Zu Verhoffender
Insbesonders Hochgeehrter Herr Vatter von mir auskohrne Tugendt Begabte
Hertz
Allerliebste.
Er wolle sich nicht entgegen sein lassen, wenn ich mich
unternehmen darf, Ihm geehrtest vorzustellen die Worte:
es ist nicht gut. daß der Mensch allein sei,
sondern es ist besser eine Gehülfin [zu] haben. Dieses hat Gott
geredet,
weil
er an der Einsamkeit keinen Gefallen hatte, und darum hat er zwei
zusammengefügt, damit wenn einer fällt,
der andere ihm möchte ihm zu Diensten
stehen; und Paulus ist dieses einstimmig, wenn er zum Ausspruche
setzet:
Es ist
nützlich, es ist besser zu freyen als einsam zu leben. Weil aber dieses
nicht
allein ein menschliches Werk,
sondern ein Werk des Herrn ist, wie jener
Hauslehrer saget: Haus und Güter ererbet man von den Eltern, aber eine
vernünftige Ehefrau kömmt vom Herrn, Diesem nach so habe ich unter
Andern zu
dem Stifter des heiligen Ehestandes
geseufzet, daß er mich an den Ort verfügen
wollte, wo ich eine vernünftige und tugendbegabte Person antreffen
möchte,
verhoffe auch, daß Gott mein Gebet in Gnaden erhöret und mich an diesen
Ort
gekommen lassen.
Warum ich allhier
erscheine, und was ich verlange, sind nicht unmögliche Dinge, nicht
Schätze und
Kleinöde, sondern
mit der viel Ehr und Tugend reichen Jungfer Magdalena
Hinrichs, meine im Herzen auserkohrene Allerliebste, und
derselben verlange ich
in den Stand der heiligen Ehe zu treten. Darum, hochverehrter Herr
Vatter,
ersuche ich Ihnen
nach der Lehre des Engels Raphael, wenn er spricht: Werbe um
sie, so wird dir gegeben; ja, ich halte an, ich lasse nicht,
Sie segnen mich
denn; ich höre nicht auf, Sie gewähren mir denn meine Bitte und
versprechen
mir, Ihre Jungfer Tochter zur
Ehe zu geben; ich rede nach mit Simsons Gebet: sie
gefällt meinen Augen. Vor meinen Augen ist keine auf der ganzen Welt,
als sie
mein Schatz, die mir recht und wohl gefällt; ihr Betragen und Verhalten
giebt
mir ein helles Beispiel an, daß man
sie vor Jung und Alten loben, rühmen und preisen
kann; Ihr stilles sittsam Wesen ist schöner wie Edelstein, Summa,
sie ist
auserlesen und muß meine Liebste sein. Darum laß ich alles liegen, daß
ich möge
doch noch mal mit meinem
zärtlichen Vergnügen scherzen, lieben und lachen
zumal; leben in einer friedsamen Eh', daß man unsere Tugend seh',
denn mein Zeuge ist im Himmel, und der mich kennt,
in der Höh'.
Hertz vielgeliebter Vatter!
Ich liebe seine Jungfer Tochter zärtlich, wie
mein eigen Leib,
alle Tage für ihr zu sorgen, das soll sein mein Zeitvertreib;
denn ich bring nicht viele Schätze,
aber doch ein treues Hertze.
Hier ist mein
Hertz voll Liebestreu,
welch' jeden Tag soll werden neu,
von guter Art, von gut
Geblüt,
einen guten Sinn und treu Gemüt.
Ja so lang ich hab das Leben mein,
werd'
ich ihr treuer Herr Mann sein.
Und gegen Euch, Vatter, werde
ich mich
verhalten, wie es einem gehorsamen Sohn wohl anständig ist. Ja gegen
Seine
ganze
Familie werde ich mich erzeigen, daß sie in der Nähe und in der Ferne
ein
wohl anständiges Leben spüren und vernehmen werden.
Damit ich Ihnen aber nicht
länger mit meinem Reden aufhalte, jedoch hoffe, Sie werden aus diesem
Angebrachten mein Verlangen
zu erkennen wissen, so bedanke ich mich höflichst
für Dero geneigtest Aufmerken und verhoffe eine angenehme Antwort.