewesen
sein.
Kinder
1. Ties Johans Claus Johann (±1575−>1606)
2. Ties Johans Claus Boye
(±1575−1632 oder 1649), mein Vorfahr
3. Ties Johans Claus Claus (±1575−<1626). Ein
"Claus Claus der Ältere" und ein "Claus Claus der Jüngere"
lassen sich noch im Ackerschatzregister von 1686 nachweisen;
10 Morgen ihres Landbesitzes wurde 1687 durch den Bau des
Soldatendeichs ausgedeicht (LAS 66, 4453). Bei den beiden
könnte es sich um Nachfahren des Ties Johans Claus Claus
handeln.
4. Ties Johans
Claus Wÿbe (±1575−>1606)
5. Ties Johans
Claus Hennig (lebte um 1640)
Kinder
- Henniges Claus, lebte um 1660 in Ostermoor (KR Bb 1039)
- Henniges Ties, lebte um
1670 in Ostermoor
- Hennines Peter, lebte um 1670 in
Ostermoor
Einträge im
Brücheregister (LAS AR 102 S-Dithm.):
1563: "Andreß Schroder vs.
Thieß Johanß Clauß umb xv mk beclagter det j daler"
(es ging also um 15 Mark, der beklagte Clauß musste 1 Taler an
die Brüchekasse zahlen)
1563: "Peter Mathießen vs.
Thieß Johanß Clauß umb lxv mk beclagter det 3 daler"
(es ging um 65 Mark, Claus zahlte 3 Taler Strafe)
1566:
"Thieß Johanns Clauß heft
Jochims Paul schaden gedan. det ij Mk xiiij Sh"
(Claus musste 2 Mark, 14 Schillinge an die Brüchekasse zahlen)
(da in den ersten
Brücheregistern nicht zwischen den Bauerschaften unterschieden
wird, ist nicht erwiesen, um es sich um den Thieß Johanß Clauß
aus Ostermoor handelt)
1606:
"Hanß Wilkens Johan hefft
Clauß Boyenn, ock Thieß Johans dochter Wÿbenn, vnd Thieß
Johans Clauß Johan, schaden gedahn. d. 70 mk"
Hof: Ties Johans Claus
wurde, wie auch sein mutmaßlicher Bruder Ties Johans Wilken,
zwischen 1571 und 1576 Eigentümer eines eigenen Hofs. Genauer
lässt sich das Jahr leider nicht festlegen, weil für den kritischen
Zeitraum einige
Ackerschatzregister nicht verfügbar sind. Weder Claus noch sein
Bruder Wilken sind im Ackerschatzregister von 1570 gelistet.
Stattdessen findet man aber seit 1561 die Einträge "Ties Johans
Kinder de westerhoff 6 Morgen" und "de osterhoff ehnen
togehorich 10 Morgen". Folglich könnten sich die Kinder des Ties
Johann (Claus, Wilcken, deren Schwester NN, eventuell auch Ties,
der bereits seit mind. 1561 einen eigenen Hof besaß) zwischen
1571 und 1575 über die Verteilung des väterlichen Erbes geeinigt
haben.
Zeit: 1559 verlor die Bauernrepublik Dithmarschen in der Letzten Fehde
ihre Freiheit. Ties Johans Claus muss an den damaligen
militärischen Aktivitäten teilgenommen haben, denn alle
männlichen Einwohner Dithmarschens über 14 waren wehrpflichtig.
Ein Heer unter der Führung von Ritter Johann Rantzau fiel im
Juni 1559 in das Kirchspiel Brunsbüttel ein, eroberte den
Flecken Brunsbüttel und traf kurze Zeit später auf 700
Dithmarscher Bewaffnete und Zivilisten, die sich auf einer Wurt
(Josenburg?) verschanzt hatten. Es ist sehr gut möglich, dass
die Söhne von Ties Johan und vielleicht sogar Ties Johan selbst
zu den Eingeschlossenen gehörten und später in Schloß Gottorf
interniert wurden. Mehr zu den damaligen Ereignissen hier.
Im Februar 1561 und am 10.2.1563
bedrohten schwere Sturmfluten die Bauerschaft Ostermoor. Dem
ersten Landregister
von
1561 ist zu entnehmen, dass aus dem Hochmoor gerissener
Torf ca. 25 ha Land unbrauchbar machten. In einem 1562
geschriebenen Brief bittet die Bauerschaft den König, ihre
Deichlasten zu mindern.
1568 kartierte Melchior Lorich die Elbe. Wie dessen Karte sehr
schön erkennen lässt, gab es damals noch keinen Deich
zwischen der Bauerschaft Ostermoor und Büttel. Erst 1575 wird
diese Lücke geschlossen - Ties Johans Claus ist Zeuge der
Bauarbeiten, die sich durch mangelnden
Einsatz der Dithmarscher verzögerten.

1592 wurde der
"Froichenschatt" (Fräuleinschatz), eine Kopfsteuer aus Anlass
der Hochzeit der dänischen Prinzessin Christine mit dem
schwedischen Herzog Carl, erhoben. Wegen des langwierigen Krieges
mit
den
Türken (1593−1606) hatten Grundbesitzer
wie Ties Johans Claus in dieser Zeit mehrmals Sondersteuern
("Torckenschatt", Türkenschatz) zu entrichten.
II. Ties Johan (±1490−<1561).
Dem Landregister
ist zu entnehmen, dass Ties Johann 1561 bereits verstorben war
und seine Kinder, darunter wohl mein Vorfahr Claus und dessen
Bruder Wilcken, Eigentümer zweier Höfe in der Bauerschaft
Ostermoor waren.
Kinder
1. Ties Johans Ties (±1515−>1579),
besaß laut Ackerschatzregister im Jahre 1561 einen 9½.4 M.S
großen Hof im äußersten Westen der Bauerschaft. Dieser
verschwand in den 1570er Jahren aus den Registern, vermutlich
weil das Erbe unter seinen Kindern aufgeteilt wurde.
Kinder
- Tieß Johans Tieß Frentz (±1545−) (LAS 102.1 Nr. 221), besaß laut
Ackerschatzregister von 1579 einen 9.3 M.S großen Hof
- Tieß Johans Tieß
Annecke (±1545−>1569)
2.
Thies Johans Peter (±1540−>1582/84) (LAS 102 AR 1582/84, LAS 102.1
Nr. 213)
3. Ties
Johans Claus (±1540−1616/1617?),
mein Vorfahr, mehr hier
4. Ties Johans Wilken (±1540−>1597)
Kinder
- Tochter NN, oo seit ±1599 mit Maß Tieß Johan
- Tochter NN (<1597−), unehelich, Mutter war Denßken
Greeten, oo wahrscheinlich 1618 mit Johans Carsten
5. Tochter NN (±1540−>1580) "Ties
Johans dochter" wurde laut Brücheregister von 1580 (LAS
102 AR 1580) vom verheirateten Johann Hobbing "beslapen".
Strafe für Hobbing 44 mk.
Bei Ties Johans Kindern ist der Leitname Wilken das erste Mal
nachweisbar, der im 18. Jahrhundert eine so große Rolle
spielen sollte.
Aus
den Brücheregistern:
"Thieß Johanß Thieß Annecke gegen
Gelß marten dat he sich berohmet alse scholde he mit ehr ij
Jhar In untucht geluet hebben. ..." (LAS 102.1 Nr. 213,
Klage im Jahre 1569)
"Thies frenz hefft Cillienn
annecke ehre fenster uthgeschlagen @ dt vj mk" (LAS 102
AR S-Dithm. 1582/84)
"Harmen Claus Boie hefft Thies Johanns Wilcken
schwere Schlege gedhan, vnnd ehne Ihnn den grauen gestot
[ihn in den Graben gestoßen]" (LAS 102.1 219)
Im Brücheregister des Gerichts Meldorf der Jahre
1560−1580
findet sich nach Martens unter (dem Kirchspiel) Brunsbüttel
diese Notiz:
"Thies Johannß Wilcken heft Jumß Clauß entliuet, is
wickhaftig worden, de broder heft dat halue vorlopen gudt
afgedinget vp jc Daler."
Jumß Clauß ist sicherlich ein Lesefehler des Autoren - es muss
Juenß (Ivens) Clauß heißen. Die Basisstrafe für diesen
Totschlag betrug wie gewöhnlich 100 Mark - was der Rest
bedeutet, ist mir noch nicht so klar. Wenn man ein Komma
zwischen "gudt" und "afgedinget" setzt, dann klärt sich der
Sachverhalt jedoch vielleicht: "Der Bruder hat das halbe Gut"
- Wilcken und Claus bildeten offenbar die Erbengemeinschaft
"Ties Johans Kinder" oder zumindest einen Teil derselben.
Leider gibt G. Marten nicht an, in welchem Jahr der Totschlag
genau geschah bzw. aus welchem Brücheregister er diesen
Eintrag entnommen hat - 1576 wäre ein mögliches Tatjahr
und auch mit den mutmaßlichen Lebendaten von Ties Johans
Wilken und Ties Johans Claus bestens verträglich. In der Tat
lebte ein Iuenß Clauß in Ostermoor - er 1561 hatte einen Hof
von 9.7 M.S.
Hof: Ties Johan hinterließ seinen Kindern mindestens zwei
Höfe, nämlich den Westerhoff mit 6 M und
den Osterhoff mit 10 M.
I. (Hannecken?) Ties (±1465−). Über Ties wissen wir nur,
dass er gelebt habt haben muss. Der Vatersnamen "Hannecken" zwar nicht
urkundlich belegt, ergibt sich aber mit einiger
Wahrscheinlichkeit aus mir bisher bekannt gewordenen Fakten.
Kinder
1. (Hanneken) Ties Johann (±1495−<1561),
mein Vorfahre
2.
Hanneken Ties Claus (±1495−>1561), besaß laut Landregister
von 1561 einen Hof von 8 M im
Osten der Bauerschaft. Der Eintrag ist
unsicher.
Wenn meine
Vermutungen zutreffen, müsste der Vater von Johann und Claus
Hannecke geheißen haben. Dies würde erklären, weshalb Johann
einen seiner Söhne "Hennig" nannte.
Letzte
substanzielle Änderung: 13.10..2011